Untersteinach

Kirchengemeinde Untersteinach: Singen und Beten in der Natur

Die Untersteinacher Kirchengemeinde lädt zu einem Osterspaziergang ein. Damit soll der alte Brauch des Emmaus-Gangs wiederbelebt werden.
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Vorbereitung für den Osterspaziergang der evangelischen Kirchengemeinde St. Oswald in Untersteinach: Lektorin Bärbel Zeller, Pfarrer Martin Fleischmann und Hans Auer (von links), der mit der Gitarre für die musikalische Begleitung sorgen wird, am Ufer der Steinach.Foto: Katrin Geyer
Vorbereitung für den Osterspaziergang der evangelischen Kirchengemeinde St. Oswald in Untersteinach: Lektorin Bärbel Zeller, Pfarrer Martin Fleischmann und Hans Auer (von links), der mit der Gitarre für die musikalische Begleitung sorgen wird, am Ufer der Steinach.Foto: Katrin Geyer

Still und friedlich ist es an diesem Vormittag am Ufer der Steinach. Das Wasser plätschert, die Vögel singen. Man sollte einfach ein paar Minuten stehenbleiben, schweigen, lauschen.

Genau dazu will die Kirchengemeinde Untersteinach animieren und lässt am Ostermontag eine alte Tradition wieder aufleben: Den Emmaus-Gang. In vielen Gemeinden wird dieser Brauch gepflegt (siehe Artikel "Emmaus-Gang: der biblische Hintergrund"). Die Auferstehung ist dabei das große Thema. Aber auch das Wiedererwachen der Natur nach einem langen Winter.

"Wir wollen die Menschen dazu bringen, einmal ganz bewusst auf die Geräusche der Natur zu hören", sagt Bärbel Zeller, Lektorin in der evangelischen Kirchengemeinde St. Oswald, die gemeinsam mit Pfarrer Martin Fleischmann (Guttenberg) den Spaziergang am Ostermontag organisiert.

Ein frühlingshafter Spaziergang soll das werden, sagen beide, abseits der Straße im Tal der Steinach. Von der Christuskirche in Stadtsteinach zur Kirche St. Oswald in Untersteinach soll der Spaziergang führen, der so angelegt ist, dass die ganze Familie mitgehen kann.

Unterwegs werden die Spaziergänger immer wieder Halt machen, werden singen, beten - oder einfach schweigen.

"Unser Spaziergang ist kein Gottesdienst im eigentlichen Sinn", sagt Pfarrer Martin Fleischmann. "Wir wollen Bewusstsein wecken für die Natur und zur Achtsamkeit der Natur gegenüber anregen."

Nach rund eineinhalb Stunden Spaziergang soll dann in der Untersteinacher Kirche gemeinsam das Abendmahl gefeiert werden. Und wer mag, kann auch noch im Kantorat zu Mittag essen.

Eingeladen ist jeder und jede: "Wir sind", so Martin Fleischmann, "offen für alle."

Emmausgang Treffpunkt ist am Ostermontag um 10 Uhr an der Christuskirche in Stadtsteinach. Von dort geht es auf dem Radweg zu Fuß zur Kirche St. Oswald in Stadtsteinach. Die Strecke ist etwa 5 Kilometer lang und kinderwagentauglich.

Fahrgemeinschaften organisiert das Evangelische Pfarramt Untersteinach, Telefon 09225/208.

Mittagessen Nach dem Abschluss in der Kirche besteht im Kantorat die Gelegenheit zum MIttagessen. Bei Regen findet um 10 Uhr ein Gottesdienst in der Untersteinacher Kirche statt.

Der biblische Hintergrund

Emmaus ist ein im Lukasevangelium erwähnter Ort in der Nähe von Jerusalem, aus dem Kleopas, ein Jünger Jesu, stammte. Lukas berichtet (Lk 24,13-35 EU), Kleopas und ein weiterer Jünger seien am Tag nach Pessach in niedergeschlagener Stimmung von Jerusalem nach Emmaus gegangen und dabei dem auferstandenen Jesus begegnet, ohne ihn jedoch zu erkennen.

Der unbekannte Begleiter habe ihnen im Gespräch die Schrift ausgelegt und erklärt, das Leiden des Messias sei gemäß den Verheißungen der Propheten notwendig gewesen. In Emmaus angekommen, luden sie den Reisebegleiter ein, die Nacht über bei ihnen zu bleiben. Beim Abendmahl, als er das Brot brach, hätten sie in ihm den auferstandenen Jesus erkannt, der gleich darauf entschwand.

Ein alter Brauch

Daraufhin seien sie noch am selben Abend nach Jerusalem zurückgelaufen, um den Aposteln und den anderen Jüngern von der Begegnung zu berichten.

Der Emmausg-Gng ist ein christlicher Brauch, der vor allem in Süddeutschland und Österreich gepflegt wird in Erinnerung an die im Lukasevangelium beschriebenen Ereignisse. Ausgeführt wird der Emmaus-Gang als ein geistlicher Gang mit Gebet und Gesang oder auch nur als als ein besinnlicher Spaziergang am frühen Morgen des Ostermontags.

Sicher belegt ist es nicht, aber vermutlich hat sich die Tradition des Osterspaziergangs aus dem Emmaus-Gang entwickelt.

Das berühmte, gleichnamige Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe ("Vom Eise befreit sind Strom und Bäche...") beschreibt einen solchen Spaziergang. Der Dichterfürst hat sich die Anregung dafür aber vermutlich beim "Wäldches-Tag" geholt, der in seiner Geburtsstadt Frankfurt immer am Dienstag nach Pfingsten begangen wird.

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