Kulmbach
Kommentar

Kommentar zur Diskussion um die Mälzerei Müller in Kulmbach

Seit einigen Tagen bieten wir ein Forum für eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit des Abrisses der ehemaligen Mälzerei Müller und die Ästhetik des dort geplanten Neubaus.
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Archiv/Stephan Tiroch
Archiv/Stephan Tiroch

Auf unserer Facebook-Seite wird kontrovers diskutiert - diejenigen, denen weder Abriss noch Neubau gefallen, sind allerdings in der weit überwiegenden Mehrheit. Sechs Leserbriefe haben wir bisher veröffentlicht, die sich allesamt kritisch mit der Thematik auseinandersetzen.

Unsere Aufgabe als Medium ist genau das: ein Forum bieten für Diskussion. Und Diskussion bedeutet nicht Schlechtmachen/-reden/-schreiben. Es bedeutet ringen um die beste Lösung - etwas, was ein nahezu einmütig votierender Stadtrat nicht getan hat. Der hat allenfalls einen Vorschlag für gut befunden und abgesegnet.

Insofern, lieber Michael Pfitzner und liebe CSU-Stadtratsfraktion: ja, verwundert bin ich auch. Da wird in einer Stellungnahme auf eine Stadtrats-Entscheidung aus 2018 verwiesen - und geflissentlich verschwiegen, dass die Entscheidung in nichtöffentlicher Sitzung gefallen ist. Das Thema stand also auf keiner öffentlichen Tagesordnung und wurde ohne Publikum und Presse behandelt. Oberbürgermeister und Verwaltung können nach Wegfall der Geheimhaltungsgründe über die Entscheidung informieren. Das wurde aber nie gemacht - das Projekt wurde erst dadurch öffentlich, dass der Investor das Projekt auf seiner Homepage beschrieben hat.

Insofern ist es fast schon ein wenig heuchlerisch, jetzt zu schreiben, liebe CSU, dass niemand seither Alternativen aufgezeigt hätte. Wer außer Verwaltung oder Stadträten hätte das denn tun können? Solche Entscheidungen über Bausachen sind übrigens grundsätzlich öffentlich. Damals, 2018, hatte man sich nach Angaben aus dem Rathaus aber dafür entschieden, den Antrag lieber nichtöffentlich zu behandeln, weil man dem Investor nicht die Preise verderben wollte. Im Rathaus wurde also abgewogen zwischen öffentlicher Diskussion über ein Bauvorhaben in einem sensiblen Bereich und dem Interesse des Bauherren.

Auch das muss man einbeziehen, wenn die CSU nun feststellt, dass die jetzigen Kritiker nichts unternommen hätten. Blättert man übrigens ein wenig im BR-Archiv, stößt man zum Beispiel auf einen Beitrag aus dem Juli 2007. Dort heißt es in der Unterzeile: "Brachflächen in der Innenstadt wie das KDM, die Mälzerei Müller, das Güterbahnhofsgelände oder Teile der Spinnerei sollen reaktiviert werden." Und im Text heißt es: "Die Stadt Kulmbach nimmt jetzt den Stadtumbau in Angriff."

Müssen wir nun also Oberbürgermeister, Stadtrat und Verwaltung den Vorwurf zurückgeben? Denn - obwohl das Problem offenbar schon vor zwölf Jahren bekannt war - wurde zumindest in Sachen Mälzerei Müller nichts unternommen?!

Noch zwei Aspekte zum Schluss: Die wenigsten Kommentatoren treten übrigens für einen Erhalt des Gebäudes ein. Vielmehr wird bedauert, dass nicht einmal der Versuch unternommen wurde, dessen Charme und Geschichte irgendwie aufzunehmen. Stattdessen, so die Kritik, entstehe ein gesichtsloser Betonklotz.Zweitens: Im Subtext der CSU-Pressemitteilung wird uns quasi vorgeworfen, dass wir diese Diskussion zulassen (andere täten dies nicht). Das spricht einerseits nicht für die anderen - andererseits aber sollten sich die CSU-Stadträte vor allem an diese Argumentation erinnern, wenn sie in ihrer nächsten Sonntagsrede über die Wichtigkeit der Medien für die Demokratie philosophieren.

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