Kulmbach

Keine Zeit mehr für Höflichkeit?

Hauptsache schnell, die Form ist Nebensache. Bei der elektronischen Kommunikation bleibt der gute Ton leider oft auf der Strecke.
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Handschriftliche Briefe sind ein Kommunikationsweg, der nach und  nach verschwindet. Und doch haben sie einen besonderen Charme in einer Zeit, in der schnelle elektronische Post und Kurznachrichten-Dienste dominieren. Symbolfoto: Monika Skolimowska/ZB/dpa
Handschriftliche Briefe sind ein Kommunikationsweg, der nach und nach verschwindet. Und doch haben sie einen besonderen Charme in einer Zeit, in der schnelle elektronische Post und Kurznachrichten-Dienste dominieren. Symbolfoto: Monika Skolimowska/ZB/dpa

Grüß Gott und Aufwiedersehen, bitte und danke - von klein auf wurde mir beigebracht, dass gute Manieren das Fundament eines guten Miteinanders sind. Für diese Schule meiner Eltern bin ich sehr dankbar: Ein paar nette Worte kosten nichts und machen das Leben so viel angenehmer!

Leider sehen das in Zeiten der Online-Kommunikation manche Menschen offenbar anders. Schnell muss es gehen, kurz und knapp. Da bleibt die Freundlichkeit gelegentlich auf der Strecke. Besonders auffällig ist das bei schriftlicher Kommunikation: Hingeschlamperte Emails ohne Anrede und Gruß empfinde ich als abstoßend, lese sie nur widerwillig. Und am liebsten würde ich dem Absender-Ork gar nicht antworten.

Klar: Bei Kurznachrichten per SMS oder WhatsApp darf es spartanisch zugehen. Das geht es um schnelle Infos, fix, schnörkellos. Eine Email betrachte ich dagegen wie einen Brief früherer Zeiten. Ausschweifendes Geschwafel braucht es nicht, aber ein wenig Wertschätzung für den Adressaten sollte doch selbstverständlich sein.

Das ruppige Kurzangebundensein schlägt nämlich oft auch auf persönliche Begegnungen durch, wo mancher ebenso grußlos zur Sache kommt. Nach einigen befremdlichen Begegnungen dieser Art, war ich dann vor ein paar Tagen sehr positiv überrascht, als ich zwei Schulkinder traf, die mir in meiner früheren Heimatstadt Stadtsteinach auf der Straße ein fröhliches "Grüß Gott" entgegenriefen, obwohl sie mich nicht kennen.

Und dann durfte ich mich zu Hause gleich noch einmal freuen: Über einen handschriftlichen (!) Brief im Postkasten, von einem langjährigen Freund, mit Tinte und Feder sorgfältig auf feines Briefpapier geschrieben. Alte Schule bis ins Detail. Liebenswürdig. Nachahmenswert.

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