Ziegelhütten
TV-Bericht

SternTV: Randale-Brüder im Fernsehen - Vater der JUngs gibt Mutter die Schuld

Die neueste Ausgabe von SternTV am Mittwochabend wurde von vielen Kulmbachern mit Spannung erwartet. Grund dafür war ein Beitrag der Sendung über zwei Brüder (4 und 6 Jahre) aus Ziegelhütten, die ihre Nachbarschaft verwüstet hatten. So war der Beitrag bei RTL:
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SternTV-Moderator Steffen Hallaschka (links) interviewte in der Sendung am Mittwochabend den Vater der Jungs, Florian P. Screenshot: Jürgen Gärtner
SternTV-Moderator Steffen Hallaschka (links) interviewte in der Sendung am Mittwochabend den Vater der Jungs, Florian P. Screenshot: Jürgen Gärtner

Viel Redebedarf herrscht nach dem SternTV-Beitrag über die beiden Chaos-Brüder aus Kulmbach: Die Behauptungen des Vaters rücken die Mutter in ein sehr negatives Licht. Der Hintergrund des Beitrags auf RTL bei SternTV um 22.15 Uhr am Mittwoch (28. August 2019): Die beiden Jungs im Alter von 4 und 6 Jahren hatten im Stadtteil Ziegelhütten gezündelt, einen Keller unter Wasser gesetzt und Autos mit Lack besprüht. Die Kinder waren ihrer Mutter ausgebüxt und hatten einen Schaden in Höhe von 15.000 Euro angerichtet.

Brüder aus Kulmbach verwüsten Nachbarschaft: So war der Beitrag auf SternTV

Die Sendung Die Kulmbacher brauchten ein wenig Geduld, ehe das Thema über den Bildschirm flimmerte. Erst nach einer knappen halben Stunde moderierte Steffen Hallaschka die Vorkommnisse als zweiten Beitrag an. Während andere Medien die Sache eher als eine Art Lausbubenstreich dargestellt hätten, so Hallaschka, sehe man den Fall bei SternTV aber ernst. "Wenn man genau hinschaut, wird man das ganz und gar nicht ulkig finden", sagte er, nachdem sich ein mehrköpfiges Team um SternTV-Redakteur Lennart Neuhaus zwei Tage in Kulmbach umgehört hatte.

Die Nachbarin Auch Nachbarin Petra Raab wandte sich an die Reporter und schilderte ihren Eindruck von der alleinerziehenden Mutter, klagte über Lärm ("Die können nicht leise"), Abfälle, die in den Garten geschmissen werden. "Es wird Zeit, dass eingegriffen wird", sagte sie mit Blick auf das Verhalten der Familie.

Die Geschädigten Die Geschädigten zeigten kein Verständnis für die Mutter und die beiden Buben, die laut SternTV noch zwei Geschwister haben. Annika Bluhm, deren Auto die Kinder beschädigt hatten (geschätzte Reparaturkosten: 3000 Euro): "Ich bin stinksauer. Ich sehe nicht ein, auch nur einen Cent dafür zu zahlen, dass ihre Rotzlöffel herkommen und bei mir das Auto versauen." Anna-Luise Rupp kann gar nicht glauben, "dass die kleinen Kinder das machen können".

Die Polizei Die beiden Burschen sind laut Polizei trotz des jungen Alters schon aktenkundig. Stellvertretender Inspektionsleiter Alexander Horn: "Die Kinder sind schon mal von Zuhause weg."

Das Jugendamt Das Amt will helfen, ist aber auf die Zusammenarbeit mit der Mutter angewiesen: "Wir können nur Angebote machen, aber es ist davon abhängig, inwieweit die Familie bereit ist, diese Angebote anzunehmen", erklärte Leiter Klaus Schröder. Laut SternTV steht die Herausnahme der Kinder aus der Familie im Raum.

Der Vater Zentrale Figur des Beitrags ist aber der Vater der beiden Buben, Florian P., von der Mutter getrennt lebender Ex-Mann. Er saß später sogar mit Hallaschka noch für ein Interview im Studio. Er habe Angst, dass die Kinder kriminell werden, sagte Florian P. Er möchte die Buben zu sich holen und ihnen ein besseres Leben bieten. Dafür seien schon gewisse Schritte in die Wege geleitet worden. "Mehr will ich dazu nicht sagen", erklärte er.

Das Interview Mehr sagte er aber nach der etwa achtminütigen Film-Einspielung im Live-Interview. Schon vor drei Jahren habe er das Sorgerecht für seine Söhne beantragt, es dann aber noch einmal mit der Frau probiert. Jetzt wolle er die Jungen "definitiv weg von der Mutter" holen. Denn ihr Umgang mit den Kleinen sei "nicht sehr schön". "Sie werden nur noch angeschrien." Die Mutter wolle nur Party machen, behauptete Florian P. Er wolle sich mit den Geschädigten in Verbindung setzen und um Entschuldigung bitten - und sehen, "wie der Schaden zu beheben ist".

Die Mutter Mit der Mutter konnte SternTV nicht sprechen. Reporter Lennart Neuhaus stand zwar vor der Haustür der Frau, aber außer Hundegebell aus der Wohnung war nichts zu hören.

Das sagt das Netz

Der Beitrag bei SternTV wurde nach der Sendung auf dem sozialen Netzwerk Facebook rege diskutiert. Dabei gab es verschiedene grobe Strömungen.

Auf der Seite der Bayerischen Rundschau schrieben mehrere User, dass sie die Sendung bewusst boykottiert hätten und den Beitrag für "völlig überflüssig" und eine "Hexenjagd" hielten. Die Familie werde bloßgestellt. Wieder andere sind der Ansicht, dass die Kinder der Mutter weggenommen und in einer Pflegefamilie untergebracht gehören.

Auch auf der Facebook-Seite von SternTV wurde das Thema heiß diskutiert. Über 460 Kommentare zählte der Beitrag am Donnerstagabend. Bei SternTV gibt es Zweifel am Auftreten des Vaters. "So wie der Vater sich im Interview verhalten hat, weiß ich nicht, ob die Kinder da zwangsläufig besser aufgehoben sind", schreibt eine Nutzerin, während er von anderen verteidigt wird: "Er hat sich der Situation gestellt."

Versöhnliche Töne

Es gibt auch versöhnliche Töne: "Es ist immer schwer für viele, sich Hilfe zu suchen. Alleinerziehende haben es schwer. Ich finde, da sollte das Jugendamt mit der Mutter zusammenarbeiten, damit alle die Chance auf ein normales Leben haben."

Zu dem SternTV-Beitrag auch ein Kommentar:

Eine wichtige Seite der Geschichte fehlt

Schon im Vorfeld wurde viel über die SternTV-Sendung vom Mittwoch diskutiert. Wie wird SternTV über den Fall berichten? So wie viele andere Medien auch, die die beiden Burschen als Lausbuben darstellten und mit Übertreibungen nicht geizten? Oft meinte man, die Kleinen hätten den ganzen Kulmbacher Ortsteil in Schutt und Asche gelegt.

Hier muss man SternTV loben: Moderator Steffen Hallaschka stellte gleich zu Anfang klar, dass er den Vorfall alles andere als ulkig findet. Sein Reporter-Team hatte sich umgehört und ließ wirklich (fast) alle Seiten zu Wort kommen. Verständlich der Ärger der Geschädigten, die möglicherweise auf ihrem Schaden sitzen bleiben werden.

Was nach dem 15-minütigen Bericht jetzt fast jeder Kulmbacher wissen dürfte, ist, wo die Familie wohnt. Und damit ist es in einer kleinen Stadt wie Kulmbach kein Problem herauszufinden, wer die Mutter ist. Ob das gut war?

Ihr Ex-Mann - im Filmeinspieler noch mit Kappe und Sonnenbrille schwer zu erkennen - kam neben Nachbarn, Geschädigten und Behörden ebenfalls zu Wort. Florian P. ließ nicht viel Gutes an der Mutter seiner Kinder und stellte sich selbst als besorgten Vater dar. Wie glaubhaft das war, mag jeder selbst entscheiden.

Eine Person fehlte aber: die Mutter. Das war schade. Ohne sie fehlt eine wichtige Seite der Geschichte.

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