Ludwigschorgast
Veruntreuung

Krisensitzung bei Liederhort Ludwigschorgast

Außerordentliche Versammlung am Sonntag beim Gesangverein "Liederhort" in Ludwigschorgast: Die verstorbene Schatzmeisterin hinterließ ein Chaos, veruntreute Vereinsvermögen. Vorsitzender Michael Rief hat aus eigener Tasche den Schaden beglichen.
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Die verstorbene Kassiererin des Gesangvereins "Liederhort" hat mehr als 5200 Euro veruntreut. Vorsitzender Michael Rief gab gestern bei einer Mitgliederversammlung bekannt, dass er aus eigener Tasche den entstanden Schaden beglichen hat. Foto: Symbolbild Matthias Beetz
Die verstorbene Kassiererin des Gesangvereins "Liederhort" hat mehr als 5200 Euro veruntreut. Vorsitzender Michael Rief gab gestern bei einer Mitgliederversammlung bekannt, dass er aus eigener Tasche den entstanden Schaden beglichen hat. Foto: Symbolbild Matthias Beetz
Es war eine überraschend ruhige und gelassene Mitgliederversammlung - und das bei der aktuellen Brisanz. Für den Vorsitzenden des Gesangvereins "Liederhort", Michael Rief, war es wohl der bisher schwerste Gang seit seinem Amtsantritt. Denn nach dem Freitod der langjährigen Schatzmeisterin im Mai dieses Jahres drohte dem Verein der finanzielle Ruin, die Frau hatte Vermögen veruntreut. Nur durch die private Finanzierung des 37-jährigen Vereinsvorsitzenden konnte offenbar die Insolvenz abgewendet werden. Er bezahlte offene Rechnungen aus seinem Privatvermögen und stellte die Zahlungsfähigkeit des Vereins wieder her.

Sieben Jahre ohne Beanstandung

Sieben Jahre lang war die verstorbene Kassiererin im Gesangsverein "Liederhort" tätig. Nie kam es zu Unstimmigkeiten oder Fehlbeträgen.
Auch bei der letzten Kassenprüfung zum Jahresabschluss 2013 gab es keine Anhaltspunkte dafür, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugehen würde. Erst als Michael Rief nach dem tragischen Tod der Schatzmeisterin nach und nach alle Unterlagen einholen konnte, wurde das Ausmaß bekannt. Zwar wurden alle vorhandenen Belege fein säuberlich geordnet und auch abgeheftet, doch das dazugehörige Geld war verschwunden.

Rief ließ gestern die Vorgänge Revue passieren. Demnach wurden immer wieder vom Girokonto kleine und große Beträge wahllos abgehoben. Auch das Wachstumszertifikat des Vereins wurde bei der Kulmbacher Bank gekündigt und aufgelöst. Alleine diesen Posten bezifferte der Vorsitzende mit 2731,47 Euro. Lediglich das Sparbuch blieb mit 62,99 Euro unberührt.

Nachdem Michael Rief alle Unterlagen sortierte und fehlende Kontoauszüge ersetzen lies, stellte er fest, dass wohl auch ein privater Zahlungsverkehr der ehemaligen Schatzmeisterin über das Vereinskonto erfolgen musste. Neben Rechnungen von Telefonanbietern wurden auch Leistungen einer Apotheke abgebucht. Insgesamt wurden 5244,70 Euro veruntreut.

Zweifelsfrei steckt hinter der gesamten Misere eine menschliche Tragödie, an der nun der Liederhort wohl noch lange zu kämpfen hat. Zwar stellte der Verein auch Schadensersatz ansprüche an die Hinterbliebenen, doch diese haben das Erbe bereits ausgeschlagen. "Das veruntreute Vermögen wird wohl uneinbringlich bleiben", stellte Michael Rief fest.

Vorerst keine Schatzmeisterwahl

Den Kopf will nun niemand in den Sand stecken, doch Neuwahlen soll es auch keine geben. Zwar hielt der Vorsitzende diese Möglichkeit offen, dennoch stimmten ihm die Mitglieder zu, jetzt erst einmal alles zu ordnen und dann in Ruhe einen Nachfolger zu suchen. Bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung führt nun Rief vorläufig die Geschäfte im Alleingang. Eine Doppelbelastung, der sich der 37-Jährige bewusst ist, welche er aber augenscheinlich gut meistert. Von einer Schuld des Vorsitzenden will niemand sprechen, denn dieses Ausmaß konnte niemand ahnen.

Neben zahlreichen Ehrenmitgliedern war auch Bürgermeisterin Doris Leithner-Bisani (CSU) zur Krisensitzung gekommen. Sie sprach dem Verein Mut und sicherte die Unterstützung der Gemeinde zu. Auch sie sei der Meinung, dass Michael Rief, der sich sichtlich Vorwürfe machte, eine solche Tragödie nicht hätte verhindern können. Unterdessen sprach sie dem Gesangsverein den Kulturzuschuss der Gemeinde zu. Auch die übrigen Vereine hätten dieses Verfahren so abgesegnet.

Mit dem Zuschuss der Gemeinde, dem Guthaben auf dem Sparbuch und erster Spendengelder weist das Konto des Vereins derzeit ein Guthaben von rund 1800 Euro auf. Doch ein Grund zur Freude ist dies keineswegs, sagte Michael Rief. Das derzeitige Vereinsvermögen hat die gleiche Höhe wie die zu erwartenden Ausgaben im zweiten Halbjahr. Noch dazu wird man irgendwann auch das zinslose Darlehen in Höhe von knapp 900 Euro an den Vorsitzenden zurückbezahlen müssen.

Eine Insolvenz ist derzeit zwar abgewendet, doch bei steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen wird es wohl in den nächsten Monaten und Jahren sehr schwierig werden in Ludwigschorgast. Die nächsten Mitgliedsbeiträge sind erst wieder im neuen Jahr fällig - und die bereits abgebuchten Beiträge sind alle in die Tasche der Schatzmeisterin geflossen.

Der einzige Lichtblick ist derzeit der große Zusammenhalt im Verein. Auch nach ersten Gesprächen mit dem Finanzamt hat sich herauskristallisiert, dass eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit wohl vom Tisch sei. Eine Bestätigung gibt es noch nicht. Würde der Traditionsverein die Gemeinnützigkeit doch verlieren, bleiben sicher auch lebenswichtige Spenden aus.
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