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Kulmbach
Ascherwittwochstreffen

Klartext am Aschermittwoch

Traditionell ziehen die Politiker bei den Treffen nach Fasching kräftig vom Leder. Auch im Raum Kulmbach war das nicht anders.
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Symbolbild: Archiv/Hänseler
Symbolbild: Archiv/Hänseler
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Das sagt die CSU

"Die letzten drei Wochen waren die schlimmsten meines Lebens." Im gut besuchten Gasthof Geuther in der Blaich ging Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) nur kurz auf die Ereignisse ein, die mehrfach für Schlagzeilen gesorgt und zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn geführt hatten. Nicht nur für ihn, sondern für seine ganze Familie sei es eine schwierige Situation gewesen. Mehr sagte er zu dem Thema nicht.

Die Attacken gegen den politischen Gegner ritt dafür stellvertretender Landrat Jörg Kunstmann. "Was jetzt gelaufen ist, war schockierend", sagte er mit Blick auf die "politische Kultur in Kulmbach".

Es sei viel zerstört worden, als der "politische Müllkübel" über Henry Schramm ausgeschüttet und damit "die Leistungen des OB in den Dreck gezogen wurden". Und das aus wahltaktischen Gründen einer Partei, die gesellschaftlich entwurzelt sei und vor den Wählern ein schlechtes Bild abgebe. Der Versuch, Schramm zu schaden, habe aber nicht zu einer Spaltung der CSU geführt - im Gegenteil.

Mit Blick auf die Einstellung der Ermittlungen sagte er: "Das Gute ist, dass unser Rechtsstaat funktioniert." Dafür gab es Applaus. Kunstmann sprach die Hoffnung aus, "dass die Hetze hoffentlich vorbei ist und wir uns wieder mit den Themen beschäftigen, die Kulmbach voranbringen".

Hier kam wieder der Oberbürgermeister ins Spiel. Schramm versicherte, dass er nach wie vor "für die Stadt brennt". Der OB sagte, er reiche allen die Hand, um Kulmbach in die Zukunft zu führen.

Und an Zielen konnte er einiges aufzählen: an erster Stelle natürlich den Campus. "Der wird der Stadt einen Schub geben, den viele so nicht vermuten." Auch das Spartan-Race werde Kulmbach weiter überregional bekannt machen.

Zudem schwebt ihm die Renaturierung der Flutmulde Teil 2 vor. "Wir sehen ja, wie der erste Abschnitt von den Menschen angenommen wird."

Dann noch der Schandfleck Bahnhof: Der müsse hergerichtet werden. "Wir sind mit Priorität nach Berlin gemeldet."

Das Schlusswort am Aschermittwoch blieb Bürgermeister Frank Wilzok: "Zu Henry Schramm gibt es keine Alternative."

Das sagt die SPD

Demut und Unrechtsbewusstsein - das fordert Ingo Lehmann, Oberbürgermeister-Kandidat der Kulmbacher SPD, von Oberbürgermeister Henry Schramm. Dessen Grundstücksgeschäfte, die in den letzten Wochen in Kulmbach für viel Aufregung gesorgt hatten, standen erwartungsgemäß im Mittelpunkt von Lehmanns kurzer Aschermittwochsrede im Gasthaus "Zum Gründla".

Er rechnete den Zuhörern vor, dass Schramm ein Wohnhaus in der Jean-Paul-Straße viel zu günstig gekauft habe. Zudem sei das Haus zuvor noch großzügig renoviert worden. Lehmann zufolge seien alle Häuser der Städtebau in den 1990er Jahren mit einem Gutachten bewertet worden. "Wo ist das Gutachten? Wie hoch wurde der Wert damals eingeschätzt?"

Wenn man dies wisse, so Lehmann, könne man in Richtung OB Schramm nur sagen: "Verkaufen Sie die Kulmbacher nicht für dumm, Herr Schramm! Solche unsäglichen Tricksereien müssen ein Ende haben."

Lehmann nutzte den Abend auch, um kurz auf die Themen der SPD im Wahlkampf einzugehen. Er sprach sich dafür aus, in der Stadt mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und dem Klimaschutz Rechnung zu tragen, indem man für Verbesserungen im Stadtbusverkehr und im Radwegenetz sorge. Kulmbach müsse zudem eigenen Strom für seine Bürger produzieren.

Weiter forderte Lehmann ein Sofortprogramm zur Belebung der Innenstadt und die Erstellung einer Altstadtsatzung zum Erhalt des historischen Stadtkerns.

Zwar begrüßte Lehmann eine Verbesserung der Angebote rund um die Plassenburg und bezeichnete es als überaus wichtig, wieder einen Museumsleiter einzustellen, wandte sich aber gegen eine Erschließung auf Kosten der Natur: Keine Zufahrt über den Buchwald, keine großen Verkehrsbauwerke, keine Standseilbahn!

Zu Ingo Lehmanns Anliegen gehört schließlich noch ein "Bürgerplatz" auf dem ehemaligen Kaufplatz-Gelände, der als innerstädtische Oase die Verbindung zwischen dem künftigen Campus und der Altstadt und der Plassenburg herstellen könnte.

Auch Theresa Weith, Kandidatin der SPD für das Amt des Landrats, stellte sich gestern Abend kurz vor, verzichtete aber auf eine lange Ansprache und längere inhaltliche Ausführungen.

Das sagt die FDP

Personen und Posten - das bestimmte zuletzt in Thüringen und Berlin, aber auch in Kulmbach das politische Tableau. Ein Zustand, den FDP-Kreisvorsitzender Michael Otte schnellstens beendet sehen möchte. "Im Großen ging es um unseren Thomas Kemmerich in Thüringen, im Kleinen um unseren Henry Schramm. Wer aber, frage ich, kümmert sich eigentlich noch um die Sachthemen?"

Zu denen will er zurück, wie er beim politischen Aschermittwoch in der "Alten Post" in Untersteinach bekundete. Er rief alle demokratischen Parteien auf, nicht durch gegenseitige Verunglimpfung nur die politischen Ränder und allen voran die AFD zu stärken, sondern in der Mitte der politischen Landschaft wieder zur lösungsorientierten Zusammenarbeit zu finden. "Ich sage es hier an die Adresse von Ministerpräsident Söder, der mich heute mit seiner Rede in Passau massiv geärgert hat, weil er uns entgegengehalten hat, die FDP würde sich immer falsch entscheiden, wenn's drauf ankommt. Ich sage: Wo wir Liberale sind, da ist die Mitte."

Stadt- und Kreisrat Thomas Nagel nahm sich der Stadtpolitik an. Es sei an der Zeit, mit guten Persönlichkeiten auf den Stadtrats- und Kreistagslisten liberale Politik nach vorne zu bringen. Unter anderem ging Nagel auf ein attraktives Wohnangebot in der Innenstadt ein. "Da kann es auch denkbar sein, dass in leere Ladengeschäfte eben keine neuen Läden einziehen, sondern dort Wohnungen entstehen." Sein Credo laute: Anreize schaffen statt Verbote aussprechen. "Nur allein mehr Bäume und Rasen, wie es die Grünen für das Kaufplatzareal möchten, schaffen noch kein Leben in der Innenstadt."

Neben dem Uni-Campus wünscht sich Nagel als wesentliche Belebung den Gesundheits-Tourismus. Weißenstadt mache es vor mit seiner Siebenquell-Therme. Vorstellbar wäre für ihn ein Waldhotel mit Schwerpunkt Gesundheit als perfekter Ergänzung zum Bereich Ernährung.

Hauptredner war Oberfrankens Landtagsabgeordneter Sebastian Körber. Der Forchheimer spannte den überregionalen Bogen von der Murks-Maut über das in seinen Augen ungerechtfertigte Bauern-Bashing bis hin zur E-Mobilität, die nicht in die Sackgasse führen dürfe.

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