Kulmbach
Kreißsaal-Drama

Klinikum Kulmbach: Mutter und Baby sterben bei der Geburt - was ist im Kreißsaal passiert?

Im Klinikum Kulmbach starben kurz vor Weihnachten Mutter und Kind bei der Entbindung. Das Gutachten der Rechtsmedizin zu dem Fall liegt vor. Doch Vater Robby Handschuh hadert auch drei Monate später noch mit der Schuldfrage.
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Robby Handschuh muss den Tod seiner Lebensgefährtin Regina  und des gemeinsamen Kindes Ferdinand verkraften. Beide sind kurz nach der Geburt im Klinikum Kulmbach gestorben. Drei Monate später quält Vater Robby Handschuh noch immer die Frage, was damals wirklich im Klinikum geschehen ist. Foto: privat
Robby Handschuh muss den Tod seiner Lebensgefährtin Regina und des gemeinsamen Kindes Ferdinand verkraften. Beide sind kurz nach der Geburt im Klinikum Kulmbach gestorben. Drei Monate später quält Vater Robby Handschuh noch immer die Frage, was damals wirklich im Klinikum geschehen ist. Foto: privat
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Im Klinikum Kulmbach hat sich kurz vor Weihnachten 2018 ein Drama im Kreißsaal ereignet. Die Mutter Regina und ihr Baby Ferdinand starben kurz nach der Entbindung - das Baby kurz nach der Geburt, die Mutter nur wenige Stunden später nach einer Not-OP. Mittlerweile liegt ein Gutachten der Rechtsmedizin vor. Es versucht zu erklären, was nicht zu begreifen ist. Der Vater kann es nicht akzeptieren: Noch immer quält ihn Vater die Frage, was an diesem 8. Dezember wirklich im Kreißsaal passiert ist.

Trauer und Wut: "Sie haben Scheiße gebaut"

Es fällt Robby Handschuh schwer, den Schicksalsschlag zu verarbeiten. "Nicht, solange nicht zweifelsfrei geklärt ist, was an diesem Tag im Klinikum passiert ist", sagt er im Gespräch mit dem Fränkischen Tag. Wut mischt sich in seine Trauer. "Sie haben Scheiße gebaut und dafür sollen sie geradestehen." Hätten der Tod seiner Frau und der seines Sohnes verhindert werden können? Handschuh will einen Nachweis dafür, dass das nicht möglich war. Und dafür zieht er notfalls vor Gericht.

Leicht hatte es Robby Handschuh nie in seinem Leben: Seit er 16 ist, schlägt er sich alleine durch im Leben. Nun, nachdem Frau und Kind gestorben sind, wird er im März auch noch seinen Job verlieren.

"Zusammentreffen tragischer Umstände": Mutter und Baby im Klinikum Kulmbach verblutet

Das Gutachten des rechtsmedizinischen Instituts Erlangen spricht von einem "zentralen Regulationsversagen". Übersetzt heißt das: Mutter und Kind sind verblutet. Das Kind ist demnach gestorben, weil es einen Blutstau im Gehirn gab. Innere Blutungen waren auch die Ursache für den Tod der 33 Jahre alten Mutter wenige Stunden nach der Entbindung - ein außergewöhnliches Zusammentreffen tragischer Umstände, heißt es.

Gutachten: Klinikum-Ärzte haben keine Schuld - doch Fall ist noch nicht abgeschlossen

Das Gutachten aus Erlangen spricht Ärzte und Klinikum von jeder Schuld an dem tragischen Geschehen frei, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt in Bayreuth, Herbert Potzel, unserer Redaktion. Für den Vater ist das freilich kein Trost. Robby Handschuh, der von dem Gutachten laut eigener Aussage erst aus der Presse erfahren hat, kann das Ergebnis nicht nachvollziehen.

Die Staatsanwaltschaft hat noch ein zweites unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben. Das gehöre zur Routine bei solchen Ermittlungen. Das Ergebnis dieses zweiten Gutachtens steht noch aus: "Das kann aber sicher noch zwei Wochen dauern", so Potzel.

Robby Handschuh ereilte derweil die nächste Hiobsbotschaft: "Ab März werde ich meinen Job los sein". Nun möchte er einen Psychologen aufsuchen. Aufgeben kommt für ihn nicht in Frage: Das Leben habe ihn schon oft gebeutelt, er habe falsche Entscheidungen getroffen, sei "auf die Schnauze gefallen", aber er lasse sich nicht unterkriegen. Vor der Tragödie im Kreißsaal sei es gut gelaufen: Die Vorfreude auf seine baldige Vaterschaft hätte ihn glücklich gemacht.

Das vollständige Gespräch mit Robby Handschuh lesen Sie auf inFranken.dePLUS.

Schon kurz nach der Kreißsaal-Tragödie hatte Handschuh sich gegenüber inFranken.de geäußert:

Geburt in Kulmbach endet in einer Tragödie: Ursprünglicher Artikel vom 19.12.2018

"Ich weiß gar nicht, warum ich noch so viel Kraft habe." Robby Handschuhs Stimme klingt gedämpft, aber stark. Um seine Worte herum ist plötzlich nichts mehr, wenn er vom schlimmsten Tag seines Lebens erzählt. Dem Tag, an dem eigentlich seine kleine Familie zusammenwachsen sollte. Dem Tag, an dem er alles verloren hat.

Zehn Tage vor dem errechneten Geburtstermin machen sich der 36-Jährige und seine baldige Frau Regina (33 Jahre) auf den Weg ins Kulmbacher Klinikum. Daheim in Weidenberg hatten die Wehen eingesetzt, sie freuten sich auf ihre gemeinsame Zukunft zu dritt.

Vater hatte sogar noch die Nabelschnur durchgeschnitten

Die Geburt verläuft ohne Zwischenfälle, erinnert er sich. "Ich habe sogar noch die Nabelschnur durchgeschnitten", sagt er. Aber das Neugeborene atmet nicht, die Ärzte versuchen noch, den kleinen Ferdinand zu reanimieren. Vergeblich.

Während Robby Handschuh bei seinem toten Kind ist, um sich von ihm zu verabschieden, treten bei Regina Komplikationen auf. Sie muss operiert werden, Auch sie stirbt kurz darauf. Als er Stunden später die Nachricht erhält, dreht sich alles um ihn herum. Er kann es nicht glauben, geschweige denn fassen. "Plötzlich standen ganz viele Leute um mich herum, Pfarrer und Krisenhelfer und so."

Klinik-Mitarbeiter geschockt -was war passiert?

Was sagt das Kulmbacher Klinikum? Die Geburt sei zunächst normal verlaufen, heißt es in einer Stellungsnahme. In der Entbindungsklinik habe ein sehr erfahrenes Team von Hebammen und Ärzten die werdende Mutter unmittelbar nach deren Eintreffen im Kreißsaal betreut, betont Geschäftsführerin Brigitte Angermann, die mitteilt, dass es die einzige Geburt war, die zu dieser Zeit stattfand. Im Jahr kommen am Klinikum rund 750 Babys zur Welt (Anm. der Red. )

"Die volle Aufmerksamkeit des Teams galt dieser Entbindung", erklärt Benno Lex, der Leitende Arzt der Frauenklinik. "Wir waren zu diesem Zeitpunkt personell extrem gut ausgestattet. Zu unserem größten Bedauern gibt es aber Situationen, in denen auch Ärzte nichts tun können."

Das Klinikum selbst hat nach dem tragischen Tod von Mutter und Kind die Polizei eingeschaltet. Wie es laut Geschäftsführerin Brigitte Angermann bei ungeklärten Todesursachen üblich ist. "Auch uns ist natürlich sehr daran gelegen, die Todesursache zu erfahren", stellt dazu der Leitende Arzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Peter Moratin, fest.

Geschlafen hat Robby Handschuh seit diesem Tag nicht viel, er bekommt die Bilder seiner toten Lieben einfach nicht aus dem Kopf. "In der Wohnung ist schon alles eingerichtet, im kleinen Bettchen liegt bereits der erste Strampler bereit", erzählt er. Wenn er daran vorbeiläuft, sticht es jedes Mal im Herzen. Regina und er wollten bald heiraten, Pläne für den Hausbau steckten schon in der Schublade. "Es wird dauern, bis ich registriere, alleine zu sein", sagt er.

Betroffenheit auch im Klinikum. "Das Ausmaß dieses unfassbaren Geschehens kann man sich kaum vorstellen. Das gilt auch für unsere erfahrensten Ärzte und Hebammen", führt Brigitte Angermann aus. Der Tod von Mutter und Kind habe das gesamte Team des Klinikums sehr berührt. "Den Hinterbliebenen sprechen wir unser Mitgefühl und Beileid aus." Weitere Angaben könne das Klinikum aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens derzeit nicht tätigen. "Dafür bitten wir um Verständnis", so die Geschäftsführerin.

Ermittlungen laufen

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, wie Jürgen Stadter, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, bestätigt. Die Staatsanwaltschaft hat die Obduktionen der Mutter und auch des Neugeborenen angeordnet. Das Ergebnis der Obduktion lag am Freitag noch nicht vor, wie Pressesprecher Jochen Götz auf Anfrage mitteilte.

"Sollten Fehler passiert sein, müssen diese aufgedeckt werden", sagt Handschuh. Großen Rückhalt findet er bei seinen Freunden, die seither besonders für ihn da sind und sogar eine Spendenaktion für ihn ins Leben gerufen haben. Regina war immer begeistert davon, wie stark er wäre, wie gut er mit Rückschlägen umgehen könne. Und davon habe es schon einige gegeben in den letzten Jahren. "Aber das Leben muss nun irgendwie weitergehen", meint er. "Für Regina und Ferdinand werde ich weiter stark sein."

Noch ist weiter unklar, was genau passiert ist. Die Ermittlungen dauern an. Wie die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage mitteilt, müssen die Behörden weiterhin auf die Gutachten der Obduktionen warten. Bis diese vorliegen, kann es allerdings noch einige Wochen dauern, heißt es.

Franken helfen Franken - Helfen auch Sie

Das menschliche Leid kann ihm niemand nehmen. Wer Robby Handschuh in der schweren Vorweihnachtszeit aber finanziell unterstützen will, kann das über "Franken helfen Franken" tun. Spendenkonto Bitte überweisen Sie Ihre Spende hierhin:

- Sparkasse Bamberg - BIC: BYLADEM1SKB - IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01

Bitte als Verwendungszweck bei der Überweisung Robby Handschuh angeben. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Wenn Sie eine Spendenquittung möchten, geben Sie bitte im Verwendungszweck Ihre Adresse an oder melden Sie sich bitte per Mail bei frankenhelfen@mg-oberfranken.de.

Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Bayerische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie die Internet-Angebote viele Menschen. Das nutzt sie, um mit dem Spendenverein "Franken helfen Franken" Geld für die zu sammeln, die auf Hilfe angewiesen sind. Den Verein gibt es seit 2009, bislang sind über 450.000 Euro ausgeschüttet worden.

Weitere Informationen zu unserer Spendenaktion gibt es unter franken-helfen-franken.de.

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