Kulmbach
Zunft

Kaspar ist ein echter "Glücksfall" für die Kulmbacher Kommunbräu

In der Kulmbacher Kommunbräu arbeitet derzeit ein 23-jähriger Brauergeselle auf der Walz.
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Bis Ende August arbeitet in der Kommunbräu ein Brauer auf der Walz mit. Für Braumeister Alexander Matthes (rechts) ist die Zusammenarbeit mit Kaspar "ein Glücksfall". Klaus Klaschka
Bis Ende August arbeitet in der Kommunbräu ein Brauer auf der Walz mit. Für Braumeister Alexander Matthes (rechts) ist die Zusammenarbeit mit Kaspar "ein Glücksfall". Klaus Klaschka

"Er hat eines Tages einfach an die Tür der Kommunbräu geklopft", erinnert sich Braumeister Alexander Matthes. Er, das ist "Kaspar frd. Brauer und Mälzer V. L. E." - so jedenfalls weist sich der 23-Jährige aus. Das Besondere: Kaspar ist Brauer und Mälzer mit abgeschlossener Gesellenprüfung und befindet sich zurzeit auf der Walz.

Für drei Jahre und mindestens einen Tag hat er Familiennamen und Herkunft abgelegt, zieht über die Lande, klopft bei Brauereien an, ob sie nicht gerade einen Brauer brauchen. Für maximal drei Monate darf sich der Zunftbruder dann bei einem Arbeitgeber verdingen. Danach muss er weiterziehen.

Ursprung im Mittelalter

So lautet die Ordnung der "Vereinigten Löwen Europas (V.L.E.)". Die zünftige Ordnung ist immaterielles Weltkulturerbe mit Ursprung im Mittelalter. Kaspar ist einer von derzeit in ganz Deutschland nur vier Brauern auf der Walz.

Für zwei Monate hat ihn die Kommunbräu angestellt. "Gerade beim Altstadtfest haben wir ihn sehr gut brauchen können", sagt Matthes. "Überhaupt war es für ihn wie auch für uns ein Glücksfall."

Es sei für Brauer auf der Wanderschaft wohl schwierig, bei großen Brauereien von heute auf morgen beschäftigt zu werden. Ebenso bei kleineren Betrieben, die ja ihre Kosten scharf kalkulieren müssen, schätzt Matthes. Auch Brauer auf der Walz seien nach den üblichen Richtlinien zu entlohnen. Einen zusätzlichen Brauer einzustellen, sei auch für die Kommunbräu nicht ohne weiteres möglich.

"Extrem höflich und zuvorkommend"

Von einem "Glücksfall" spricht Matthes übrigens, weil ihn ein massives Rückenproblem plagte, als Kaspar anklopfte. Er selbst wäre für die Arbeit in der Produktion ausgefallen. Mit Kaspar als Brauer könne er sich nun aber wenigstens um die Organisation und Steuerung der Produktion kümmern.

Kaspar redet nicht viel. Er konzentriert sich ausschließlich auf seine Arbeit. Um sich selbst macht er keinerlei Aufhebens. "Er ist extrem höflich und zuvorkommend, und wenn er mit etwas fertig ist, fragt er nach weiterer Arbeit - das ist absolut nicht selbstverständlich", berichtet Matthes.

Nach einer Nacht im Freien ("Er hat in der Kleingartenanlage genächtigt") hat Kaspar inzwischen einen Raum für sich in der Kommunbräu. Vorstand und Aufsichtsrat haben ihr Einverständnis erklärt.

Handy ist tabu

In den Gesprächen mit seinem Mitarbeiter auf Zeit hat Matthes einiges über die zünftigen Regeln erfahren: Unter anderem, dass Kaspar nur in seiner Kluft auftreten darf. Dem trage man Rechnung, sagt Matthes, "soweit nicht gesetzliche Hygiene- oder Arbeitsschutzvorschriften anderes zwingend vorschreiben".

Während seiner Wanderschaft darf sich Kaspar bis maximal 50 Kilometer Entfernung seinem Heimatort in der Oberpfalz nähern. Handys sind nicht erlaubt. Per E-Mail sind die Zunftbrüder (und -schwestern) allerdings untereinander in Verbindung. Wohin Kaspar im September geht, ist noch offen.

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