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Neuenmarkt
Flüchtlinge

Keine weiteren Asylsuchenden nach Neuenmarkt

Nach Neuenmarkt werden auf absehbare Zeit keine weiteren Asylbewerber kommen. Denn seitens der Regierung von Oberfranken ist derzeit nicht geplant, weitere Flüchtlinge in der Eisenbahnergemeinde unterzubringen.
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Das Tor bleibt zu: Ins Haus Ruth kommen wohl auf absehbare Zeit keine weiteren Flüchtlinge und Asylsuchenden. Foto: Archiv/Jürgen Gärtner
Das Tor bleibt zu: Ins Haus Ruth kommen wohl auf absehbare Zeit keine weiteren Flüchtlinge und Asylsuchenden. Foto: Archiv/Jürgen Gärtner
"Es gibt also keine Pläne für den Ausbau des zweiten Hauses", sagte der Pressesprecher der Diakonie Hensoltshöhe, Timotheus Hübner, auf Nachfrage von inFranken.de. In einem Gebäude auf dem Gelände von Haus Ruth leben zurzeit rund 50 Asylbewerber.

Pläne für die Schublade

Dennoch ist die Diakonie dabei, die Umbaukosten für das Haus Ruth zu einer Asylunterkunft zu ermitteln (vor allem mit Blick auf den Brandschutz). Denn sollten sich die Umstände ändern, wolle man gegebenenfalls weitere Plätze anbieten können, so Hübner. "Im Moment hat die Regierung aber keinen Bedarf angemeldet." Und ohne entsprechende Signale aus der Politik werde das Gebäude nicht umgebaut. "Das wäre natürlich Quatsch."

Der Kinderhort, der bislang im Haus Ruth war, ist schon ausgezogen und nun im Kindergarten untergebracht.
"Der Vertrag ist gekündigt, das Haus steht erstmal leer. Das ist schade um das tolle Gebäude", bedauert der Pressesprecher der Diakonie.

Wie viele Asylbewerber und Flüchtlinge eine Gemeinde der Größenordnung von Neuenmarkt aufnehmen kann, kann Hübner nur schwer abschätzen. Zumal das auch eine subjektive Empfindung sei. "Als Nicht-Neuenmarkter ist es schwer, da etwas zu sagen." Wichtig für ein gutes Miteinander sei die Unterstützung der Flüchtlinge durch die Bevölkerung. "Ich bin begeistert davon, was an ehrenamtlicher Arbeit in der Gemeinde geleistet wird", stellt er fest. Und wenn die Bevölkerung das Gefühl habe, dass die Flüchtlinge nicht sich selbst überlassen sind, wirke sich das natürlich positiv aus.

Auf der anderen Seite würde er sich mehr Beratung durch Fachkräfte wünschen. "Das ist zu wenig." Es dürfe nicht alles auf die Ehrenamtlichen abgewälzt werden, "sonst fühlen sie sich schnell überfordert".

Dass es derzeit nicht geplant ist, weitere Flüchtlinge in Neuenmarkt unterzubringen, bestätigt der Pressesprecher der Regierung von Oberfranken, Oliver Hempfling. Er verweist auf einen Ortstermin mit Präsident Wilhelm Wenning, bei dem sich dieser für eine gleichmäßige Verteilung der Asylsuchenden ausgesprochen habe. "Neuenmarkt ist hier schon gut ausgestattet, deshalb steht die Nutzung des zweiten Gebäudes nicht zur Disposition."

Zahlen werden wohl steigen

Die Zahl der Flüchtlinge sei aber nicht gesunken, sondern werde wohl noch zunehmen, erklärt Hempfling weiter. "Im Schnitt werden uns 150 Personen in der Woche aus Zirndorf zugewiesen - Tendenz steigend." Dennoch sieht er für den Landkreis keine Probleme. "Wir sind gut gerüstet und gerade dabei, mit der Unterkunft in Mainleus fertig zu werden."

Im Landkreis leben derzeit 126 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften. Dezentral untergebracht sind 173 Personen. Hinzu kommen noch die am Hundsanger in Kulmbach untergebrachten 43 syrischen Kontingentflüchtlinge. Insgesamt hat der Landkreis Kulmbach 2014 etwas mehr Asylbewerber aufgenommen, als es nach der Asyl-Durchführungsverordnung vorgesehen ist.

"Die Nachricht, in Neuenmarkt keine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber einzurichten, nehmen wir mit Genugtuung zur Kenntnis. Wir haben in Neuenmarkt 65 bis 70 Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber", erklärte Bürgermeister Siegfried Decker (NG). Die Gemeinde und der ehrenamtliche Helferkreis "Asylarbeit CAS - come and see - Neuenmarkt" zeigten viel Engagement für die Flüchtlinge. "Wir helfen den Neuankömmlingen bei Alltagsproblemen, bei Arztbesuchen, Behördengängen und dem Deutschunterricht." Der Helferkreis vermittle Sachspenden. Die Gemeinde unterstütze die ehrenamtlichen Helfer finanziell, mit Gemeinderat Ulrich Stelter stelle man einen Integrationsbeauftragten.

Decker betont: "Es geht ja nicht nur um die Unterbringung, sondern auch um Integration. Denn die Menschen aus Syrien und dem Irak können voraussichtlich nicht in ihre Heimat zurückkehren. Bei uns können bis jetzt Einheimische und Flüchtlinge gut miteinander leben. Wir möchten, dass das so bleibt. Deshalb finden wir es gut, wenn die Diakonie in Gunzenhausen und die Regierung keine weiteren Gemeinschaftsunterkünfte in Neuenmarkt planen. Eine weitere Einrichtung würde unsere Möglichkeiten, bei der Integration zu helfen, deutlich überfordern." Die Gemeinde sei bereit, in Einzelfällen bei der dezentralen Unterbringung zu helfen.

Decker freut sich zudem, dass die Bemühungen in der Flüchtlingsarbeit bei einem Empfang der Regionalbischöfin Dorothea Greiner Anerkennung gefunden haben.
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