Kulmbach
Portrait

KT zu Guttenberg: Die Karriereleiter rauf und runter

Der Auftritt zu Guttenbergs in Kulmbach lockt Medien und Bürger. Wir blicken zurück auf den kometenhaften Aufstieg und Fall des CSU-Hoffnungsträgers.
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Das Ende einer Karriere der Superlative: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt am 1. März 2011 die Pressekonferenz, in der er seinen Rücktritt bekannt gegeben hat.  Foto: Maurizio Gambarini/ dpa
Das Ende einer Karriere der Superlative: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt am 1. März 2011 die Pressekonferenz, in der er seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Foto: Maurizio Gambarini/ dpa
KT kommt nach Kulmbach. Er macht Wahlkampf für die CSU. Die erste Station seiner Tour durch die sieben bayerischen Regierungsbezirke ist seine Heimat-Wahlkreis, in dem vor 15 Jahren seine rasante politische Karriere begann.

Schon jetzt steht fest: Es wird eng werden am Mittwochabend in der Dr.-Stammberger-Halle. Zahlreiche Journalisten und Kamerateams haben sich angekündigt. Und natürlich werden viele neugierige Bürger da sein, die Karl-Theodor zu Guttenberg live erleben wollen, sechs Jahre nachdem er sich von der politischen Bühne verabschieden musste.

Zu Guttenbergs Karriere war ein Phänomen, der Mann selbst eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Politikern. Dazu trug zum einen sicherlich die aristokratische Abstammung bei, zum anderen aber auch sein Redetalent und sein staatsmännisches Auftreten. Der Skandal um seine Doktorarbeit holte den CSU-Stern vom Polithimmel.

In der Politik muss man in der Regel klein anfangen. Das galt ansatzweise sogar für Karl-Theodor zu Guttenberg, auch wenn es bei ihm extrem schnell voranging. 1998 trat er in die CSU ein, wurde 1999 Vorsitzender des Ortsverbands Guttenberg, später auch Mitglied des CSU-Kreisvorstands. 2002 präsentierte ihn die CSU in der Nachfolge von Bernd Protzner als neuen Direktkandidaten für die Bundestagswahl. Mit 63 Prozent der Erststimmen gewann er auf Anhieb souverän den Wahlkreis 240. Bei der Wiederwahl 2005 konnte er den Erfolg mit 60 Prozent wiederholen, 2009 mit stolzen 68,1 Prozent sogar noch deutlich toppen. Es war das bundesweit beste Erststimmen-Ergebnis.


Schneller Aufstieg


Am 30. Oktober 2008 wurde zu Guttenberg von Parteivorsitzendem Horst Seehofer zum CSU-Generalsekretär ernannt. Ein Amt, das er allerdings nur wenige Monate ausübte, denn schon zum Beginn des folgenden Jahres warteten höhere Weihen auf den Oberfranken: Nach dem Abschied von Michael Glos als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie ernannte Kanzlerin Angela Merkel ihn am 9. Februar 2009 zu dessen Nachfolger. Bei Amtsantritt war Guttenberg mit 37 Jahren der bisher jüngste Wirtschaftsminister der Bundesrepublik. Mit der Übernahme des Ministeramtes endete seine Tätigkeit als CSU-Generalsekretär.

Guttenberg trat sein Amt als Wirtschaftsminister während der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise an. Das öffentlichkeitswirksamste Thema war der Kampf um die Zukunft des Automobilherstellers Adam Opel AG. Seine USA-Reise zu den Opel-Verhandlungen mit dem Mutterkonzern General Motors erzielte erste hohe Medienaufmerksamkeit.


Afghanistan und der Wehrdienst


Gerade einmal acht Monate lang war "KT" Wirtschaftsminister, als ein neuer Aufgabenwechsel anstand: Er wurde zum Bundesverteidigungsminister ernannt, erneut der Jüngste, den Deutschland bis dato hatte. Bereits als Abgeordneter hatte sich Guttenberg 2007 für eine Ausweitung des ISAF-Mandats und den Einsatz von deutschen Soldaten im Süden Afghanistans ausgesprochen. Mit dem Amt übernahm er auch die Aufgabe, die Vorgänge um den Luftangriff bei Kundus vom September 2009 aufzuklären, der zur Amtszeit seines Vorgängers Franz Josef Jung erfolgt war und bei dem Zivilisten getötet worden waren.

Während seiner Amtszeit veranlasste Guttenberg zur Verbesserung der Sicherheitslage in Afghanistan eine Aufstockung der deutschen Truppen. Im Verlauf seiner Amtszeit reiste Guttenberg insgesamt neunmal nach Afghanistan und traf mehrmals Soldaten unmittelbar an der Front.


2010 nahm der Minister eine Strukturreform der Bundeswehr in Angriff, die unter anderem zur Abschaffung des Grundwehrdienstes führte. Dieser wurde als nicht mehr notwendig eingestuft.


Beim Abschreiben erwischt


Das jähe Ende der Bilderbuchkarriere des adeligen Bundespolitikers aus Guttenberg kam im Februar 2011 mit der Plagiatsaffäre. Zu Guttenberg wurde vorgeworfen, zahlreiche Passagen seiner Dissertation mit dem Titel "Verfassung und Verfassungsvertrag" abgeschrieben zu haben. Auf der Grundlage dieser Arbeit war ihm 2007 von der Universität Bayreuth der akademische Doktortitel verliehen worden.
Nicht nur der Vorwurf an sich, auch das anfängliche Leugnen schadete dem Ansehen Karl-Theodor zu Guttenbergs. Schließlich gestand er schwere Fehler in der Arbeit ein, wies aber den Vorwurf vorsätzlicher Täuschung von sich.

Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth erkannte zu Guttenberg nach Prüfung der Vorwürfe am 23. Februar 2011 den Doktortitel ab. Am 1. März 2011 erklärte er schließlich seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern.


Rückzug in die USA


Die Familie zu Guttenberg verließ Deutschland und lebt seither in den USA. Seit Dezember 2011 ist Guttenberg für die "No disconnect"-Strategie der EU-Kommission als unentgeltlicher Berater tätig. Er übernimmt die außenpolitische Koordination mit beteiligten EU- und Drittländern sowie Nichtregierungsorganisationen.

Immer wieder wurde über eine Rückkehr des einstigen CSU-Hoffnungsträgers in die deutsche Politik spekuliert, vor allem nachdem Seehofer Guttenberg 2015 in sein Kompetenzteam für den Wahlkampf berief. Im Januar 2017 gab Guttenberg bekannt, sich wieder in der CSU engagieren zu wollen. Eine Rückkehr auf die politische Bühne hat er bisher ausgeschlossen.
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