Kulmbach
Fridays for Future

Schüler trauen sich nicht zu Klima-Streik: Kulmbacher Schulleiter wehrt sich gegen Kritik

Der Schulleiter des MGF-Gymnasiums wehrt sich gegen Vorwürfe und beruft sich auf die Schulpflicht.
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Schülerinnen und Schüler der beiden Kulmbacher Gymnasien und der FOS/BOS, die am Freitag am Klima-Streik auf dem Marktplatz teilgenommen haben, müssen mit Sanktionen ihrer Schulen rechnen.Foto: Katrin Geyer
Schülerinnen und Schüler der beiden Kulmbacher Gymnasien und der FOS/BOS, die am Freitag am Klima-Streik auf dem Marktplatz teilgenommen haben, müssen mit Sanktionen ihrer Schulen rechnen.Foto: Katrin Geyer

Als am Freitagmittag auf dem Kulmbacher Marktplatz rund 300 Menschen für einen verbesserten Klimaschutz demonstrierten, blieb eine Bevölkerungsgruppe der Veranstaltung weitgehend fern: Die Schülerinnen und Schüler der beiden Gymnasien und der Hans-Wilsdorf-Fachoberschule hatten es offensichtlich nicht gewagt, an der Veranstaltung teilzunehmen. Der Grund: Die Schulleitungen hatten bereits im Vorfeld signalisiert, dass mit Ordnungsmaßnahmen zu rechnen sei, sollte jemand unentschuldigt dem Unterricht fernbleiben.

Eltern erheben Vorwürfe gegen Kulmbacher Schulleiter

Ein Umstand, der am Rande der Demonstration oft und heftig diskutiert wurde. Besonders im Fokus stand dabei der Leiter des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums, Horst Pfadenhauer. Ihm warfen sowohl Eltern als auch Schüler vor, harte Sanktionen bis hin zum Direktoratsverweis oder Bußgeldern angedroht zu haben, sollte jemand unentschuldigt dem Unterricht fernbleiben.

Der Schulleiter, der am Freitag für uns aus privaten Gründen nicht mehr erreichbar war, dementierte dies gestern: Von Bußgeldern sei nie die Rede gewesen. "Das ist eine glatte Lüge!" Pfadenhauer zufolge hatte es zwischen den Schülern und der Schule eine klare Abmachung gegeben. Man habe es den jungen Leuten im letzten Schuljahr einmal ermöglicht, während des Unterrichts an einer Fridays-for-Future-Veranstaltung teilzunehmen. Das habe aber eine einmalige Sache bleiben sollen. "Und damit waren auch alle einverstanden. Jetzt wollen einige von der Abmachung offensichtlich nichts mehr wissen."

Wer gegen Schulpflicht verstößt muss mit Sanktionen rechnen

Er habe noch am Dienstag letzter Woche mit den Schülern der Oberstufe gesprochen und darauf hingewiesen, dass sie ab 13 Uhr an der Demonstration teilnehmen könnten. "Und ich habe ihnen gesagt, dass sie andernfalls mit Sanktionen rechnen müssen", so Pfadenhauer weiter.

"Wir haben eine Schulpflicht. Wer dagegen verstößt, muss die Konsequenzen tragen. Den Schuh, hier als Hardliner rüberzukommen, ziehe ich mir nicht an."

Welcher Art die Sanktionen sein werden, war nicht zu erfahren. Weder am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium noch am Caspar-Vischer-Gymnasium, wo man nach Auskunft von Schulleiterin Ulrike Endres erst einmal mit den betroffenen Schülern sprechen und dann entscheiden wolle. "Mit Augenmaß", wie die Schulleiterin betont, die freilich ebenso wie ihr Kollege betont, dass unentschuldigtes Fehlen nicht ohne Konsequenzen bleiben könne.

Positiv hebt sie allerdings auch heraus, dass es am CVG eine Vielzahl von Umweltaktivitäten gebe: "Unsere Schüler sehen die Notwendigkeit, im eigenen Bereich etwas zu tun." An der Fachoberschule war der Klima-Streik heute kein Thema mehr. Das versichert Schulleiter Alexander Battistella.

Goldene Brücke?

Hätte man den Schülern vielleicht eine "goldene Brücke" bauen können? Am Freitag der Vorwoche war am MGF-Gymnasium die sechste Stunde wegen einer Personalveranstaltung ausgefallen. Hätte man die nicht um eine Woche verschieben und so den jungen Leuten die Möglichkeit geben können, ganz legal in der sechsten Schule die Schule zu verlassen? "Das war aus planungstechnischen Gründen nicht möglich", sagt Pfadenhauer. "Aber man hätte ja die Demonstration auf diesen Tag legen können."

Link schön:

Was sagt ein Jurist zum Schul-Streik?

Steht die Schulpflicht über allem? Mit dieser Frage befasst sich der Jurist Felix Ekardt, Professor an der Juristischen Fakultät der Universität Leipzig, in einem Rechtsgutachten, das er im Auftrag des Solarenergie-Fördervereins Deutschland erstellt hat.

Jürgen Öhrlein, ehemals Kreisrat der Grünen, hat dieses Gutachten öffentlich gemacht, als sich abzeichnete, dass die Schulen es nicht hinnehmen würden, wenn Schüler für den Klima-Streik "schwänzten".

Die angekündigten Sanktionen, so der Experte, seien für notorische Schulschwänzer konzipiert und im Blick auf Fridays for Future "denkbar wacklig fundiert". Schließlich sei die Erziehung zum mündigen Staatsbürger ein elementares Erziehungsziel. Zudem machten die Schüler nicht ein beliebiges Anliegen geltend, sondern setzten sich für den "grundrechtlich garantierten Schutz von elementaren Freiheitsvoraussetzungen wie Leben, Gesundheit und Existenzminimum" ein.

Ekardt weist auch darauf hin, dass in den 16 deutschen Bundesländern und sogar von Schule zu Schule teils sehr unterschiedlich mit den Fridays-for-Future-Protesten umgegangen und unentschuldigtes Fehlen nach den jeweiligen Landesschulgesetzen mit unterschiedlichen Sanktionen belegt wird.

red

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