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Kulmbach Kaufland: Schnäppchen und ein paar Tränen

Mit der Kaufland-Schließung geht eine Ära im Einkaufszentrum "fritz" zu Ende. Am letzten Öffnungstag gab es verlockende Schnäppchen - und Abschiedsschmerz.
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Kathrin Ströber (42) aus Mainleus nutzt die reduzierten Preise, um auf Vorrat einzukaufen. "Ich finde es trotzdem schade, dass der Markt zumacht."Sonny Adam
Kathrin Ströber (42) aus Mainleus nutzt die reduzierten Preise, um auf Vorrat einzukaufen. "Ich finde es trotzdem schade, dass der Markt zumacht."Sonny Adam
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Samstag - herrliches Sommerwetter: Eigentlich ein Tag, um draußen die Ferien zu genießen, um im Café zu sitzen. Doch die Kulmbacher strömen schon in aller Herrgottsfrühe ins Einkaufszentrum "fritz". Das Kaufland ist heute zum letzten Mal geöffnet: Totalausverkauf. Siebzig Prozent Rabatt locken die Schnäppchenjäger.

Für die Kunden machen diese Preise den Abschied leichter. Auch solche, die zuvor nicht dort eingekauft haben, kommen und wollen von den günstigen Preisen profitieren. Kathrin Ströber (42) hat sich gezielt auf die Suche nach Wein und Spirituosen gemacht. Und sie wurde fündig. Sie stockte ihren Vorrat auf, kaufte erlesene Tröpfchen. "Ich bin schon zum zweiten Mal da. Ich decke mich mit Wein ein. Das hält sich - und man kann richtig viel sparen", sagt sie offen.

Ein trauriger Tag

Kathrin Ströber ist kein Einzelfall. 380 Euro zahlte sie beim zweiten Durchgang. Eine Menge Geld. Aber eigentlich hätte der Inhalt dieses Einkaufswagens 1266 Euro gekostet. "Aber obwohl ich heute zuschlage, finde ich es schade, dass Kaufland zumacht", sagt Ströber. Die Mainleuserin möchte an diesem Tag nicht vergessen, dass der Auszug ein trauriges Ereignis für die ganze Stadt ist. Sie hat ein Auto, kauft ein, wo es ihr gerade passt. Andere, die in der Stadt wohnen und nicht so mobil sind, tun sich jetzt schwerer. "Es gibt nicht viele Lebensmittelmärkte, die so ein breites Warensortiment haben", so Ströber.

Für die Kassiererinnen ist der letzte Tag nicht leicht. Sie haben unglaublich viel zu tun, müssen noch einmal einen ungeheueren Ansturm bewältigen.

Manche Kunden sind genervt von den langen Schlangen an der Kasse. Kinder turnen auf den Einkaufswagen herum, die Eltern schimpfen. Wartende in der Schlange werden von ungeduldigen Dränglern "angefahren" - als ob die Schlange dann schneller vorrücken würde. Die Kassiererinnen bleiben ruhig und professionell, ziehen Artikel um Artikel über das Band. Sie schließen Regale, hängen Verkaufsflächen ab. Je später es wird, desto leerer wird die Fläche.

Als Überraschung kommt eine Abordnung der Kulmbacher SPD in den Markt und schenkt den Kaufland-Mitarbeitern Rosen. Eine nette Geste.

Mitarbeiter vor ungewisser Zukunft

Einige wenige Kunden nutzen den letzten Tag, um ein paar Worte mit den Hauptpersonen des Ausverkaufs zu wechseln: "Wie geht es Ihnen? Wie geht es für Sie weiter?" Diese Fragen führen bei mancher Mitarbeiterin zu einem Kopfschütteln, sogar zu Tränen. "Ich habe heute schon zwei Mal geweint. Es ist nicht leicht", sagte eine.

Die Mitarbeiter haben viel auf dem Herzen: ungewisse Zukunft, Abschiedsschmerz, Trauer, Enttäuschung nach vielen Jahrzehnten Mitarbeit und Engagement. Manche möchten in Rente gehen, Fortbildungskurse machen, Umschulungen. Und einige sind nach den letzten Tagen einfach nur müde - unglaublich müde. Eine Mitarbeiterin erzählt, sie möchte sich endlich Zeit für eine Operation nehmen, die sie schon seit langem immer wieder aufgeschoben hat.

Trotz Sozialplan und einem Interessenausgleich in konstruktiver Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Verdi ist das Aus für die meisten nicht einfach.

Einige Schnäppchenjäger wurden beim Einkaufsrummel aggressiv, fühlen sich nicht wohl, dass die Zeitung da ist und beobachtet. Aufnahmen im Markt und Gespräche mit den Mitarbeitern sind seitens der Filialleitung nicht erwünscht.

Die Mitarbeiter haben die Aufgabe, die noch vorhandenen Waren so in die Regale zu stellen, dass sich noch eine zusammenhängende Verkaufsfläche ergibt. Ständig muss umgeräumt werden. Manche Flächen im Kaufland sind schon am Vormittag komplett geschlossen. Fleisch und Milchprodukte gibt es nicht mehr.

Mitten im Markt steht noch ein Sonderposten Blumenerde. Klaus Berns (67) aus Stadtsteinach greift zu. "Ich habe zuletzt jeden Tag etwas gekauft. Die Preise waren wirklich günstig."

"Nicht das, was wir uns wünschen"

Berns sieht die Schließung sachlich. Eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. "Es ist in Kulmbach genauso wie überall. In den Innenstädten gibt es nichts mehr. Läden gehen auf die grüne Wiese. Da gibt es Parkplätze", sagt er. "Natürlich ist es nicht das, was wir uns wünschen. Die meisten sind Sozialromantiker. Aber wir haben ein System wie in den USA. Der Markt bestimmt, was Sache ist", so Berns.

Unterdessen geht der Kaufrausch im Markt weiter - dem Ende entgegen. "Es ist einfach schade. Ich bin jede Woche zwei Mal ins Kaufland gekommen", erzählt die 71-jährige Sigrid Kugler. Sie wohnt in der Innenstadt und hat hier gerne eingekauft. Vor dem Markt trifft sie ihre Bekannte Elisabeth Rödel (76). "Ich war jeden Tag hier. Ich habe kein Auto. Jetzt sind die Wege für mich weiter ", sagt diese: "Die Entscheidung ist gefallen - aber es wird etwas fehlen."

"Naja, am letzten Tag war es nicht so schlimm wie während der ganzen Woche. Die Leute waren so verrückt, dass sogar der Verkehr geregelt werden musste, weil niemand mehr aus dem Parkhaus kam", verriet eine Kassiererin.

Am Ende bleibt ein Wühlkorb mit schmackhaft gewürzten Würmern, Grillen oder Protein-Müsli gleich vor der Kasse. Diese "Zukunftsprodukte" wollen die Kulmbacher auch zum kleinsten Preis nicht kaufen.