Kirchleus

Kirchleuser Christbaumsuche mit Muskelkraft und viel Gefühl

In Kirchleus gibt es einen Helferkreis Weihnachtsbaum. Auf dem Weg vom Wald in die Kirche müssen die Männer viele Hürden nehmen.
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Der Transport des über 400 Kilogramm schweren Christbaums ist schweißtreibend. Foto: Sonny Adam
Der Transport des über 400 Kilogramm schweren Christbaums ist schweißtreibend. Foto: Sonny Adam
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Der Christbaum in der Kirchleuser Kirche muss so hoch sein, dass er über die zweite Empore hinausragt. Pfarrer Christian Schmidt hat das so von seinen Vorgängern übernommen und möchte daran auch nicht nicht rütteln. "Auf der zweiten Empore sitzen die Oberdornlacher, sie wollen auch noch was vom Baum sehen. Also muss zumindest die Spitze von der Empore aus zu sehen sein", erklärt der Pfarrer.

Eine Ehrensache

Um ein solch stattliches Exemplar heranzuschaffen und aufzustellen, gibt es in Kirchleus einen Helferkreis Weihnachtsbaum. Am Samstag vor Heiligabend ziehen Männer hinaus in die Christbaumkultur von Markus Münch. Dort suchen sie einen Prachtbaum aus, den Münch kostenlos zur Verfügung stellt. Für ihn eine Ehrensache im Dienste der Gemeinschaft.

Dass es am Fälltag schneit und der Boden glatt und glitschig ist, macht den hartgesottenen Experten nichts aus. Markus Münch hat die Motorsense mitgebracht. "Da oben ist eine Blaufichte, was ganz Besonderes", sagt er. Prächtig, schlank, makellos ragt er in den Himmel.

Pythagoras hilft

"Wenn ich die Höhe mit Pythagoras überschlage, ist der groß genug", sagt Wolfgang Passing, der Vertrauensmann der Kirche. Über neun Meter dürften es sein. "Wir können dann sogar unten noch ein bisschen was abnehmen", sind sich die Männer einig. Denn der untere Kranz ist ein bisschen zu breit und auch schon ein bisschen bräunlich.

"Wir müssen aber aufpassen, dass nichts abbricht. Denn es ist schon sehr kalt", wissen die Helfer. Und dann geben sie Markus Münch das Signal, dass er die Säge ansetzen kann. Mit geübten Schnitten geht der Christbaumexperte ans Werk. Der Baum fällt nicht krachend zu Boden, die kirchlichen Christbaumbeauftragten legen ihn vielmehr ganz sanft auf die schneebedeckte Erde. "Der Baum wiegt mindestens 430 Kilo", schätzen die Männer.

Sie haben Spanngurte und Holztragehilfen vorbereitet. Denn jetzt gilt es, den Baum aus dem Wald zu bugsieren. Mit purer Muskelkraft. Mit einem Traktor fahren sie die Blaufichte nach Kirchleus. Dort wartet die nächste Herausforderung. Denn die Kirche ist nur durch eine lange Treppe zu erreichen. Eigentlich ist der Aufgang viel zu schmal. Aus diesem Grund werden die Äste zusammengebunden. Nichts darf abbrechen.

Zentimeterarbeit

Die schmiedeeiserne Eingangstür zum Kirchen- und Friedhofsareal ist die nächste Hürde. Die Männer müssen den Riesen-Christbaum geradeaus durch das Nadelöhr bugsieren, klettern dazu über Hecken. Es ist Zentimeterarbeit. Schließlich ist der Stamm fast durch - die Spitze wird leicht abgewinkelt. "Es geht, es geht", geben die hinteren Träger Entwarnung, und auf den angestrengten Gesichtern erscheint ein Lächeln.

Jetzt ist der Weg ins Gotteshaus frei. Dort hängen sie den Baum in einer eigens angefertigten Halterung ein, damit er sicher steht. Und dann kann das Helferteam rund um Mesnerin Marion Schmidt, Peter Schmidt, Klaus Trotzke und Thomas Sommer seines Amtes walten. "Wir haben drei Lichterketten und behängen den Baum mit roten Kugeln und Strohsternen", verrät Marion Schmidt. Doch erst muss sie wischen und kehren. Immer wieder. Denn der Baum tropft, verliert all den Schnee, der sich auf den Nadeln und Zweigen gesammelt hat.

Stundenlang dauert das Anhängen. "Ich muss das mit einem Stecken machen. Es kann schon passieren, dass mal eine Kugel durch die Kirche fliegt. Aber eigentlich geht es ganz gut", sagt die Mesnerin.

Eine Augenweide

Stolz sind die Kirchleuser auf ihren besonderen Christbaum allemal. Auch nach dem Stutzen bringt es die Blaufichte noch auf eine Höhe von 7,24 Metern. Und mit seinen roten Kugeln und den handgefertigten Strohsternen ist er eine Augenweide.

Jetzt hofft Pfarrer Schmidt nur, dass alle, die den prächtigen Baum aus heimischem Anbau erblicken, die Mühe zu würdigen wissen, die sich die Kirchleuser gemacht haben, und sich von ganzem Herzen freuen.

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