Melkendorf
Traumgarten AG

Kinder helfen den Wildbienen

Die Melkendorfer Grundschüler wollen etwas für bedrohte Insekten tun. Sie bauen gemeinsam mit dem Gartenbauverein Windischenhaig Nisthilfen im XXL-Format.
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Jonas Hansl, Sebastian Czech, Paul Zenker und Patrick Isert  bohren souverän die künftigen Behausungen für Wildbienenlarven.Dagmar Besand
Jonas Hansl, Sebastian Czech, Paul Zenker und Patrick Isert bohren souverän die künftigen Behausungen für Wildbienenlarven.Dagmar Besand
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Schilf, Bambus, Stroh, markhaltige und hohle Pflanzenstängel, Reisig, Baumscheiben, Kiefern- und Tannenzapfen - das Material türmt sich auf den Tischen im Werkraum der Schule Melkendorf. Die Dritt- und Viertklässler der Schulgarten AG sind fleißig bei der Arbeit. Ihr Ziel ist ein schönes großes Insektenhaus für den Schulgarten, den sie mit tatkräftiger Unterstützung der örtlichen Gartenbauvereine, der Stadt, einiger Eltern und der Aktion "Die Traumgarten AG" der Bayerischen Rundschau in den vergangenen Monaten komplett neu gestaltet haben.


Die Begeisterung hält an

Gemeinsam haben wir seit dem Frühjahr viel geschafft: Wir haben Blumenterrassen und ein Beerenbeet angelegt, Kräuter und Gemüse angebaut und geerntet, Obstbäume gepflanzt. Und noch immer sind die Kinder mit großem Enthusiasmus bei der Sache.
Einige Vierklässler sind jetzt schon im zweiten Schuljahr dabei, etliche Schüler sind neu in unsere AG gekommen. Während es draußen ungemütlich kalt und regnerisch ist, wird drinnen am aktuellen Artenschutz-Projekt gearbeitet. Dabei bekommen die Kinder Hilfe vom Gartenbauverein Windischenhaig: Dessen Mitglieder haben das Grundgerüst des Insektenhotels gebaut und der Schule geschenkt.
Für die Befüllung sind die Kinder selbst zuständig. Imkerin Heike Engel und Vorsitzender Michael Tröglen leiten sie an und erklären, worauf sie achten müssen, damit Wildbienen und andere Insekten optimale Bedingungen vorfinden.
Vorgefertigte Kästen aus unbehandeltem Holz, wie man sie in jedem Baumarkt kaufen kann, erleichtern den Kindern die Arbeit. Jedes Kästchen wird zu einem Zimmer im Insektenhaus, und jedes Kind bestückt seinen Kasten mit anderen Materialien.
Als potenzielle Bewohner kommen verschiedene Arten infrage. Vor allem die Auswahl des Füllmaterials spielt dabei eine wichtige Rolle, wer sich im Insektenhotel wohlfühlt. Je größer die Auswahl, desto attraktiver die Unterkunft.


Glatt und sauber

Eine wichtige Lektion vermittelt Heike Engel den Kindern gleich zum Start: Sorgfalt! Die Kanten der Bohrlöcher im Holz müssen schön glatt geschmirgelt werden, Bambusstäbe und Ästchen gerade abgeschnitten werden. An zerfaserten Kanten könnten sich die Wildbienen verletzen.
Die rote Mauerbiene ist meist die erste Art, die sich in einem Insektenhaus einnistet. Sie ist bei der Quartiersuche recht flexibel und nutzt Schilfhalme ebenso wie in Holz gebohrte Löcher.
Andere Bienenarten legen ihre Brut ausschließlich in Röhren, die in Holz gebohrt sind. Die Löcherbiene ist eine dieser Arten. Ähnlich halten es die Scherenbiene, die Maskenbiene und die Blattschneiderbiene. Heike Engel zeigt den Kindern, wie sie mit der Bohrmaschine Löcher in den richtigen Größen bohren. Jonas Hansl, Sebastian Czech, Paul Zenker und Patrick Isert machen sich in Zweierteams über die Holzblöcke und Baumscheiben her und bohren souverän die künftigen Behausungen für zahlreiche Wildbienenlarven. Dabei achten sie darauf, die Löcher nicht zu dicht nebeneinander zu bohren, damit keine Risse im Holz entstehen. Dadurch würde die Nisthöhle für die Bienen unbrauchbar.
Blattschneiderbienen und viele weitere Insektenarten lieben morsches Holz. Darin nisten sie am liebsten, ebenso wie die blaue Holzbiene und die Pelzbiene. Deshalb wird ins Melkendorfer Insektenhaus auch Totholz integriert. Weitere Bienenarten werden sich über die markhaltigen Pflanzenstängel ins Insektenhaus locken lassen. In den Stängeln legen diese Bienenarten gerne ihre Brutkammern an. Für eine reiche Auswahl sorgen Sophie Herold und Luna di Mitri in ihrem Holzkasten.


Fleißige Schädlingsbekämpfer

Willkommen im Melkendorfer Quartier sind auch Käfer, Fliegen, Falter und Schmetterlinge. Marienkäfer und Florfliegen beispielsweise sind Insektenarten, die in der biologischen Schädlingsbekämpfung unverzichtbar sind. Marienkäfer fressen Spinnmilben und Blattläuse - zur Freude jedes Gärtners. Florfliegen ernähren sich ebenfalls von verschiedenen Läusen. Und auch Ohrwürmer kann man gar nicht genug im Garten haben: Diese lieben Stroh und bekommen von Fynn Stolarz und Jonas Gack eine gute Stube eingerichtet.
Ein Teil des neuen Insektenhauses ist nach dem ersten Arbeitseinsatz so gut wie bezugsfertig. Doch bis alle Zimmer eingerichtet sind, wird es noch zwei bis drei Wochen dauern. Es soll schließlich alles perfekt sein.
Ein grobmaschiges Drahtgitter wird die Insekten vor hungrigen Vogelschnäbeln schützen. Schon im Frühjahr werden die Kinder dann sehen können, ob sich ihre Mühe gelohnt hat und erste Wildbienen, Fliegen und Käfer eingezogen sind.
In der Zwischenzeit werden die Schüler mit ihrer Lehrerin Ellen Domann die kommende Gartensaison vorbereiten, denn der Schulgarten soll noch schöner werden. Die Traumgarten AG der Bayerischen Rundschau wird sie weiter dabei begleiten.


Nisthilfen für Insekten kann jeder mit ein wenig Geschick selbst bauen. Anleitungen und Anregungen dafür finden Sie beim Bund Naturschutz und bei Naturtipps.

Hier geht es zu allen bisherigen Aktionen der Traumgarten AG.


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