Kulmbach
Einkaufszentrum

Kaufland: Am 31. August ist Schluss

Kaufland schließt Ende des Monats die Kulmbacher Filiale. Was wird aus den Mitarbeitern? Was passiert mit der 5000 Quadratmeter großen Fläche? Kommt wieder ein Lebensmittelhändler ins Fritz? Es gibt viele Fragen.
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Da gab es noch Hoffnung: Im Juni 2018 richteten die Kaufland-Mitarbeiter den Appell an die Firmenzentrale, an der Filiale im Fritz festzuhalten. Auch Oberbürgermeister Henry Schramm, hier im Gespräch mit Gesamtbetriebsratsvorsitzender Gabriele Wolf, hat sich für die Filiale und die Beschäftigten eingesetzt, von denen sich viele inzwischen schon beruflich anderweitig orientiert und Kaufland verlassen haben. Foto: Archiv/Alexander Hartmann
Da gab es noch Hoffnung: Im Juni 2018 richteten die Kaufland-Mitarbeiter den Appell an die Firmenzentrale, an der Filiale im Fritz festzuhalten. Auch Oberbürgermeister Henry Schramm, hier im Gespräch mit Gesamtbetriebsratsvorsitzender Gabriele Wolf, hat sich für die Filiale und die Beschäftigten eingesetzt, von denen sich viele inzwischen schon beruflich anderweitig orientiert und Kaufland verlassen haben. Foto: Archiv/Alexander Hartmann
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Noch 23 Tage, dann wird im Kaufland das letzte Mal die Kasse klingeln: Am 31. August ist Schluss, dann schließt die Einzelhandels-Kette, die ihren Sitz in Neckarsulm (Baden-Württemberg) hat, die Kulmbacher Filiale.

Seit 1999 im Fritz

Bei den Beschäftigten wie auch den Kunden sei schon Wehmut zu spüren, sagt Hausleiter Dominik Lechner, der erst seit zwei Jahren in Kulmbach ist, aber Mitarbeiter kennt, die seit der Eröffnung des Einkaufszentrums im Jahre 1999 für Kaufland im Fritz gearbeitet haben.

Was aus der Belegschaft wird, der überwiegend Frauen angehören? Im September 2018 hatte Paul Lehmann von der Gewerkschaft ver.di Oberfranken Ost erklärt, dass es in konstruktiver Zusammenarbeit gelungen sei, einen Interessenausgleich und einen Sozialplan zu erarbeiten, mit dem soziale Nachteile abgefedert werden könnten. Die Vereinbarungen, die mit der Kaufland-Zentrale getroffen wurden, lagen demnach deutlich über dem, was branchenüblich ist.

Die Enttäuschung ist groß

Gut 55 Beschäftigte zählte Kaufland damals. Heute arbeiten im Fritz noch etwa 35. Einige hätten sich schon einen anderen Arbeitgeber gesucht, andere würden Fortbildungskurse besuchen oder in Rente gehen, teilt Hausleiter Dominik Lechner mit, der keinen kennt, "der auf der Straße landet". Die Enttäuschung, dass die Filiale geschlossen wird, sei aber nach wie vor groß. Auch bei den Kunden, "die uns immer wieder sagen, wie sehr sie das bedauern".

"Das wäre wünschenswert"

Wie der Filialleiter erläutert, hat das Kulmbacher Einkaufszentrum nicht mehr in das Unternehmens-Konzept gepasst. Lechner wünscht dem Fritz aber dennoch, dass auf Kaufland ein neuer Lebensmittelhändler folgt. "Das wäre sinnvoll und für das Fritz wünschenswert."

Dass der Eigentümer der Immobilie, die Futura Vermögensverwaltungsgesellschaft, auf der Suche nach einem neuen Lebensmittelmarkt ist, das sagt Centermanagerin Anja Curioso Naiaretti, die weiß, dass dieser nicht mehr die komplette, 5000 Quadratmeter große Kaufland-Fläche einnehmen würde.

Umbau steht bevor

Die wird es künftig ohnehin nicht mehr geben, denn die Futura plant einen millionenschweren Umbau. Eine über 6500 Quadratmeter große Fläche soll modernisiert, in mehrere Teilbereiche untergliedert werden. Das hatte Futura-Sprecher Maarten Koorn Ende 2018 erklärt. Eine neue Rolltreppe soll künftig auch für eine direkte Verbindung des Parkhauses mit seinen über 900 Stellflächen zu den Geschäften im Erdgeschoss sorgen. Der Umbau wird aber wohl erst erfolgen, wenn es neue Mieter gibt.

Auch Maarten Koorn hatte einen Lebensmittelmarkt als wünschenswert für die Innenstadt bezeichnet, gerade auch mit Hinblick auf den Uni-Campus, der auf dem Güterbahnhofsareal entsteht. Zum Kaufland-Aus ein Kommentar von Alexander Hartmann

Kulmbach verliert

ald sind die Schotten dicht: Kaufland schließt in wenigen Tagen seine Filiale in Kulmbach und reißt damit eine Lücke, die Mitarbeiter, Kunden, ja die ganze Einkaufsstadt trifft, verliert diese doch den letzten Lebensmittel-Markt im Zentrum. Zu spüren bekommen werden das vor allem die Kulmbacher, die über keinen eigenen fahrbaren Untersatz verfügen. Nudeln und Nutella kaufen und dann mal schnell in den Bus am ZOB einsteigen, das ist ab September nicht mehr drin. Ob das Fritz mit dem geplanten Umbau wieder eine Lebensmittelkette gewinnen kann? Wünschenswert wäre es, vielleicht auch lohnenswert, wird es mit Blick auf den Uni-Campus, der auf dem Güterbahnhofsareal entsteht, und dem Grünen Zentrum auf dem Spinnereigelände doch sicherlich neue Kundschaft geben.

Wer in der Innenstadt wohnt und Lebensmittel einkaufen will, der hat ansonsten als nächste Einkaufsmöglichkeit den Real und die Märkte in der Ruckdeschel-Straße. Real hofft, vom Kaufland-Aus zu profitieren, wirbt mit dem Slogan "Kaufland geht. Das Gute bleibt". Ein gewagter Spruch, ist die Zukunft der Real-Märkte, die die Metro-Gruppe abstoßen will, doch selbst ungewiss.

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