Kulmbach
Gesundheit

Klinikum Kulmbach stellt sich im Bereich der Onkologie neu auf

Am Klinikum Kulmbach hat mit Harald Biersack ein erfahrener Onkologe am 1. Juli seine Arbeit aufgenommen. Gleichzeitig hat das Klinikum mit dem onkologischen Spitzenzentrum der Universität Würzburg einen Kooperationsvertrag geschlossen.
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Die Spitzen des Kulmbacher Klinikums haben ihren neuen Leitenden Onkologen begrüßt, der am 1. Juli seinen Dienst in Kulmbach begonnen hat. Von links: Verbandsvorsitzender Landrat Klaus Peter Söllner, Leitender Arzt  Harald Biersack, Geschäftsführerin Brigitte Angermann und stellvertretender Verbandsvorsitzender Oberbürgermeister Henry Schramm.  Klinikum Kulmbach
Die Spitzen des Kulmbacher Klinikums haben ihren neuen Leitenden Onkologen begrüßt, der am 1. Juli seinen Dienst in Kulmbach begonnen hat. Von links: Verbandsvorsitzender Landrat Klaus Peter Söllner, Leitender Arzt Harald Biersack, Geschäftsführerin Brigitte Angermann und stellvertretender Verbandsvorsitzender Oberbürgermeister Henry Schramm. Klinikum Kulmbach

Das Klinikum Kulmbach hat sich im Bereich der Onkologie mit einem ausgewiesenen Experten personell verstärkt und ist gleichzeitig eine besonders enge vertragliche Bindung mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg eingegangen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Klinikums hervor.

Der Hämatologe und Internistische Onkologe Harald Biersack verfügt über jahrelange Erfah rungen und war zuletzt als Bereichsleiter in seinem Spezialgebiet an der Uniklinik Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, tätig. Biersack und seine Ärztekollegen des Kulmbacher Klinikums können sich zudem in Zukunft auch der medizinischen Kompetenz eines der onkologischen Spitzenzentren in Deutschland, dem Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken der Universität Würzburg, versichern. Das Klinikum Kulmbach und das CCC Mainfranken haben vor Kurzem ihre künftige Zusammenarbeit schriftlich besiegelt.

Als Facharzt für Hämatologie und Internistische Onkologie kümmere er sich um alle Krebserkrankungen aus internistischer Sicht, erklärt Biersack sein Aufgabengebiet. Die Festlegung von Therapien, individuell zugeschnitten auf jeden einzelnen Patienten, sei dabei seine vorrangige Tätigkeit. "Wir haben heute moderne Therapien, die nicht mehr direkt mit Chemotherapien zu tun haben", erklärt Biersack. Als Beispiele nennt er Immuntherapien oder moderne Medikamente wie "Small Molecules".

Für all diese medikamentösen Therapien sei der Internist als Hämato-Onkologe zuständig. In zwei großen Gebieten, der Hämatologie (Bluterkrankungen, wie Leukämie, Lymphome und anderen Knochenmarkstörungen, die nicht immer bösartig sein müssen) und der Internistischen Onkologie liegen die Schwerpunkte des neuen Leitenden Arztes. Auch das ist ein weites Feld.

Es umfasst alle sogenannten "soliden Krebserkrankungen". Das reicht, wie Biersack erklärt, vom Bronchialkarzinom über den Brustkrebs bis hin zum Darmkrebs. Aber auch für seltenere Krebserkrankungen wie Sarkome, Hirntumoren oder Hauttumoren ist er als Onkologe zuständig.

Das Klinikum Kulmbach sei in der glücklichen Lage, dass bereits vier Experten in ihren jeweiligen Fachgebieten in der Onkologie tätig sind. "Zur Verstärkung ist es sinnvoll, einen internistischen Onkologen dazuzurufen, der das Ganze mit den anderen Kollegen vorwärtsbringt." Mittel- und langfristig sehe er das Ziel, am Klinikum in Kulmbach ein onkologisches Zentrum zu etablieren. Organkrebszentren gebe es in Kulmbach bereits.

Verstärken will Biersack den Bereich der Behandlung hämatologischer Krebserkrankungen. "Den muss man unbedingt weiter ausbauen, weil die Patienten aus der Region nicht zwingend in große Städte fahren und weite Wege auf sich nehmen müssen." Die Kooperation mit dem CCC in Würzburg schätzt Biersack als sehr wichtig ein. Würzburg habe sich zu einem für ganz Deutschland wichtigen Zentrum für hämatologische Erkrankungen emporgearbeitet. Hubert Einsele habe daran einen entscheidenden Anteil.

Dass Kulmbach nun in der Kooperation mit Würzburg dieses große Fachwissen nutzen kann, sieht Biersack als großen Gewinn. Ein weiterer Vorteil: Biersack und Einsele kennen sich persönlich. Die Unikliniken in Lübeck und Würzburg haben bereits etliche Studien zusammen durchgeführt.

Dass Kliniken ihr Wissen vernetzen und damit Patienten noch besser behandeln können, sieht Biersack als sehr wichtig an. "Vor allem die Therapie, aber auch die Diagnostik, sind so komplex geworden, dass Patienten ohne die Bildung von Netzwerken einen Nachteil erleiden können. Das können wir so verhindern." Bestimmte Spezialbehandlungen, beispielsweise Immuntherapien, werden im Zentrum vorgenommen, Vor- und Nachsorge können dann in Kulmbach stattfinden. "Die Netzwerke sind das i-Tüpfelchen auf der Zentrumsversorgung." Die ersten Termine mit den Kollegen des CCC in Würzburg hat Biersack bereits vereinbart. "Wir wollen dort schnellstmöglich Flagge zeigen, um deutlich zu machen, dass wir als Interaktionspartner mit der Uni Würzburg und dem CCC dort aktiv zusammenarbeiten wollen."

Die Verbandsversammlung habe nur kurz beraten müssen, bevor sie sich einstimmig für Harald Biersack entschieden hat, sagt deren Vorsitzender, Landrat Klaus Peter Söllner. "Seine Vorstellung und natürlich auch sein bisheriger beruflicher Werdegang haben uns überzeugt. Das ist auch eine wichtige Entscheidung im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg. Es war richtig, ein Signal zu setzen."

Dass es gelungen ist, einen so renommierten Experten wie Biersack für Kulmbach zu gewinnen, sieht stellvertretender Verbandsvorsitzender Oberbürgermeister Henry Schramm als einen weiteren großen Schritt in der Entwicklung des Klinikums Kulmbach. "Gerade der Bereich der Onkologie soll nochmals gestärkt werden, um den Menschen, die in unserer Region an Krebs erkranken, möglichst optimal und heimatnah eine Behandlung auf höchstem Niveau anbieten zu können. Durch den Erweiterungsbau, der derzeit am Klinikum Kulmbach läuft, werden Rahmenbedingungen geschaffen, die Patienten noch besser unterzubringen, sagte Schramm. Mit der Auswahl der Chefärzte habe das Haus sichergestellt, dass großes medizinisches Wissen vorhanden ist. "Mit der Anstellung von Harald Biersack haben wir jetzt einen wichtigen weiteren Meilenstein gesetzt."

Brigitte Angermann, die Geschäftsführerin des Klinikums Kulmbach, setzt auf die neue Entwicklung im Bereich der Onkologie. Mit Harald Biersack habe das Klinikum einen kompetenten Fachmann mit langjähriger Erfahrung nach Kulmbach holen können. "Mit ihm und der Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg können wir unsere Onkologie auf ein neues Niveau heben", sagt Brigitte Angermann. Dass der neue Leitende Onkologe als Oberpfälzer auch noch seine Wurzeln in der Region hat, freut Angermann besonders.

Die Angliederung des Klinikums an das CCC Mainfranken sichert dem Klinikum zudem, die Nutzung der großen Kompetenz der Uniklinik Würzburg. Patienten des Klinikums können künftig auch an Studien teilnehmen und Mitarbeiter von angebotenen Fortbildungen profitieren. Das Comprehensive Cancer Center Mainfranken der Uni Würzburg ist eines von nur 13 onkologischen Spitzenzentren in Deutschland. Zwei davon, in Würzburg und in München, gibt es in ganz Bayern. "Das zeigt, welche herausragende medizinische Kompetenz uns hier zur Seite gestellt wurde."

Maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat den Vertrag zwischen dem CCC Mainfranken und dem Klinikum der Leitende Arzt der Thoraxchirurgie in Kulmbach, Thomas Bohrer, der selbst am Uniklinikum Würzburg lehrt. Dass es gelungen ist, nun offizieller Kooperationspartner des von Ralf Bargou geleiteten Würzburger Comprehensive Cancer Center zu sein, sieht auch Bohrer als großen Schritt. Professor Bargou sei ein international renommierter Onkologe.

Krebspatienten, vor allem Menschen mit selteneren Krebserkrankungen, könnten wir jetzt noch mehr Möglichkeiten der Behandlung anbieten. "Vor allem bei Lymphdrüsenkrebs, bei Lymphomen und Leukämie ist das eine ganz wichtige Option. Bei Patienten mit Lungenkrebs machen wir bereits die molekulargenetische Untersuchung zusammen mit den Würzburger Kollegen. Das hilft unseren Patienten bei der richtigen Wahl der für sie passenden Therapie."

Zur Person

Der neue Leitende Arzt der Hämatologie und Internistischen Onkologie, Harald Biersack, stammt aus Auerbach in der Oberpfalz. Er hat in Regensburg und Würzburg Medizin studiert und dann mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Dänemark im Bereich der Krebstherapie geforscht.

Fünf Jahre lang war Biersack danach an der Medizinischen Hochschule Hannover und weitere fünf Jahre am Universitätsklinikum in Essen. Biersack ist Facharzt für Innere Medizin sowie für Hämatologie und Internistische Onkologie. Im Jahr 2006 wechselte Biersack als Leitender Oberarzt an die Klinik für Knochenmarktransplantation in Idar-Oberstein. 2010 wurde er dann Bereichsleiter für Hämatologie und Internistische Onkologie am Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) am Campus Lübeck. Unter anderem hat er dort eine Einheit für Stammzellentherapie aufgebaut.

Nach mehr als neun Jahren zog es ihn jetzt zurück nach Süddeutschland. Biersack ist verheiratet und hat vier Kinder. In Kulmbach will die Familie eine neue Heimat finden und hat sich bereits ein Grundstück für den Bau eines Eigenheims gekauft.

Onkologische Spitzenzentren der Deutschen Krebshilfe

Fortschritte in der Vorbeugung, Früherkennung, Diagnostik und Therapie der Krebserkrankungen haben die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die Standards der medizinischen Versorgung von Krebspatienten sind bundesweit bislang jedoch noch sehr unterschiedlich.

Mit der Etablierung Onkologischer Spitzenzentren ermöglicht die Deutsche Krebshilfe allen Krebskranken eine noch bessere, individuell zugeschnittene Behandlung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Derzeit unterstützt die Deutsche Krebshilfe deutschlandweit Onkologische Spitzenzentren an den universitären Standorten Berlin, Dresden, Essen, Frankfurt/Main, Freiburg, Hamburg, Heidelberg, Köln/Bonn, Mainz, München, Tübingen-Stuttgart, Ulm und Würzburg. Darüber hinaus will sich die Deutsche Krebshilfe dafür einsetzen, dass mittelfristig auch unterhalb der Ebene der Spitzenzentren vergleichbare Versorgungsstrukturen, beispielsweise in kommunalen Schwerpunktkrankenhäusern, aufgebaut werden.

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