Kulmbach
Burggeflüster

Knapp an der Hungersnot vorbei

Eltern von heute sorgen vor: Ohne eine Notration an Lebensmitteln im Gepäck gehen sie nirgendwo mehr hin.
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Foto: Patrick Pleul/dpa
Foto: Patrick Pleul/dpa
Neulich war ich zu Gast bei einer knapp einstündigen Veranstaltung, die sich vor allem an Familien mit sehr kleinen Kindern richtete. Ich rechnete also damit, dass es nicht immer ruhig sein würde, dass die Kinder herumlaufen, sprechen oder auch einmal quengeln würden. So, wie das meine auch getan haben, als sie klein waren.
Womit ich nicht gerechnet hatte: Dass offensichtlich die Gefahr bestand, die Kinder könnten während der knapp einstündigen Veranstaltung eines grausamen Hungertodes sterben. Zum Glück hatten die Eltern vorgesorgt und packten aus - Trinkfläschchen und Kinderkekse, Plastikboxen mit Apfelschnitzen, Reiswaffeln.
Reiswaffeln! Wissen Sie, wie es klingt, wenn jemand in einem Moment absoluter Stille (den es ja auch bei derartigen Veranstaltungen geben kann) herzhaft in eine Reiswaffel beißt? Wie das Kind, die Sitzbank und der Fußboden aussehen, nachdem das Kind die Hälfte der Reiswaffel mikrofein zerbröselt und den Rest zu Brei gekaut und um sich herum verteilt hat?
In einer knappen Stunde kann man da viel schaffen. Ich war auch geschafft. Von dem stetigen Geknabbere und Geknurpse um mich herum. Aber auch vom Gedanken daran, wie gefährlich meine Kinder und ich einst gelebt haben. Wir haben viele knapp einstündige Veranstaltungen besucht. Ohne eine Notration im Gepäck. Wäre damals eine Hungersnot ausgebrochen - wir hätten hilf- und schutzlos kapitulieren müssen.
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