Oberauhof
Badeverbot

Kulmbach kämpft mit Riesenstaubsauger gegen die Algenflut

Mit einem Riesenstaubsauger kämpft man in Kulmbach gegen die Algenflut im Naherholungsgebiet Oberauhof.
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Christian Meister  steht bis zum Bauch im übel riechenden Wasser. Er spritzt mit einem Schlauch die Algen Richtung Absauger. Foto: Sonny Adam
Christian Meister steht bis zum Bauch im übel riechenden Wasser. Er spritzt mit einem Schlauch die Algen Richtung Absauger. Foto: Sonny Adam
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Am frühen Morgen, wenn noch keine Touristen und Erholungssuchenden unterwegs sind, versuchen Mitarbeiter der Firma Drechsler, der Blaualgenplage am Oberauhof Herr zu werden. Sie saugen die Plagegeister ab, keine gerade sehr appetitliche Arbeit.

Direkt ins Entsorgungsauto

Sven Schlegel und Dennis Buß rücken den Algen zunächst mit Rechen auf den Pelz. Christian Meister hat die undankbarste Aufgabe im Team. Denn er steht bis zum Bauch im übel riechenden Wasser. Er spritzt mit einem Schlauch die Algen Richtung Absauger. Und dann kann Vinzenz Kaffka seiner Aufgabe walten. Er sorgt dafür, dass der Mega-Staubsauger funktioniert und dass die Algen auch wirklich im Entsorgungsauto landen.

Noch vor wenigen Tagen hatte das staatliche Gesundheitsamt die Wasserqualität des Naherholungsgebietes Mainaue gelobt (wir berichteten), doch inzwischen ist die Situation eskaliert. Die Blaualgen sind wieder da und sorgen für Gestank und ein Badeverbot.

Qualität bis vor Kurzem top

Seit Wochen wurde das Wasser im Naherholungsgebiet Mainaue täglich untersucht. Manchmal fuhren die Experten sogar mehrfach am Tag hinaus, um Proben zu ziehen. Nicht nur wegen der Blaualgen, sondern auch wegen der mikrobiologischen Qualität.

Die Leiterin des staatlichen Gesundheitsamts, Camelia Sancu, hatte sich noch vor wenigen Tagen gefreut, dass die Sichttiefe bei 60 Zentimetern lag und auch die mikrobiologische Qualität in Ordnung war.

Lediglich die Angler machten sich Sorgen. Denn die Kieswäsch' heizte sich immer weiter auf. "Teilweise liegen die Wassertemperaturen bei 30 Grad", klagte Frank Podhorn, Vorsitzender des Fischereivereins.

Hoffen auf sinkende Temperaturen

Alle hofften auf sinkende Temperaturen und auf eine Verbesserung der Situation. Doch die kam nicht in dem Maß, wie sie vorhergesagt war. Im Gegenteil: Die Blaualgen sind in den letzten Tagen regelrecht "aufgeblüht" und haben jetzt zu einem Badeverbot geführt.

An der Oberfläche des Wassers sieht man den typischen türkis-grüne Schimmer. Es stinkt unangenehm. "Ich bin täglich am See und die ganze Woche noch geschwommen, aber jetzt nicht mehr", sagt Frank Krüger (73). Krüger fährt täglich mit seinem Fahrrad zur Kieswäsch', sitzt am Ufer, trinkt etwas.

"Wie ausgestorben"

"Man merkt sofort, wenn Badeverbot verhängt ist. Es ist hier heute wie ausgestorben. Man riecht es auch, dass die Algen da sind", erklärt der 73-Jährige. Da er viele Stunden am See verbringt, hat er beobachtet, dass die Stadt versucht, der Algenplage Herr zu werden.

Das Naherholungsgebiet zieht trotz der Blaualgen Besucher aus nah und fern an. Völlig verwaist sind die Seeufer nicht. Die Menschen gehen weiter spazieren, radeln am Wasser entlang oder sitzen einfach am Ufer.

Die Eheleute Nowak und Ciupek freuen sich sogar, dass weniger los ist. Die beiden Paare wollen gemeinsam grillen. Dass direkt nebenan die Warnschilder aufgestellt sind, stört sie nicht. Sie wollen einfach draußen feiern.

Probleme für Kioskbetreiber

Ein echtes Ärgernis sind die Blaualgen vor allem für die Kioskbetreiber. "Die Stammgäste kommen schon, aber schön ist das nicht. Was soll man da sagen", meint Dieter Kern. In den ersten Jahren, nachdem er den Kiosk gepachtet hatte, habe es keine Algen gegeben.

"Es riecht ein bisschen, aber die Algen stinken nicht. Man kann trotzdem auf der Terrasse sitzen", sagt Kern und hofft, dass ihm die Kunden die Treue halten.

"Ich sitze nicht vorne am Wasser", sagt Hans-Jörg Lorenz. Der 54-Jährige hat sich eine sogenannte Schlagplatte an die Kieswäsch' mitgebracht und Percussion-Noten vor sich liegen. "Dass ich so weit vom Ufer weg sitze, hat aber nichts mit den Algen zu tun, sondern damit, dass ich einen geraden Untergrund brauche", erklärt er.

Lorenz nutzt seine See-Aufenthalte, um zu üben. Er will auch in Zukunft weiter an die Kieswäsch' kommen. "Baden würde ich jetzt aber nicht. Das sieht nicht so gut aus und man muss ja nichts herausfordern", sagt er. Eine Idee, was helfen könnte, will er nicht in den Raum werfen. "Man hat ja schon den Zaun aufgestellt - und an anderen Seen gibt es auch solche Probleme", sagt Lorenz und: "Da müssen Biologen sich etwas ausdenken."

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