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Kulmbach
Konzert

Kulmbach: Jazz in seiner reinsten Form

Die Old Beertwon Jazzband zeigte im Brauerei-Museum Leidenschaft und reiche Improvisationskunst.
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Sie sind Jazz-Virtuosen, gaben Kostproben ihres Könnens einem enthusiastischem Publikum, das ihnen stehende Ovationen bereitete: Micha Winkler, Daniel Hoffman , Sepp Roth, Pit Brendel,Silke Krause(verdeckt) und Conny Fischer-Andreassohn (von links). Foto: Horst Wunner
Sie sind Jazz-Virtuosen, gaben Kostproben ihres Könnens einem enthusiastischem Publikum, das ihnen stehende Ovationen bereitete: Micha Winkler, Daniel Hoffman , Sepp Roth, Pit Brendel,Silke Krause(verdeckt) und Conny Fischer-Andreassohn (von links). Foto: Horst Wunner

Es war ein bisschen wie die abendliche Moonlight-Serenade, aber keine Kopie - zeitversetzt und im lockeren Morgengefühl. Gestern, pünktlich um 10.59 Uhr zum Faschingsauftakt, präsentierten sich die Old Beertown Jazzband Kulmbach und der schon lange bekannte Stargast Micha Winkler beim erstmaligen Jazz-Frühschoppen im Brauerei-Museum mit viel Spielleidenschaft und reicher Improvisationskunst. Das war Jazz in seiner reinsten Form, authentisch und porentief von acht Interpreten-Juwelen serviert.

Durchgängig hohes Niveau

Durchgängig hohes Niveau, Soli per excellance, die Lust immer spürbar, wurden alle Jazz-genres ausgelotet, neu arrangiert oder im bewährten Fließen. Instrumentale Perfektion und gesangliche Kabinettstückchen machten die zwei Stunden zum Vergnügen, ob bei Swing, Blues oder Hot-Jazz.

Wer kennt sie nicht, die unvergessenen Titel wie "On the sunny side", den "Tin Roof Blues" oder "I can't give you anything but love" - für die Band kein Problem.

Der Kopf und Leader Conny Fischer Andreassohn als smarter Moderator und am Bass brillant, Wolfgang Schrepfer (Saxophon), Sepp Roth (Klarinette), Wolfgang Diehm (Gitarre) und Pit Brendel (Schlagzeug) sind das Fundament. Und integriert mittlerweile sind Silke Krause (E-Piano) aus Dresden und Daniel Hoffmann (Trompete) aus Weimar. Sie alle harmonierten wie aus einem Guss, ohne die persönliche Note und Ausstrahlung zu verlieren.

Das Jazz-Feeling zog sich wie ein roter Faden durch den späten Vormittag, die etwa 200 Besucher, darunter zahlreiche Sponsoren, standen ohne Aufforderung oft wie eine Mauer, um zu applaudieren, spendeten auch Zwischenbeifall en masse.

Und den hatten sich die vorne auf der Bühne verdient, so lässig, erfrischend und cool kamen die Rhythmen ans Ohr.

Silke Krause hämmerte melodisch federleicht in die Tasten, ein hell leuchtender Sound, während Daniel Hoffmann Trompetenstöße in mäandernder Dichte verströmte.

Ein Sachse mit Humor

Und Micha, dieser Sachse mit dem hintergründigen Humor, der unvermittelt seine nett garnierten skurrilen Geschichten zum Besten gab, ist nicht nur ein kurzweiliger Unterhalter, sondern auch ein großartiger Posaunist und Jazz-Sänger. Diese ellenlangen, später schräg schraffierten Tonfolgen und variierenden Akkordwechsel zeichnen ihn aus, mit und ohne Schalldämpfer.

Blicke nach links und rechts, kurzes Nicken, und der nächste Part kann beginnen.

"Wir verstehen uns blind", beschreibt das Conny Fischer Andreassohn - und die Band vermittelt wieder ihren unnachahmlichen Sound für Südstaaten-Atmosphäre und Jazzkeller-Flair . "Bei mir bist du schön", "All of me" und "Icecream" sind heftig beklatschte Zugaben, nochmals sind die Kraft und Empathie der Vollblut-Musiker zu erleben. Ein fetziges, ungemein inspirierendes Finale, das die Zuhörer wieder geschlossen aufstehen lässt. Zu denen auch Ehrenbürger Hans-Albert Ruckdeschel gehörte, ein bekennender Fan der Band.

Helga Metzel vom Brauereimuseum freute sich über die gelungene Premiere. "Ich wurde auch gefragt, ob man das wiederholen kann." In der Planung für 2019 sei das vorgesehen, versprach sie.

Wieder Moonlight

Der Termin für die nächste Moonlight-Serenade steht dagegen schon: Sonntag, 30.Juni 2019, Mönchshof-Gelände.