Presseck
Instandhaltung

Kirchenbrot soll Decke stabilisieren

Für den Erhalt der Dreifaltigkeitskirche in Presseck ist die Kirchengemeinde auf Spenden angewiesen. "Grünwehrbeck" Sebastian Groß spendet auf seine Art.
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"Grünwehrbeck" Sebastian Groß macht einen Laib Pressecker "Kirchenbrot" zum Backen fertig.Klaus Klaschka
"Grünwehrbeck" Sebastian Groß macht einen Laib Pressecker "Kirchenbrot" zum Backen fertig.Klaus Klaschka
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Seit Ostern gibt es in den Filialen des "Grünwehrbeck" jeden Dienstag für mindestens ein Jahr ein "Kirchenbrot", bei dessen Erwerb jeweils 60 Cent für die Instandhaltung der Pressecker Kirche abgeführt werden. Schließlich muss die Kirchengemeinde für den Erhalt der Dreifaltigkeitskirche selbst 175 000 Euro als Eigenanteil beitragen.

Die Kirche soll zwar nicht in neuem Glanz auferstehen, soll aber unbedingt in ihrem jetzigen Zustand erhalten werden. Denn für eine protestantische Kirche ungewöhnlich, hat das Gotteshaus prächtige Malereien von der Decke bis zu den Brüstungen der Emporen und große Fresken im Altarraum. Die Fresken werden auf das Jahr 1512 datiert, die weiteren Malereien auf 1648. Die Wandmalereien waren bereits überstrichen und wurden 1948 wieder freigelegt. Die Bemalung der Decke auf Holzbohlen wurde mit Kaseinfarben - das ist im Prinzip Quark mit Farbpigmenten - angefertigt, die ausgesprochen lange halten. Sie musste in den vergangenen 370 Jahren nie renoviert werden. Auch jetzt nicht. Sie zeigt in vielen Einzelbildern die wesentlichen Ereignisse, die in der Bibel beschrieben sind.

Stabilität gefährdet

Laut Pfarrer Siegfried Welsch waren diese Bilder entstanden, um den Christen in früheren Zeiten die Bibel konkret vor Augen zu führen, denn lesen konnten damals nur die Wenigsten. Auch wenn die Malereien nicht renovierungsbedürftig sind, so ist der Untergrund aus einfachen Holzbohlen mittlerweile geschrumpft. Zwischen den Brettern enstanden so Lücken, die man von unten im Kirchenschiff zwar nicht sieht, die aber die Stabilität des ganzen Gewölbes in Frage stellen, wie Martina Schwarz erklärt.

Die diplomierte Ingenieurin, Innenarchitektin und Master of Arts der Denkmalpflege ist mit der Planung und Organisation der Instandhaltung beauftragt. Auch muss der Außenputz teilweise renoviert werden. Ein Netz an der Nordwestseite des Turms wurde vor über einem Jahr angebracht, damit niemand von herabfallendem Material zu Schaden kommt.

Kosten bei 1,5 Millionen Euro

Die Pressecker evangelische Kirche ist wegen ihrer einmaligen Bemalung offiziell als Bauwerk "von nationaler Bedeutung" eingestuft. Der Erhalt in ihrem jetzigen Zustand soll nach einer ersten Schätzung 1,5 Millionen Euro kosten, sofern sich keine weiteren Überraschungen auftun, wenn man das Gewölbe vom Dach her öffnet. Die Hälfte der Sanierungskosten wird aus dem Entschädigungsfonds des Landesamtes für Denkmalpflege bestritten. Die zweite Hälfte teilen sich verschiedene Geldgeber wie die Evangelische Landeskirche oder der Dekanatsbezirk.

Um den Eigenanteil der Kirchengemeinde von gerade mal 700 Gemeindegliedern zusammenzutragen sucht Pfarrer Welsch Mitstreiter. Und hat dazu auch Sebastian Groß gewonnen. Der ist selbst zwar katholisch und seine Backstube ist in Kulmbach, aber die Familie Groß stammt ursprünglich aus Presseck. Als Beitrag zur Finanzierung hat Sebastian Groß nun ein Brot rezeptiert: "Weizen, Roggen, Dinkel, hausgemachter Sauerteig und etwas Gewürze. Nicht zu viele Gewürze, so dass man es zu allem essen kann, hat man mir gesagt", berichtet Groß, knetet jeden Dienstag in aller Herrgottsfrühe die Rohlinge noch einmal durch, formt sie länglich und legt sie zum Gehen lassen in traditionelle Brotformen. Oben auf setzt er jeweils ein exakt ausgestochenes Kreuz auf dem gleichen Brotteil.

Die 750-Gramm-Laibe wurden zuerst beim gemeinsamen Frühstück nach der Feier der Osternacht im Pressecker Paul-Gerdhard-Heim probiert und für sehr gut befunden. Die erste Lieferung war in den Filialen bis Mittag bereits weg, so dass Groß das Kontingent mittlerweile aufstocken musste.

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