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Kulmbach

"Intimer Moment für uns": So feiert ein Paar in Oberfranken seine Hochzeit in der Corona-Krise

Trotz Coronavirus-Krise haben sich Nina und Jonas Hempfling in Kulmbach das Ja-Wort gegeben. Wie sieht eine Hochzeit in Corona-Zeiten aus?
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So sieht eine Hochzeit in der Corona-Krise aus - einsam stehen Nina und Jonas Hempfling nach der Trauung auf der Rathaustreppe. Bei der Zeremonie durften nicht mal die Eltern - rechts Brautvater Rüdiger Vetter - dabei sein. Foto: Christian Schuberth
So sieht eine Hochzeit in der Corona-Krise aus - einsam stehen Nina und Jonas Hempfling nach der Trauung auf der Rathaustreppe. Bei der Zeremonie durften nicht mal die Eltern - rechts Brautvater Rüdiger Vetter - dabei sein. Foto: Christian Schuberth
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Als sich die schwere Eichentür des Kulmbacher Rathauses für die frisch Vermählten öffnet, applaudiert eine große Schar von Fußballern, Arbeitskollegen, Familienangehörigen und Freunden. Sektkorken knallen, Kinder werfen Reis und Münzen, die Braut muss auf das vom Bräutigam gehütete Fußballtor schießen, ehe der Weg ins Eheleben frei ist.

So wäre es gewesen, grassierte nicht dieses verflixte Virus. So stehen Nina und Jonas Hempfling dieser Tage ganz einsam auf der großen Treppe. Unten applaudieren zwei Handvoll engster Familienmitglieder und Freunde den Frischvermählten. Es gibt Sekt aus Plastikbechern, ein paar Luftballons werden in den wolkenverhangenen Kulmbacher Himmel entlassen. Immerhin dürfen die engsten Familienmitglieder die Hochzeiter umarmen. Denn es ist der erste Tag nach Lockerung der Kontakt-Beschränkungen.

Trotz aller Einschränkungen haben sich Nina und Jonas getraut, besser gesagt, trauen lassen. "Wir wollten unbedingt am 6. Mai heiraten", sagt Braut Nina Hempfling, "schließlich sind wir an diesem Tag zusammengekommen". Das war vor elf Jahren, beide damals noch zarte 13 bzw. 15. Die Liebe hat die wilden Teenager-Jahre überstanden, da kann ihr so ein vermaledeiter Virus auch nichts mehr anhaben. Im Urlaub auf Mauritius im vergangenen Jahr hat Jonas schließlich erfolgreich um die Hand seiner Freundin angehalten.

Kirchliche Trauung mit Gästen steht noch in der Schwebe

Eine Hochzeit will natürlich lange geplant sein. Der Samstag, 20. Juni, wurde als Tag der kirchlichen Trauung in der Mangersreuther Kirche auserkoren. Anschließend soll im Fichtelgebirgshof in Himmelkron gefeiert werden. Soll - denn alles hängt davon ab, ob bis dahin wieder Großveranstaltungen - und das ist die Hempfling-Hochzeit mit rund 100 Gästen - wieder gestattet sind. Nina Hempfling ist mehr als skeptisch. "Die Party müssen wir wohl aufs nächste Jahr verschieben, die Flitterwochen wohl auch", gibt sie sich keinen Illusionen hin. Mit der Absage der Party will das Brautpaar aber möglichst warten.

Irene Kauper, Chefin des derzeit geschlossenen Fichtelgebirgshofs, hatte heuer etwa 30 Hochzeiten im Kalender stehen, zehn sind schon ausgefallen. "Vielleicht lässt sich wenigstens die Hälfte des Jahres noch retten", sagt die Wirtin, die derzeit "null Einnahmen" hat und hofft, dass die abgesagten Hochzeiten 2021 nachgeholt werden können.

Schon die Junggesellenabschiede und der Polterabend der Hempflings sind ins Wasser gefallen. Ninas Freundinnen wollten die Braut mit einem Wochenend-Trip nach Wien überraschen, die Jungs derweil Köln unsicher machen. "Das werden wir aber nachholen", verspricht Jonas' Kumpel Moritz Hempfling.

Auf der Gästeliste der Hempflings stehen nicht nur viele Freunde und Arbeitskollegen - die Braut arbeitet am Klinikum Kulmbach, der Bräutigam ist Metallbauer bei der Firma Unkauf in Kauerndorf -, sondern auch viele Fußballer. Alles ehemalige oder aktuelle Mitspieler von Jonas Hempfling, der einst vom damaligen A-Klassisten BSC Kulmbach auszog, um es über den Bayernligisten VfL Frohnlach bis hinauf in die viertklassige Regionalliga zu schaffen. Seit eineinhalb Jahren steht Jonas Hempfling wieder beim Landesligisten VfL Frohnlach im Tor.

Trauung ohne Gäste hat auch etwas Positives

Einer seiner größten sportlichen Momente liegt fast genau zwei Jahre zurück. Am 12. Mai durfte Jonas Hempfling gegen den großen TSV 1860 München den Kasten der SpVgg Bayreuth hüten. 3000 Zuschauer waren im Stadion. Doch am bislang bedeutendsten Tag seines Lebens stand er mit seiner Nina ganz alleine vor dem Standesbeamten. Während die jungen Eheleute der skurrilen Trauungszeremonie sogar noch etwas Positives abgewinnen konnten (Nina: "So war es eben ein intimer Moment für uns"), war Brautmutter Sandra Vetter draußen den Tränen nahe. "Ich bin schon sehr traurig, dass ich nicht dabei sein durfte."