Kulmbach
Integration

Kopftuch in der Praxis: in Kulmbach kein Problem

Als Baian Eizeddin vor fünf Jahren nach Deutschland kam, war alles fremd für sie. Jetzt absolviert die junge Syrerin eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin.
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Im ersten Lehrjahr war Baian Eizeddin (18) sehr aufgeregt, wenn sie mit Patienten zu tun hatte, inzwischen ist die Unsicherheit verschwunden. Ihr Chef Dominik Durst ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Sonny Adam
Im ersten Lehrjahr war Baian Eizeddin (18) sehr aufgeregt, wenn sie mit Patienten zu tun hatte, inzwischen ist die Unsicherheit verschwunden. Ihr Chef Dominik Durst ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Sonny Adam

Baian Eizeddin (18) beugt sich über die Patientin und poliert die frisch eingesetzte Füllung. "Geht es so?", fragt sie freundlich. Die Patientin auf dem Stuhl nickt nur stumm. Eizeddins Chef - der Kulmbacher Zahnarzt Dominik Durst, steht daneben und lächelt. "Ich bin froh, dass Baian Eizeddin hier ihre Ausbildung absolviert", sagt der 37-Jährige.

Baian Eizeddin stammt aus Syrien und ist ein Beispiel für gelungene Integration. Sie kam vor fünf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Inzwischen hat sie bestens in ihrer neuen Heimat eingelebt und will ihre Ausbildung schaffen. Und das, obwohl sie in Syrien nur sechs Jahre in der Schule war. Kurz vor der Abreise war der Krieg schon so nah, dass ein Schulbesuch nicht mehr möglich war.

Vom Ehrgeiz gepackt

"Als ich nach Deutschland kam, wohnten wir zuerst in Stadtsteinach. Ich war in der achten Klasse", erzählt die junge Syrerin und gibt zu, dass sie damals den Unterricht nur optisch verfolgt habe. Sie habe kein Wort verstanden. "Wir waren die erste arabische Familie in Stadtsteinach. Und niemand wusste, wie er mit uns umgehen muss", erinnert sich Baian Eizeddin noch genau.

Schon nach kurzer Zeit packte Baian der Ehrgeiz. Sie wollte sich schnell in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden. Sie büffelte Vokabeln, lernte auch in ihrer Freizeit deutsche Wörter.

Sehr guten Quali abgelegt

Baian zog dann mit ihrer Familie - einer jüngeren Schwester und zwei Brüdern - nach Kulmbach und besuchte die Max-Hundt-Schule. "Ich wollte dann Mittlere Reife machen und an die FOS. Aber dann habe ich mir gedacht, dass es besser ist, einen guten Quali zu haben als einen schlechten mittleren Abschluss", so die 18-Jährige. Sie hat sich dann auf den Quali konzentriert und ihn mit einem äußerst guten Ergebnis bestanden. Das hat Baian Eizeddin den Weg zu einer Ausbildung geebnet.

Baian Eizeddin kannte Zahnarzt Dominik Durst als Patientin. Anfangs fragte sie schüchtern an, ob er auch Azubis nehmen würde und welche Voraussetzungen sie erfüllen müsste. "Sie hat dann eine Bewerbung geschrieben, die wirklich sehr gut war. Ohne einen einzigen Fehler", erinnert sich der Zahnarzt noch genau an die Anfänge der Zusammenarbeit. "Mich hat das Schicksal dieser jungen Frau berührt, und ich habe mich dann einfach entschlossen, ihr eine Chance zu geben", sagt Durst.

Immer gut gelaunt

Heute ist Baian Eizeddin im zweiten Lehrjahr. Sie ist pünktlich, diszipliniert, immer gut gelaunt. Und sie kommt bei den Patienten toll an. "Sie ist unglaublich höflich und freundlich", lobt der Zahnarzt. "Es gibt keinen einzigen Patienten, der sich bisher über sie beschwert hat." Baian Eizeddin trägt als Muslima bei der Arbeit in der Zahnarztpraxis ein Kopftuch. "Wir haben uns von Anfang an darauf geeinigt, dass sie ein Sportkopftuch trägt. Das ist sehr hygienisch. Sie hätte die Haare sowieso zusammenbinden müssen", erklärt der Zahnarzt. "Aber meine Patienten nehmen dies ganz natürlich auf. Das ist bisher noch nie ein Problem gewesen."

Beliebt bei Patienten und Kolleginnen

Er ist froh, dass seine Patienten der jungen Frau ohne Vorurteile begegnen. "Das ist absolut positiv, vor allem, wenn man die Diskussionen immer hört", so der Zahnarzt. "Anfangs war ich immer sehr unsicher. Ich wusste nicht, ob die Leute vielleicht unfreundlich sind, wenn ich ein Kopftuch trage", erzählt Baian Eizeddin. Im ersten Lehrjahr war sie vor jedem Patientenkontakt aufgeregt. Doch das hat sich inzwischen gelegt. "Und wenn ich manchmal noch einen Fehler mache, freue ich mich, wenn die Patienten mit mir sprechen."

Die anspruchsvolle Ausbildung bereitet ihr kaum Schwierigkeiten. Trotzdem nimmt sie noch Förderunterricht. "Ich denke immer, es ist besser Schritt für Schritt zu lernen", so die Syrerin. "Mein Bruder macht inzwischen auch schon eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker. Und mein Vater arbeitet auch", erzählt sie von ihrem neuen Leben.

Am besten Deutsch spricht übrigens Baians kleine Schwester. Sie ist vier Jahre alt und geht noch in den Kindergarten.

Die Syrerin ist übrigens nicht nur bei ihrem Chef und den Patienten beliebt, auch die Kollegen in der Praxis halten große Stücke auf die 18-Jährige. Auch Sprechstundenhilfe Stephanie Nietsch, die erst seit Januar in der Praxis ist, mag die Auszubildende.



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