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Kulmbach
Verkehr

Kreis setzt weiter auf Elektrifizierung

Im Wirtschafts- und Kulturausschuss brachte Landrat Klaus Peter Söllner jetzt den Einsatz von Batterie-Hybridfahrzeugen auf der Oberfranken-Achse ins Spiel.
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Die Elektrifizierung in der Region macht derzeit keine nennenswerten Fortschritte. Symbolbild: Henning Kaiser/dpa
Die Elektrifizierung in der Region macht derzeit keine nennenswerten Fortschritte. Symbolbild: Henning Kaiser/dpa
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Der Landkreis Kulmbach ist bei der Oberfranken-Achse von Hof beziehungsweise Bayreuth über Kulmbach und Lichtenfels bis Bamberg und Coburg, die für große Teile Oberfrankens die entscheidende Schienenverkehrsverbindung an das ICE-Netz, insbesondere an die Schnellbahntrasse München Berlin ist, weiterhin am Ball. Das gaben Landrat Klaus Peter Söllner und Sachbearbeiter Michael Beck in der Sitzung des Wirtschafts- und Kulturausschusses zu verstehen.

Auch für den Ost-West-Schienengüterverkehr von Sachsen in Richtung Frankfurt am Main hat die Strecke große Bedeutung. In den vordringlichen Bedarf wurde die Oberfranken-Achse für eine Elektrifizierung der Strecke Hochstadt/Marktzeuln-Hof-Nürnberg-Bayreuth-Neuenmarkt/Wirsberg mit ihren insgesamt 127 Kilometern allerdings nicht aufgenommen, doch es besteht Hoffnung, dass die Oberfranken-Achse als mögliche Maßnahme für das neue Elektrifizierungsprogramm berücksichtigt wird. Es bedarf also weiterhin großer Anstrengungen in den nächsten Jahren zur Überwindung der größten Dieselinsel- so wird die Elektrifizierungslücke in der Region genannt - in Nordbayern.

Einsparungen möglich

Landrat Klaus Peter Söllner kam als Sprecher der 2017 gegründeten Interessengemeinschaft "Elektrifizierung IGE Oberfranken-Achse" zu dem Ergebnis, dass die Oberfranken-Achse gut für eine Teilelektrifizierung mit Batterie-Hybridfahrzeugen geeignet erscheint. Diese Einschätzung kann dem Gesamtprojekt mit Kosten auf der Strecke von Hochstadt/Marktzeuln bis Hof von 395 Millionen Euro und auf der Strecke Nürnberg-Bayreuth-Hof mit 371 Millionen Euro die Einsparungen bringen, die für eine Umsetzung hilfreich sind.

Michael Beck verwies darauf, dass Landrat Söllner und Landrat Oliver Bär im Oktober bei einer Sitzung des Bezirksverbandes des Landkreistages mit allen oberfränkischen Landräten in Wirsberg die Beseitigung von Verkehrsbeschränkungen auf der Oberfranken-Achse durch den Einsatz von Brennstofftechnik oder Batteriezügen in einem Positionspapier zusammengefasst hatten. In diesem Positionspapier wird eine Modellregion Oberfranken zur Beseitigung der größten Dieselinsel auf der Schiene in Deutschland gefordert, wobei die Strecken Hochstadt-Markteuln-Hof und Nürnberg-Bayreuth-Hof gut geeignet für eine Teilelektrifizierung mit Batterie-Hybridfahrzeugen seien und auch eine Förderung möglich sei. Michael Beck: "Das würde eine Chance für uns bedeuten."

Beitrag zu den Klimazielen

Mit der Veränderung der Antriebstechnik auf bestehenden Schienenwegen könnten die Nachteile gegenüber dem Dieselantrieb deutlich und zeitnäher reduziert werden. Darüber hinaus könnten so die Reisenden und Pendler Oberfrankens durch Nutzung der Bahn dazu beitragen, die gesetzten Klimaziele zu erreichen. Dies gilt gleichermaßen für den Schienengüterverkehr, bei dem bestehende Chancen derzeit nur eingeschränkt genutzt werden können.

Der Frankenwald Wandermarathon wird 2019 am 8. Mai in den LQN-Gemeinden - LQN steht für "Lebensqualität durch Nähe"- des Landkreises Kulmbach stattfinden. Wie Cornelia Krüger berichtete, werden auf der 43 Kilometer langen Strecke wieder rund 600 Wanderfreunde aus ganz Deutschland erwartet. Söllner: "Eine tolle Geschichte, weil sie auch einen Wiederkennungswert hat."

Für den Freizeitführer "Kulmbacher Land" wurde eine Neuauflage von 5000 Exemplaren zum Preis von 1979 Euro in Auftrag gegeben. Und im Tourismusbereich wird die Fortbildungsoffensive "Kulmbacher Land" weiterhin angeboten.

Schließlich bewilligte der Wirtschafts- und Kulturausschuss noch einen Kreiszuschuss von jeweils 3000 Euro an den Nordbayerischen Musikbund - Kreisverband Kulmbach und den Sängerkreis Bayreuth zur Unterstützung der Gesangvereine im Landkreis Kulmbach. Kreisrat Erhard Hildner (CSU) dankte als stellvertretender Kreisvorsitzender des Sängerkreises Bayreuth für den Zuschuss: "Wir Sänger haben es schwer genug, weil der Nachwuchs fehlt, aber umso mehr freuen wir uns über die Unterstützung."

Zwei neue Leader-Projekte

Im Landkreis Kulmbach sind bis 2020 zwei weitere Leader-Projekte in Planung: Die "Lindenkirchweih Limmersdorf" und die "Frankenwald-Allianz". Der Wirtschafts- und Kulturausschuss nahm die Planungen in seiner jüngsten Sitzung zustimmend zur Kenntnis und sicherte auch die finanzielle Unterstützung durch den Landkreis bei der Umsetzung zu. Über die Bereitstellung von Haushaltsmitteln soll im Rahmen des Haushalts 2019 beraten werden.

Thurnaus Zweiter Bürgermeister Veit Pöhlmann (FDP) stellte das Projekt der "Lindenkirchweih Limmersdorf" mit Kosten von knapp einer Million Euro vor und Pressecks Bürgermeister Siegfried Beyer erläuterte das interkommunale Demographieprojekt "Frankenwald-Allianz", das von den Märkten Marktrodach (Landkreis Kronach) und Presseck (Landkreis Kulmbach) auf den Weg gebracht werden soll und mit Gesamtkosten von 1,4 Millionen Euro geplant ist.

Landrat Klaus Peter Söllner betonte, dass der Landkreis Kulmbach mit der Leader-Umsetzung bislang sehr große Erfolge erzielte, dabei seien die höchsten Zuschussquoten in ganz Bayern erreicht worden. Die letzten Bescheide ergingen mit dem Projekt an der Naturbühne, dem Projekt "Erlebnisachse Steinachtal" und dem Kooperationsprojekt "Erschließung der Markgrafenkirchen in Oberfranken.

Kreisrat Siegfried Küspert (SPD) bezeichnete die Leader-Förderung für die Naturbühne als großartigen Erfolg. Dabei würdigte er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Naturbühne die Unterstützung durch Klemens Angermann und Rüdiger Köhler vom Landratsamt.

Altes Brauchtum

Die Limmersdorfer Lindenkirchweih verkörpert nach den Worten von Klemens Angermann von der Leader-Aktionsgruppe ein jahrhundertealtes und ursprünglich weit verbreitetes Brauchtum, das heute nur noch in wenigen Orten Oberfrankens und Thüringens in seiner alten Form gepflegt wird.

Wie Veit Pöhlmann aufzeigte, wird in Limmersdorf das Fest seit 1729 in den Tagen um Bartholomä (24. August) gefeiert. Es bildet den unbestrittenen gesellschaftlichen Höhepunkt des dörflichen Lebens und verkörpert eine den Ort maßgeblich prägende Tradition. Im Jahr 2015 wurde die Limmersdorfer Lindenkirchweih als ein herausragendes Beispiel für eine lebendige kulturelle, identitätsstiftende Ausdrucksform in die bundesweite, 2016 in die bayerische Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. 2018 erhielt sie den Oberfränkischen Heimatpreis. Darüber hinaus ist die Limmersdorfer Lindenkirchweih seit 2016 Kulturpreisträger des Landkreises Kulmbach.

Parksituation soll verbessert werden

Für Pöhlmann ist es ein sehr wichtiges Leader-Projekt, denn jedes Jahr kommen mehrere Tausend Besucher, um an dem festlichen Treiben teilzuhaben. Den Charakter der Limmersdorfer Lindenkirchweih gilt es Pöhlmann zufolge auch in Zukunft zu wahren. Deshalb seien Verbesserungen der Verkehrs- und Parksituation erforderlich, um den heutigen Anforderungen an die Veranstaltung gerecht zu werden und den Schutz des Naturdenkmal-Ensembles zu gewährleisten, wie er an einem Übersichtslageplan deutlich machte. Vorgesehen ist die Schaffung eines neuen, südwestlich vom Lindenplatz gelegenen Parkplatzes.

Die Erschließung des Festgeländes mit dem Auf- und Abbau von Festzelt und Schankanlagen sowie der Nachbelieferung soll ebenfalls von diesem rückwärtig gelegenen Parkplatz aus geschehen, so dass ein störungsfreier Festbetrieb gewährleistet werden kann und der Denkmalbestand nicht länger gefährdet wird. Pöhlmann: "Nur so ist das Brauchtum für die Zukunft zu sichern und gleichermaßen eine Weiterentwicklung möglich."

Das Gesamtprojekt schlägt mit einer Million Euro zu Buche und als Leader-Einzelprojekt wird eine Förderung von 60 Prozent der Nettokosten angestrebt. Pöhlmann zufolge hat der Markt Thurnau als Projektträger bereits Zusagen über eine Förderung aus dem Programm Nord-Ost-Bayern, der Oberrankenstiftung und dem Amt für Ländliche Entwicklung. Pöhlmann: "Die Lindenkirchweih ist ein Aushängeschild für die ganze Region und wir erhoffen uns auch einen Zuschuss vom Landkreis."

Landrat Söllner ließ keinen Zweifel daran, dass die Lindenkirchweih in Limmersdorf einen hohen Stellenwert habe und nach Vorlage der Finanzierungspläne werde der Kreistag eine Entscheidung über die Höhe der Förderung treffen.

Gegen die Abwanderung

Die "Frankenwald-Allianz" steht für ein Demographieprojekt der besonderen Art. Pressecks Bürgermeister Siegfried Beyer zu dem landkreisübergreifenden Projekt: "Mit diesem interkommunalen Kooperationsprojekt soll dem demographischen Wandel in den Märkten Marktrodach und Presseck aktiv begegnet werden, in dem ein attraktives Lebensumfeld geschaffen wird, das Familien einlädt, zu kommen, und Einheimische überzeugt, zu bleiben."

Aus der Notwendigkeit, gegen die Abwanderung insbesondere junger Menschen und junger Familien vorzugehen, entstand die Frankenwald-Allianz. Den Mitgliedern ist dabei bewusst, dass bei einer Fortsetzung des vorliegenden negativen Trends ein Zusammenbruch der Infrastruktur und damit ein Aussterben der Region kaum mehr zu stoppen wären. Bürgermeister Beyer weiter: "Deshalb ist ein mutiges, zukunftsweisendes Projekt entstanden, das überregional ein Zeichen setzt und die beiden Partnergemeinden der Frankenwald-Allianz als attraktive Wohn-, Lebens- und Arbeitsstandort mit Mut zur Zukunft präsentieren möchte."

Rodelbahn und Barfußpfad

Der Zusammenschluss zur Frankenwald-Allianz erfolgte durch die zwei Bürgermeister der Marktgemeinde Presseck und Marktrodach und man versteht sich als starke, gemeinde- und landkreisübergreifende Achse zwischen der Radspitze und dem Pressecker Knock. Das Demographe-Leitprojekt setzt sich aus Einzelmaßnahmen an den Standorten Presseck, Wartenfels und Mittelberg/Radspitze zusammen. Mit konkreten Vorschlägen haben sich die Frankenwaldvereine Seibelsdorf, Presseck und Wartenfels sowie der TSV Presseck und der ATS Wartenfels beteiligt. Das Projekt "Freizeitparadies Oberland II" setzt sich allein aus elf Einzelmaßnahmen zusammen, darunter unter anderem eine Winter-Natur-Rodelbahn in Mittelberg, einem Barfußpfad mit Niederseilklettergarten in Presseck und einem Wasser-, Naturerlebnisplatz für Kinder in Wartenfels. Das Gesamtprojekt "Frankenwald-Allianz" wird auf 1,4 Millionen Euro geschätzt.

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