Der Mann am Klavier hat gewonnen: Markus Kapp triumphierte beim Finale des fünften Kabarettpreises im "Kleinkunst-Brettla" in Untersteinach. Der Baden-Badener siegte gegen die Konkurrenten Jörg Kaiser (Burgthann), Kathrin Wolf (Leverkusen) und Florian Sembeck (München). Dass am Ende der Religionslehrer den Pokal von Birgit Reichert, der Marketingmanagerin der Kulmbacher Brauerei, bekam, lag wahrscheinlich daran, dass das KKB-Publikum am Samstag einen Tick mehr intellektuell drauf war.

Amüsant und begeisternd war es bei allen vieren. Dass Jörg Kaiser aus der Nermbercher Gegend ist, konnte er nicht verhehlen. Genauer gesagt aus Burgthann. Der zuweilen etwas scharfe Dialekt verriet es. Und als echter (Mittel-)Franke hielt er damit auch nicht zurück. Direkt halt, aber nicht übertrieben.

Er spielt mit Worten, erzählt von der fränkischen Lebensweise und Eigenart. Seine Pointen sind überraschend und nicht abgedroschen. Ein Löffelchen Sarkasmus und eine Brise schwarzer Humor.

Aber alles irgendwie liebenswürdig. Auch wenn er empfiehlt, sich scheiden zu lassen, wenn man 62 Kilo los werden will. Oder von einem Jäger a. D. erzählt - a. D. wie: acht Dioptrien; er hat halt nach Gehör geschossen.

Die eine Hälfte

Florian Simbeck war mal die eine Hälfte des Duos "Erkan und Stefan". Zwei schwer erziehbare Proleten, die sich 2006 trennten und ab nächstem Jahr wieder zusammen auf den Bühnen herumpflaumen werden. Florian/Stefan ist inzwischen integriert: Kreisrat in Pfaffenhofen und Vater zweier pupertierender Kinder. Die Rache kam also mit der Zeit.

Als "Kinderbesitzer" hat er den Vergleich zu sich früher. Sobald der Nachwuchs endlich durchschläft kommt er in die Schule. Damit ist wieder nichts mit ausschlafen, wenn man die Kinder früh aus dem Bett zerren muss. Und nach wie vor die Sprache das, was die Generationen trennt, wenn der Nachwuchs zum Wochenende mit Besinnung und Fokussieren gehen soll, was er als Konzentrationslager bezeichnet.

Vielgestaltig und ganz anders die Zweitplatzierte Kathrin Wolf: Die gebürtige Leverkusenerin stand schon mit fünf Jahren gern auf der Bühne. "Rollenkabarett" nennt sie ihr Metier. Und von einer in die andere schlüpft sie im halbstündigen Querschnitt aus ihren Programmen. Ein anderes Hütchen oder ein leichter Umhang macht aus ihr schon ganz jemand anderen. Und sie spielt mit Dialekten: schwäbelt, sächselt, bleibt auch mal rheinisch. Und sie spielt die Eigenarten ihrer Rollen aus, wird auch politisch und plädiert für die Abschiebung der Intelligenzflüchtlinge.

Die Regularien des KKB-Preises hinderten sie, sich voll auszuspielen und sich damit noch einen Platz weiter nach vorne zu schieben.

Superstar oder Hartzer?

Doch dieser Platz war bereits besetzt. Und der KKB-Preis war für Markus Kapp nicht der erste (und wird auch nicht der letzte sein), den der Baden-Badener bekommt. Gymnasiallehrer für Musik und Religion lässt eigentlich anderes erwarten. Doch er predigt nicht über Medienkompetenz, die ahnungslose Alt-68er-Lehrer nun den "Digital Natives" erklären, so als ob katholische Pfarrer das Kamasutra beschreiben sollen. Die Zeiten haben sich stark geändert. Jetzt gibt es nur noch Superstar oder Hartzer, beim Silikon Valley hätte man damals höchstens an das Dekolleté von Pamela Anderson gedacht, und Pippi Langstrumpf wäre wohl heute Waldorf-Lehrerin.

Er bringt völlig neue Texte zu alten Liedern - und zieht damit das eher mittelalterliche Publikum mit. Seine Begleitung am Klavier ist auf das Nötige beschränkt, er gibt nicht mit instrumentalem Firlefanz an. Grinst aber über überkanditelte Kritiker-Sprech, der mit vielen Wörter eigentlich nichts sagt. In diesem Sinn: So hat‘s gepasst, Markus Kapp.