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Kulmbach
Aktion

Kälber und Lämmer in der City

Die Landwirte aus der Region haben genug von öffentlicher Diffamierung. Deshalb brachten sie Bauernhoftiere mitten auf Kulmbachs Marktplatz.
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Lukas Schütz kennt jedes seiner Kälbchen und stieg bei der Aktion der Landwirte gerne mal zu ihnen ins Iglu. Er wehrt sich gegen die negative Darstellung der Bauern in der Öffentlichkeit.Sonny Adam
Lukas Schütz kennt jedes seiner Kälbchen und stieg bei der Aktion der Landwirte gerne mal zu ihnen ins Iglu. Er wehrt sich gegen die negative Darstellung der Bauern in der Öffentlichkeit.Sonny Adam
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Ganz entspannt liegen zwei Kälbchen in einem weißen Iglu: Landwirt Lukas Schütz aus Dörfles bei Buchau klettert über die Absperrung und zeigt, dass die beiden drolligen Geschöpfe ihn gut kennen. Die Kälbchen lassen sich streicheln und herzen. Sie sind kein bisschen scheu. Dann stehen sie auf, gehen aus dem Iglu heraus. Die Kinder aus Kulmbach nutzten die Gelegenheit, um den Kopf der Kälbchen zu kraulen, um das drahtige, ein bisschen lockige Fell auf dem Kopf zu fühlen. Und ein Mädchen zieht ihre Hand nicht weg, als das Kälbchen versucht, das Mädchen abzuschlecken. "Huch ist die Zunge rau", staunte die Kleine.

Auf dem Hof der Familie Schütz gibt es 140 Milchkühe. "Das heißt dann im Klartext, dass wir auch im Jahr 150 Kälbchen haben müssen. Ohne Kälbchen gibt es nun mal keine Milch", erklärt Schütz. Dass Lukas Schütz zwei Kälbchen auf den Kulmbacher Marktplatz gebracht hat, hat einfach etwas mit der Darstellung der Bauern in der Öffentlichkeit zu tun. "Wenn man sich klar macht, wie man dargestellt wird, wie die Verbraucher über die Bauern denken, dann fragt man sich manchmal, ob das überhaupt noch Sinn hat, was man tut", klagt er. Er wehrt sich gegen das Bauern-Bashing in der Öffentlichkeit. "Wir in Kulmbach haben eine kleinstrukturierte Landwirtschaft. Bei uns hat jede Kuh einen Namen, man kennt seine Tiere. Wenn wir in den Stall gehen, dann streicheln wir den Tieren auch mal über den Kopf, wir wollen, dass die Tiere es gut haben", sagt Schütz.

25 Aktivisten

"Wir sind die Fachleute. Wir wissen schon, was wir tun und wir wollen doch, dass die Tiere ihr Recht bekommen", fügt Alexander Eber, einer der Mitorganisatoren der Bauernhofaktion in Kulmbachs Innenstadt hinzu. Die heimischen Landwirte hängen Bilder aus Ställen von Nicht-EU-Landwirten auf, zeigten Milchkuhhaltung in Südamerika. Dort sind die Bestimmungen völlig anders, das Tierwohl hat einen anderen Stellenwert.

Mit 25 Aktivisten ist die Vereinigung "Land schafft Verbindung" auf dem Kulmbacher Marktplatz, doch noch viele weitere Landwirte haben sich auf den Weg gemacht. "Uns geht es darum, mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen, auf unsere Belange aufmerksam zu machen und den Sinn für Regionalität zu wecken", sagt Alexander Eber.

Er zeigt, wie viel eine Kuh pro Tag frisst: 46 Kilo Futter, dazu 80 Liter Wasser. Kinder lernen an einem Plastikeuter das Melken. "Wir wollen aber auch unsere Arbeitsgeräte schauen. Unsere Traktoren sind kein Spielzeug", so Eber.

Die Verbraucher haben größtenteils Verständnis für die Belange der Landwirtschaft. Daniel Kaßel aus Windischenhaig zeigte Legehühner und holte gerne mal ein Huhn aus dem Käfig, damit die Kinder es anfassen konnten. "Die Leute haben schon geschaut, ob wir auch Einstreu und Futter und Wasser dabeihaben. Aber bis jetzt haben wir nur positive Rückmeldungen", sagt Kaßel.

Mega-Güllefass dabei

Mit einem 16700 Liter fassenden Güllefass sind Martin Schamel aus Bayreuth und Dominik Pfändner aus Kleinhül auf dem Marktplatz. Die beiden Landwirte sind mit der neuen Düngeverordnung alles andere als einverstanden. Das Mega-Güllefass ist mit einem sogenannten Schleppschuh ausgestattet. Dieser ist schon jetzt vorgeschrieben, wenn Gülle auf bestelltes Ackerland ausgebracht werden soll. "Bis 2025 wird das auch für Grünland Pflicht. Aber bei Trockenheit löst sich die Gülle nicht auf, wir haben die Gülle dann getrocknet im Futter. Das wird schwierig, sauberes Futter zu kriegen", klagen die Landwirte.

Ein weiteres Problem sehen die beiden in der Aufzeichnungspflicht, die ab 2023 gelten soll. "Es gibt die Programme noch nicht, wir wissen noch nicht, wie alles ablaufen soll".

Bei den Einkaufswilligen und den vielen Menschen, die zum Frühlingsmarkt in die Kulmbacher Innenstadt gekommen waren, stieß die Aktion auf Zustimmung. Angekündigte Proteste von Tierschützern blieben aus. Die Landwirte haben allerdings auch kritische Stimmen aufgeschnappt. "Aber die, die solche Sachen sagen wie "Ach die armen Tiere", sprechen uns leider nicht direkt an, klagte Alexander Eber und hofft, dass die Aktion "Bauernhoftiere in der Stadt" dennoch Verständnis bei den Menschen für die Belange der Landwirte wecken konnte.