Kulmbach
Würdigung

Kreisjugendring Kulmbach erhält den Sozialpreis der Oberfranken-Stiftung

Der Kreisjugendring Kulmbach wurde am Dienstag im Kulmbacher Mönchshof mit dem Sozialpreis der Oberfranken-Stiftung ausgezeichnet.
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Mit dem Sozialpreis der Oberfranken-Stiftung wurde der Kreisjugendring Kulmbach ausgezeichnet. Unser Bild zeigt (von links) Landrat Klaus Peter Söllner, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Kreisjugendring-Geschäftsführer Jürgen Ziegler, Kreisjugendring-Vorsitzende Sabine Knobloch und Bezirkstags-Präsident Henry Schramm.Wolfgang Traßl
Mit dem Sozialpreis der Oberfranken-Stiftung wurde der Kreisjugendring Kulmbach ausgezeichnet. Unser Bild zeigt (von links) Landrat Klaus Peter Söllner, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Kreisjugendring-Geschäftsführer Jürgen Ziegler, Kreisjugendring-Vorsitzende Sabine Knobloch und Bezirkstags-Präsident Henry Schramm.Wolfgang Traßl

Bezirkstags-Präsident Henry Schramm würdigte den Kreisjugendring bei der Übergabe des Sozialpreises, der mit 15 000 Euro dotiert ist. "Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die Ideen haben und daraus etwas machen; die etwas wagen, damit sie etwas gewinnen; die alte Fragestellungen neu durchdenken; die sich einbringen und nicht verzweifeln im Angesicht ungelöster Fragen", so Schramm.

Das Zitat stamme vom ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Er habe diesen Satz im Rahmen eines "Zukunftsforums für Jugendliche" gesagt, zu dem er am Ende seiner Amtszeit rund 100 Jugendliche in das Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen habe. In moderierten Themenrunden konnten sich die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren dazu äußern, wie sie sich Deutschland im Jahre 2036 vorstellen.

Bereits drei Jahre vor diesem Termin in Schloss Bellevue habe sich der Kreisjugendring auf den Weg gemacht, jungen Menschen eine Plattform zu bieten, ihre Ideen, Wünsche und Vorstellungen zu artikulieren.

Bei den Zukunftswerkstätten gehe es um das direkte Lebensumfeld der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihren Gemeinden, Märkten und Städten. Ein Konzept das aufgegangen sei und mittlerweile fast den gesamten Landkreis Kulmbach durchdrungen habe.

Der Kreisjugendring und die Landkreis-Jugendarbeit, so der Bezirkstags-Präsident, habe sich den Sozialpreis redlich verdient. Nicht nur, dass die mittlerweile zwölf Zukunftswerkstätten ein ungeheures Maß an ehrenamtlichem Engagement erfordern und die Verantwortlichen in den teilnehmenden Kommunen einen direkten Impuls für die Entwicklung des Ortes erhielten. Die Zukunftswerkstätten seien auch auf Nachhaltigkeit angelegt. Jugendliche und junge Erwachsene sollten so herangeführt werden, in ihren Gemeinden Verantwortung zu übernehmen und sich nachhaltig einzubringen. Sie sollten Mut fassen, ihre Ideen zu entwickeln und aktiv zu vertreten.

"Damit wird nicht zuletzt die Demokratie vor Ort gestärkt - und vielleicht bringt sich der ein oder andere ja aus diesen Erfahrungen heraus auch kommunalpolitisch ein, wenn im kommenden März Kommunalwahlen anstehen", hoffte Schramm.

In den vier moderierten Themenecken "Reiß ab - bau auf" - plane Deine Heimat neu, "In & Out" - gestalte Deine Freizeit, "Wenn ich König/Königin wäre..." und "Ich plane meine Heimat mit" werden in den Zukunftswerkstätten auf jugendgerechte Art und Weise Ideen gesammelt, anschließend für die Kommunen aufbereitet und dort in den politischen Gremien vorgestellt.

Manches davon sei vielleicht nicht auf Anhieb umzusetzen (McDonalds für Grafengehaig, großes Einkaufszentrum für Marktleugast) - aber die Mehrzahl der Anregungen, Wünsche und Ideen habe Substanz und Hintergrund.

Eine in der vergangenen Woche veröffentliche Studie der Bertelsmann-Stiftung komme zu dem deutlichen Ergebnis: Kinder und Jugendliche fühlen sich in der Schule und von der Politik nicht ernst genommen! Während bei den Achtjährigen noch jeder zweite der Meinung sei, er könne in der Schule mitbestimmen, so sei es bei den 14-Jährigen nur noch ein Drittel. Die Verfasser der Studie kommen zu dem Schluss: "Wir müssen Kinder und Jugendliche ernst nehmen. Das bedeutet, sie systematisch und regelmäßig zu befragen und ihr Wissen in der Politik zu berücksichtigen."

Man könne schon generell ein "Aufwachen" der jungen Generation beobachten. Besonders für den Klimaschutz engagierten sich Jugendliche weltweit in vielfältiger Weise.

Genau dieses Zuhören passiere auch in den Zukunftswerkstätten im Landkreis Kulmbach und mittlerweile weit darüber hinaus. Denn das Format sei ein echter Kulmbacher Exportschlager. Auch andere Regionen in Oberfranken (u.a. Landkreis Bayreuth) und Bayern folgten dem Kulmbacher Beispiel und übernähmen das preisgekrönte Konzept.

Die Vertreterinnen und Vertreter des Kreisjugendrings Kulmbach und der Landkreis-Jugendarbeit um die Vorsitzende Sabine Knobloch und den Geschäftsführer Jürgen Ziegler sind gefragte Referenten auf oberfränkischen und bayerischen Arbeitstagungen der Jugendarbeit und vor politischen Vertretern.

Deshalb sei es folgerichtig, dass die Oberfranken-Stiftung dieses Projekt mit Strahlkraft für ganz Oberfranken würdige und sich damit in eine nennenswerte Reihe weiterer Auszeichnungen einreiht.

So hat das Projekt bereits 2015 den Wettbewerb "Familienfreundliches Oberfranken" gewonnen. 2016 folgte der Bayerische Innovationspreis Ehrenamt, 2017 der Schutzengel-Award der Rummelsberger Diakonie und 2017 der Sozialpreis der Bayerischen Landesstiftung. Auch bundesweit belegten die Zukunftswerkstätten einen hervorragenden achten Platz beim Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises. Hervorzuheben ist, dass alle Preisgelder wieder eins zu eins in das Projekt geflossen sind.

"Wichtig ist, dass die Ergebnisse der Zukunftswerkstätten ernst genommen und durch die kommunalpolitischen Gremien gewürdigt werden. Sonst verpufft das Engagement und schafft Verdruss. Daher ist dieses Format auch mit Arbeit verbunden. Zunächst für die Organisatoren, dann für die Jugendlichen und später für die politisch Verantwortlichen."

Er, so Schramm, habe den Eindruck, dass dies im Landkreis gut funktioniere. In Stadtsteinach habe sich aus der "Werkstatt" ein Jugendparlament entwickelt. Durch "Die Schmiede" in Marktleugast seien Ideen für die eigene Gemeinde, aber auch für Grafengehaig gesammelt worden - und auch in Thurnau und Marktschorgast habe die Meinung der Jugendlichen schon ein offenes Ohr in den Gemeinderäten gefunden.

Dabei müsse die Kommune nicht gleich ein Kino bauen und betreiben, wenn der Wunsch nach der Aufführung der neusten Filme komme. Es reicht auch aus, wie das Beispiel Stadtsteinach zeige, ein Open-Air-Kino im Freibad zu organisieren. Wichtig sei, die Ideen aufzugreifen, zu deuten und in Projekte umzuwandeln.

Auch in Kulmbach gebe es eine Beteiligung Jugendlicher, zum Beispiel über die Studie von Katrin Brehm "Wie tickt die Jugend?". Ein wichtiges Resultat sei dort gewesen: Ein Sprungturm im Freibad müsse wieder her - es habe ein bisschen gebraucht, aber in wenigen Tagen werde nun die neue

Sprunganlage in Betrieb genommen.

Henry Schramm freute sich eigen Worten zufolge sehr, dass gleich der erste Sozialpreis, den er in seiner Funktion als Bezirkstagspräsident übergeben dürfe, an eine Kulmbacher Einrichtung gehe. Er bedankte sich namentlich bei Vorsitzender Sabine Knobloch und Geschäftsführer Jürgen Ziegler für deren Engagement, das zum großen Teil auf ehrenamtlichen Schultern ruhe. Die Auszeichnung solle sich daher auch an das große Betreuerinnen- und Betreuerteam richten, das hinter den Zukunftswerkstätten stehe.

Der Preis gelte aber auch den knapp 1000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich bisher an den Zukunftswerkstätten beteiligt und ihre Ideen eingebracht hätten. "Nicht zuletzt möchten wir damit aber auch die Kommunen auszeichnen, die sich durch die Durchführung der Zukunftswerkstätten auf den Weg gemacht haben, Jugendliche an der Entwicklung ihrer Heimat zu beteiligen. Dies stärkt die Bindung an den Heimatort und kann im besten Fall dazu führen, dass die jungen Menschen eher in ihrer Umgebung bleiben und nicht in die großen Städte abwandern."

Den Kulturpreis der Oberfranken-Stiftung erhielt David Saam, der Denkmalpflegerpreis ging an Fritz Günther und Heinz Christ.

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