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Kulmbach
Gericht

Weihnachtsfeier in Oberfranken: Mann begrapscht Kollegin - Fall landet vor Gericht

"Was auf der Feier war, bleibt auf der Feier" - dieser Spruch nutzte einem Mann aus Oberfranken nicht. Er muss sich jetzt vor Gericht verantworten, weil er eine junge Kollegin sexuell belästigte.
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Seine Hand an ihrem Hintern: Wegen sexueller Belästigung wurde gestern ein Mann vom Amtsgericht Kulmbach verurteilt. Jeanette Dietl/Adobe Stock
Seine Hand an ihrem Hintern: Wegen sexueller Belästigung wurde gestern ein Mann vom Amtsgericht Kulmbach verurteilt. Jeanette Dietl/Adobe Stock

Es wurde gefeiert, getrunken, getanzt - und alle waren lustig. Offenbar eine ganz normale Weihnachtsfeier eines Kulmbacher Betriebs, die im Dezember 2017 stattfand. Bis etwas aus dem Ruder lief. Bis eine junge Frau zu vorgerückter Stunde begrapscht wurde. Von einem Kollegen, der übergriffig wurde und sich jetzt vor Gericht verantworten musste.

Der Mann wurde am Dienstag vom Amtsgericht Kulmbach wegen sexueller Belästigung verurteilt. Immerhin eine Genugtuung für das 32-jährige Opfer. Denn für die Frau waren die Nachwirkungen des Vorfalls erheblich: "Ich habe meinen Job verloren, den ich gerne gemacht habe. Ganz schlimm war, dass ich als Lügnerin hingestellt wurde."

Wiedersehen nach langer Zeit im Gerichtssaal

Zunächst wurde dem Angeklagten sogar ein schwerwiegenderes Vergehen zur Last gelegt: sexuelle Nötigung. Was er vehement bestritt und Einspruch gegen einen Strafbefehl einlegte. Deshalb kam es zur mündlichen Verhandlung.

Weil kein Geständnis vorlag, musste auch die junge Frau aussagen. Das Opfer und der Angeklagte waren früher Kollegen, saßen sogar in einem Zimmer. Nach langer Zeit sahen sie sich im Gerichtssaal zum ersten Mal wieder.

Von der Vorsitzenden des Schöffengerichts, Nicole Allstadt, befragt, schilderte die Zeugin den Verlauf des besagten Abends. Der Kollege, von dem sie sich schon vorher "immer angemacht" fühlte, habe mehrmals versucht, sich ihr zu nähern. Auf der Tanzfläche sei es ihr gelungen, ihn auf Abstand zu halten. Der Mann habe ziemlich viel getrunken, "und auch bei anderen Kolleginnen gekrabbelt und mit einer geküsst".

"Er hat sich an mir gerieben"

Später in der Küche, so die Zeugin weiter, habe sie ihm nicht mehr ausweichen können. Sie habe aus dem Augenwinkel heraus gesehen, dass er sich von hinten annähert: "Er hat versucht, mich anzutanzen. Er hat seine Arme um mich gelegt und sich an mir gerieben."

Sie meinte, seine Erektion gespürt zu haben. "Man hat halt was gemerkt. Es war aber schwierig, genau zu beurteilen, was es war. Oder ob er etwas in der Hosentasche hatte." Sie habe sich gleich weggedreht, und er sei weggegangen.

Auch der zweite Vorfall - wieder in der Küche - dauerte nach ihren Angaben nur ein paar Sekunden. "Er kam direkt zur mir", sagte die Frau. Als sie seine Hand auf ihrem Hintern spürte, sei sie schockiert gewesen: "Geht's noch, spinnst Du?" Die Zeugin konnte sich nicht mehr erinnern, wie viele "Knetversuche" (Allstadt) es waren.

"Was auf der Feier war, bleibt auf der Feier"

Die Frau gab an, den Grapscher in der Folgewoche angesprochen zu haben. Aber der Kollege habe erklärt: "Was auf der Feier war, bleibt auf der Feier." Dabei blieb es dann auch. Man arbeitete weiter zusammen, es erfolgte keine Anzeige.

Erst acht Monate später kochte der Vorfall hoch, als der Bierfestbesuch des Betriebs anstand. Der Frau schwante Böses. Sie wollte nicht mitgehen und rang sich dazu durch, mit dem "cholerischen Chef" zu reden. "Ich hab‘ mich nicht getraut, früher etwas zu sagen, weil ich wusste, dass es katastrophal endet." Die Befürchtung war offenbar berechtigt, denn ihr wurde gekündigt. Nicht dem Kollegen, der mit dem Chef befreundet sei. Sie sei als Lügnerin hingestellt worden. "Aber ich behaupte so was nicht aus Spaß an der Freud'."

Nach der Aussage der Frau war der Richterin, Staatsanwalt Jan Köhler und Verteidiger Karsten Schieseck klar, dass nicht mehr von einer sexuellen Nötigung ausgegangen werden konnte. Die Begriffe "erigiertes Glied" und "Überraschungsmoment", die in die Polizeiakten gelangt waren, konnten nicht mehr als Begründung für die Anklage dienen.

Anzeige als Retourkutsche

Auch der Angeklagte räumte die sexuelle Belästigung ein. Er habe die Frau angetanzt und bei den Hüften angefasst. Die Weihnachtsfeier sei lustig gewesen, sagte er: "Da tanzt man auch mal zusammen. Es war nicht so, dass ich mich groß annähern wollte. Ich habe mit anderen Kolleginnen auch getanzt. Es gab da keinen Hintergrund."

Die Anzeige interpretierte er als Retourkutsche, weil er mit dem Freund der Frau verschiedentlich Ärger wegen Baumängel hatte.

Somit konnte das Verfahren abgekürzt werden. Die anderen sechs Zeugen - der Chef, Arbeitskolleginnen und -kollegen - wurden nicht mehr gebraucht. Und dem Opfer wurde eine Befragung durch den Verteidiger erspart.

Staatsanwalt Köhler hielt die "sehr differenzierte Aussage" der Zeugin für absolut glaubhaft. Nach der Beweisaufnahme habe sich nur die juristische Bewertung geändert. Er forderte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 60 Euro.

Auch Rechtsanwalt Schieseck war zufrieden mit dem Verlauf der mündlichen Hauptverhandlung. Sein Mandant habe sich lediglich gegen die Anklage mit den massiven Vorwürfen gewehrt. Von Anfang an habe er eingesehen, "dass er sich falsch verhalten hat". Der Verteidiger hielt 60 Tagessätze für ausreichend.

"Nehmen das Urteil an"

Das Gericht wählte beim Strafmaß die Mitte: 75 Tagessätze zu 60 Euro, also 4500 Euro Geldstrafe. "Wir werden das Urteil annehmen", erklärte der Anwalt für seinen Mandanten.

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