Kulmbach
Gesundheitswesen

Kritik und Diskussionen um Klinikum Kulmbach: Jetzt spricht ein Arzt

Die Diskussionen um die Qualität im Krankenhaus Kulmbach reißen nicht ab. Immer wieder geht es dabei um die Pflege.
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Läuft alles rund am Kulmbacher Klinikum? Über das Krankenhaus wird nach einem Bericht bei inFranken.de kontrovers diskutiert. Foto: Stephan Tiroch
Läuft alles rund am Kulmbacher Klinikum? Über das Krankenhaus wird nach einem Bericht bei inFranken.de kontrovers diskutiert. Foto: Stephan Tiroch
Die Diskussionen über das Kulmbacher Klinikum reißen nicht ab. Unser Bericht "Läuft alles rund im Klinikum?" wurde von Helmut Herold aus Mainleus initiiert. Er kritisierte, dass die Verantwortlichen des Zweckverbands und der Geschäftsführung nur die Wachstumszahlen in den Vordergrund stellen. Dagegen habe er die Erfahrung gemacht, dass Pflegepersonal überlastet sei, Ärzte unter Zeitnot arbeiten und am Wochenende in der Notaufnahme Dauerstress herrscht. Die Vorwürfe wurden von Geschäftsführerin Brigitte Angermann als unzutreffend zurückgewiesen.

Nun wurden weitere kritische Stimmen laut. Erst meldete sich Elke Wuthe mit einem Leserbrief mit eigenen negativen Erfahrungen am Klinikum zu Wort. Dann entwickelte sich auf der Facebook-Seite der Bayerischen Rundschau im Internet eine kontroverse Debatte, die wir hier auszugsweise wiedergeben.


Gesundheit ein Geschäft

Melanie Gebhardt kritisierte das Gesundheitssystem insgesamt: "Da wird an allen Ecken gespart. Pflegekräfte müssen immer mehr schaffen in kurzer Zeit." Dies, so Stefan Franzke, sei die Folge einer Politik, die im Gesundheitswesen - wie auch in Kindergärten und Pflegeheimen - das reine betriebswirtschaftliche Denken eingeführt habe. "Seitdem Gesundheit ein Geschäft geworden ist, wird der Mensch nur noch als Fallstudie gesehen", meint Joachim Beez.

Steffen Haselmann glaubt, dass im Klinikum - Thema Hygiene - einiges schiefläuft. Doris Schüßler spricht von fehlender "Menschenwürde", weil ihre Eltern nicht auf die Toilette geführt wurden, sondern Windeln anziehen mussten.

Laut Theresa Rubenbauer könne man über jedes Krankenhaus Positives und Negatives hören. Beschwerden solle man an verantwortlicher Stelle anbringen und den Ärger nicht an den Pflegekräften auslassen. Die "Leute an der Basis", so Carsten Kundraus, leisten eine bemerkenswert gute Arbeit.


Gute Erfahrungen gemacht

Wie David Langenberger ("keine negativen Erfahrungen") gibt es auch viele Fürsprecher des Klinikums. "Ein gut funktionierendes Haus", betont Christian Diller. Petra Herold erklärt: "Ich kann über das Klinikum nichts Schlechtes sagen."

Differenziert äußert sich Ulli Kimmel. Positiv erwähnt sie Gynäkologie und Onkologie: "Auch die Schwestern und Ärzte waren total nett." Von der Kardiologie (Station 5b) sei sie enttäuscht gewesen: "Da bin ich nach drei Tagen auf eigene Verantwortung gegangen."

Und jetzt spricht erstmals ein Arzt. Der Allgemeinmediziner Thomas Heinl aus Ludwigschorgast war früher selbst am Klinikum beschäftigt. Er stellt fest: "Ich habe den genannten Artikel und den Leserbrief vom 30. Dezember als niedergelassener Hausarzt und ehemaliger Assistenzarzt im Klinikum Kulmbach und Stadtsteinach mit Interesse verfolgt. Aus Gesprächen mit meinen Patienten komme ich bei der Beurteilung der Patientenzufriedenheit auf ein deutlich weniger positives Ergebnis als die durch die Patientenbefragung des Klinikums ermittelten Werte. Auch aus meiner eigenen Erfahrung würde ich die angesprochenen Kritikpunkte als dringend diskutierenswert einschätzen und diese nicht einfach schönreden."


Hier ist Handlungsbedarf

Nach seiner Einschätzung "liegt aber der größte Handlungsbedarf hauptsächlich im Pflegebereich". Heinl: "Das Pflegepersonal steht nach meiner Kenntnis unter Dauerstress und Dauerbelastung und arbeitet am Anschlag, und zwar nicht erst seit kurzem. Auch wenn erheblich mehr Pflegekräfte als noch vor zehn Jahren angestellt sind, lässt sich das schon alleine durch die erhöhten und komplexeren, hoch technisierten Arbeitsabläufe in der modernen Pflege relativieren. Und viele Aufgabenbereiche, die zu meiner Assistenzarztzeit im Krankenhaus noch durch Ärzte abgedeckt und geleistet wurden, werden mittlerweile allein durch das Pflegepersonal ausgeführt.Hier sollte dringend nach vernünftigen Lösungen gesucht werden, um eine dauerhafte Verbesserung zu erreichen."

Ein verbesserter Pflegespiegel, so Heinl, würde zum Beispiel mehr Zeit lassen, um eine gute Einarbeitung der jungen Fachkräfte zu gewährleisten. Dann wären auch qualitativ hochwertige Fortbildungen und Hospitationen, eventuell auch extern möglich, und es würden die erfahrenen und gut ausgebildeten Fachpfleger im Hause gehalten.


Für bessere Bezahlung

Der Ludwigschorgaster Arzt meint: "Soll die Pflegesituation schnell verbessert werden, wird der Klinikumsausschuss nicht umhinkommen, eine deutlich höhere Entlohnung des Pflegepersonals zu beschließen."

Im Übrigen würde es ihn interessieren, wie seine beiden Arztkollegen Volker Seitter, Thurnau, und Reinhard Baar, Presseck, die Situation beurteilen. Denn beide seien Mitglieder in der Verbandsversammlung des Krankenhauses.


Kompetent und gut ausgebildet

Abschließend betont Heinl, "dass ich natürlich auch weiterhin gerne Patienten ins Klinikum Kulmbach, sei es zur ambulanten oder stationären Behandlung, schicken werde". Er sei froh, "dass es dort ganz viele kompetente Ärzte und gut aus gebildete, aufopferungs- und ver ständnisvolle Pflegekräfte gibt."
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