Kulmbach
Metropolregion

Kreis Kulmbach tritt dem VGN erst mal nicht bei

Der Landkreis Kulmbach wird dem Verkehrsverbund Nürnberg vorerst nicht beitreten. Die Kreisräte sind davon überzeugt, dass der mögliche Nutzen in keinem Verhältnis zu den hohen Kosten eines Beitritts steht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Einen Verbundfahrschein für den ÖPNV im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg wird es im Landkreis Kulmbach nächstes Jahr noch nicht geben. Der Landkreis tritt dem VGN nicht bei, denn günstigen Einzelfahrkarten für weite Strecken stehen hohe Kosten für den Landkreis und teure Monatstickets für Pendler gegenüber. Foto: dpa
Einen Verbundfahrschein für den ÖPNV im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg wird es im Landkreis Kulmbach nächstes Jahr noch nicht geben. Der Landkreis tritt dem VGN nicht bei, denn günstigen Einzelfahrkarten für weite Strecken stehen hohe Kosten für den Landkreis und teure Monatstickets für Pendler gegenüber. Foto: dpa
Für kleines Geld auf längeren Strecken innerhalb der Metropolregion Nürnberg mit Bus und Bahn mobil sein - diese Hoffnung knüpften viele Bürger an einen Beitritt des Landkreises Kulmbach zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Doch daraus wird nichts: Der Landkreis wird sich dem Verbund nicht anschließen, zumindest nicht zum 1. Januar 2014. Das wurde am Freitag in der Sitzung des Kreisausschusses deutlich, der das Thema für die Kreistagssitzung am 12. April beriet, wo die endgültige Entscheidung fallen wird.

Viele Gründe dagegen

Landrat Klaus Peter Söllner und die Räte haben gute Gründe für ihr Nein: Erstens sind die Kosten für den Landkreis enorm, zweitens wird die ÖPNV-Infrastruktur für die Landkreisbewohner nicht verbessert. Drittens würden zwar Einzeltickets günstiger, wenn man weite Strecken fährt, Monatsfahrkarten für Schüler und erwachsene Pendler und auch die Nutzung des Kulmbacher Stadtbusses würden aber deutlich teurer. Das geht aus den Zahlen hervor, die Michael Beck vom Landratsamt vorlegte.

Allein die Mitgliedschaft im Zweckverband würde demnach den Landkreis rund 48.000 Euro kosten, für die Schülermonatskarten müsste der Kreiskämmerer 65.000 Euro mehr ausgeben. Insgesamt würde der Beitritt im ersten Jahr rund 560.000 Euro kosten, aber dem zweiten Jahr 340.000 Euro. Für Landrat Söllner (Freie Wähler) ist klar: "Das können wir uns nicht leisten."

Leicht habe man sich die Entscheidung nicht gemacht. "Wir haben uns schon seit 2001 mit dem Thema beschäftigt, 2006 dann einen förmlichen Antrag gestellt, die finanziellen Auswirkungen des Beitritts zu prüfen, und seither viele Gespräche mit den VGN-Repräsentanten geführt. Auf der Basis der derzeitigen Kostenberechnungen habe sich der Wirtschaftsausschuss bereits dagegen entschieden.

50 Cent mehr für den Stadtbus

Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) ist das sehr recht: "Wir würden ein paar Weit- und Vielfahrer subventionieren, aber die Masse würde draufzahlen." Beispiel Stadtbus Kulmbach: "Die neuen Tarife hätten zur Folge, dass man für den Kulmbacher Stadtbus pro Fahrschein 50 Cent mehr bezahlen müsste." Dazu komme, dass man sich durch die Verträge langfristig binde und der Beitritt noch mit so vielen Unsicherheiten behaftet sei, dass man nicht guten Gewissens dafür stimmen könne.

Volle Unterstützung für diese Argumente gibt es von Dagmar Böhm (Grüne/Offene Liste). "Der VGN ist letztlich ein unternehmen mit wirtschaftlichen Interessen. Wir von den Grünen wünschen uns mehr und einen besseren öffentlichen Personennahverkehr, aber durch den VGN-Beitritt würde kein einziger Bus zusätzlich fahren. Im Gegenteil, man behält sich vor, unrentable Strecken zu streichen. Für abgelegene Orte kann das zu Verschlechterungen führen."

Veit Pöhlmann (Freie Demokraten) pflichtet ihr bei: "Wir reden hier nicht über mehr Infrastruktur für den ländlichen Raum, sondern nur über einen Tarifverbund. Nicht das Angebot ändert sich, sondern die Abrechnung. Alle zahlen am Ende mehr. Das kann's nicht sein."

Späterer Beitritt noch möglich?

Einziger Fürsprecher eines Beitritts ist Hermann Anselstetter (SPD). Er fürchtet "die Abkopplung unseres Raums für alle Zukunft" und möchte geklärt wissen, ob ein Beitritt zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich sein wird. Der VGN biete große Chancen. Durch einen Beitritt könne man vom Freizeitverkehr aus anderen Regionen des Verbunds profitieren. "Wir verlieren, wenn wir nicht dabei sind." Deshalb solle man prüfen, ob der Beitritt durch staatliche Fördermittel finanziell abgefedert werden könne.

Längst erledigt, konterte Landrat Söllner: "Es gibt derzeit keine Möglichkeit, dafür eine Förderung zu bekommen." Inge Aures (SPD) würde angesichts der derzeitigen Kostenstruktur ebenfalls nicht beitreten, sieht aber den Freistaat in der Pflicht, ballungszentrumsferne Regionen an die Zentren anzuschließen. "Da gilt dasselbe wie für die Breitbandversorgung. Wir müssen uns teuer erkaufen, was für andere selbstverständlich ist. Als Landtagsabgeordnete werde sie sich deshalb für ein Förderprogramm einsetzen.

Sollte sich die Finanzierung ändern, müssen man neu entscheiden, meint Landrat Söllner. Um entsprechende Bemühungen zu unterstützen, wird der Kreistag in seiner April-Sitzung einen Antrag auf ein staatliches Förderprogramm beschließen.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren