Kulmbach
Debatte

Klinikum: Wachstum macht nicht nur stark

Das Klinikum Kulmbach ist wirtschaftlich gesund und arbeitet erfolgreich. Doch es gibt auch Probleme, die in der Alten Spinnerei diskutiert wurden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sie beleuchteten im Gespräch die aktuelle Situation des Klinikums: Bernd Müller, Klaus Peter Söllner, Brigitte Angermann, Henry Schramm und Alexander Müller (von links). Foto: Ronald Rinklef
Sie beleuchteten im Gespräch die aktuelle Situation des Klinikums: Bernd Müller, Klaus Peter Söllner, Brigitte Angermann, Henry Schramm und Alexander Müller (von links). Foto: Ronald Rinklef
+36 Bilder
Das Klinikum Kulmbach ist stolz auf seine Erfolge, auf kontinuierliches Wachstum, neue Abteilungen, gute Zahlen. Und es wird schon wieder gebaut, die Bettenkapazität deutlich erhöht. In den kommenden Jahren werden 130 Millionen Euro investiert.
Das klingt gut, doch wurde in den vergangenen Monaten vermehrt Kritik laut. Patienten meldeten sich mit Leserbriefen in der Bayerischen Rundschau und Diskussionsbeiträgen auf unserem Online-Portal infranken.de sowie auf unserer Facebook-Seite zu Wort. Von Personalengpässen war die Rede, von enormem Druck auf die Mitarbeiter, von Hygienemängeln, Zeitnot und unzureichender Kommunikation mit den Patienten.


Konstruktiv und fair

Die Bayerische Rundschau und die Fachverlage der Mediengruppe Oberfranken haben dies zum Anlass genommen, die Repräsentanten des Klinikums, Mitarbeiter, Patienten und alle Interessierten zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung in die "Alte Spinnerei" einzuladen. Moderiert von Rundschau-Redaktionsleiter Alexander Müller und dem Geschäftsführer der Fachverlage, Bernd Müller, wurden in einer sehr konstruktiv geführten und dabei stets fairen Debatte alle Kritikpunkte beleuchtet.
Ein wichtiges Ergebnis des Abends: mehr Verständnis für schwierige Alltagssituationen und Sachzwänge im Klinikbetrieb, aber auch für die Sorgen der Patienten und Angehörigen.
Wächst das Klinikum zu schnell? Schauen die Verantwortlichen zu sehr auf die Zahlen? Das wollte Alexander Müller von Zweckverbandsvorsitzendem und Landrat Klaus Peter Söllner wissen. "Natürlich schauen wir auf die Zahlen", konterte Söllner. "Es wäre fatal, wenn wir als Träger das nicht tun würden. Aber eines ist auch klar: Wir streben nicht nach Gewinnmaximierung!" In Bayern gebe es 365 Krankenhäuser, viele hätten wirtschaftliche Probleme. "Wir in Kulmbach nicht. Wir expandieren und haben gute Leute."
Geschäftsführerin Brigitte Angermann machte deutlich, dass ihr das Menschliche wichtig ist: "Ohne die Menschen geht es nicht, und unsere Mitarbeiter leisten sehr gute Arbeit." Trotzdem sei die Wirtschaftlichkeit immer wichtig. "Die Fördersituation in Bayern ist gut, aber wir brauchen positive Ergebnisse für unsere Eigenanteile, damit wir auch beim medizinisch-technischen Bedarf immer auf dem aktuellen Stand bleiben."
Richtig sei, dass das Klinikum sich am Rande seiner Kapazitäten bewege. Extreme Spitzen wie bei der jüngsten Grippewelle seien nur mit großer Mühe zu bewältigen. "Aufgrund der hohen Belegung wurde die Aufstockung der Betten genehmigt."
Ein Problem, das die Verantwortlichen noch länger beschäftigen wird, ist der Fachkräftemangel: Bei Ärzten und Pflegern ist der Markt leer gefegt (siehe gegenüberliegende Seite). Ingrid Krasser aus dem Publikum veranlasste das zu der Frage: "Muss man sich nicht im Vorfeld darum kümmern, dass man genug Personal hat, bevor man so groß wird?"
Nicht nur das Haus wird immer größer, auch die Zahl der Arbeitsplätze ist beträchtlich gestiegen, machte stellvertretender Zweckverbandsvorsitzender Henry Schramm deutlich: Als ich vor elf Jahren Oberbürgermeister wurde, hatten wir 800 Beschäftigte am Klinikum, jetzt sind es mehr als 1500. Die Zahl der Ärzte hat sich in dieser Zeit um 50 Prozent erhöht, die Zahl der Pflegekräfte sogar um 55 Prozent. Tatsächlich bemühe man sich intensiv, verstärkt junge Menschen für die Pflege als Beruf zu begeistern, ergänzte die Geschäftsführerin.
Kontinuierliche Weiterentwicklung sei die Basis des Erfolgs, betonte der OB: "Stillstand ist Rückschritt."
Die großen Baumaßnahmen seien zweifellos eine große Belastung für Mitarbeiter und Patienten, so Brigitte Angermann. "Aber dafür bekommen wir ein Haus mit Ein- und Zweibettzimmern und kurzen Wegen.


Das Gespräch suchen


Hygiene ist wichtig - vor allem in einem Krankenhaus. Hier wird täglich gründlich geputzt, so Geschäftsführerin Brigitte Angermann. Jedes Zimmer, jeden Tag. Ein umfassendes Hygienemanagement mit gründlichen Schulungen solle das gewährleisten. Als Patientin hat Katharina Arlt beobachtet, dass es da zwischen Anspruch und Wirklichkeit Lücken gibt: "Bei der Zimmerreinigung wurden mit demselben Lappen die Toilette, die Türklinken und die Fensterbretter geputzt."
So etwas dürfe nicht sein, betonte Angermann. Es gibt ein Drei-Lappen-Reinigungsprogramm, das auch Teil der Unterweisungen für die Reinigungskräfte sei. "Wenn Sie so etwas beobachten, sollten Sie es unbedingt sofort offen ansprechen, bei der Stationsleitung, der Pflegedienstleitung oder dem Leitenden Arzt." Das gelte auch bei allen anderen Problemen.
Sie selbst stehe ebenfalls als Ansprechpartnerin zur Verfügung. "Es ist uns immer am liebsten, wenn so etwas gleich während des Aufenthalts thematisiert wird, am besten im persönlichen Gespräch, damit wir der Sache auf den Grund gehen können. Bitte geben Sie uns die Chance." Wochen oder Monate später seien die Vorwürfe oft nur schwer nachzuvollziehen.


Bürokratie kostet wertvolle Zeit


Die Ärzte am Klinikum haben zu wenig Zeit für ihre Patienten - stimmt das? Ja, sagt Gerhard Finkenzeller, Leitender Arzt für Unfallchirurgie und Orthopädie. "Die Arbeitsbelastung verdichtet sich. Wir sind die Hälfte unserer Arbeitszeit Ärzte, die andere Hälfte dokumentieren wir. Um den bürokratischen Teil des Jobs komme man allerdings nicht herum, wenn man die wichtigen Zertifizierungen erhalten wolle.
Patienten beklagten sich in der jüngsten Debatte über stundenlange Wartezeiten in der Notaufnahme, weil nur ein Arzt im Dienst gewesen sei. Wer in die Notaufnahme kommt, hat nicht automatisch Anspruch auf sofortige Behandlung: "Da muss gewichtet werden. Bei einem Schlaganfall oder Unfallopfer müssen wir sofort handeln, wer mit einem verstauchten Finger kommt, muss halt unter Umständen warten. Wir sind keine Praxis, die Termine vergibt. Die Dringlichkeit entscheidet über die Reihenfolge." Dabei sei der Facharztstandard jederzeit gewährleistet, so Finkenzeller. Selbst wenn gerade nur ein Assistenzarzt in der Notaufnahme ist, ist er nicht der einzige, der in der Klinik anwesend ist. Falls erforderlich, ist innerhalb weniger Minuten ein Facharzt beim Patienten."

Mehr zur Personalsituation am Klinikum lesen sie hier.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren