Kulmbach
Verkehr

Junge Taxi-Gäste zahlen am Wochenende in Kulmbach nur die Hälfte

Ab 16. November startet das FiftyFifty-Taxi-Projekt im Landkreis Kulmbach nach einer viermonatigen Testphase in den Echtbetrieb.
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Ulrich Müller, von der Taxi Union, und Markus Schoberth (rechts), der das Angebot künftig am Wochenende nutzen kann.Foto: Stefanie Gleixner
Ulrich Müller, von der Taxi Union, und Markus Schoberth (rechts), der das Angebot künftig am Wochenende nutzen kann.Foto: Stefanie Gleixner

Die meisten kennen diese Situation: Man ist mit seinen Freunden am Freitagabend in der Disco - und keiner ist mehr in der Lage, mit dem Auto nach Hause zu fahren. Es war zu viel Alkohol im Spiel. Dann geht das große Überlegen los, wie man dann am besten heimkommt. Die Eltern anrufen? - Eher nicht, die sind immer nicht so begeistert, nachts noch raus zu müssen. Mit dem Bus fahren? - Den gibt es mittlerweile nicht mehr. Also mit dem Taxi? - Aber das ist immer recht teuer, oder?

Im Landkreis Kulmbach hat man sich eine Lösung überlegt: das FiftyFifty-Taxi. Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Landkreis können am Wochenende nachts zum halben Fahrpreis mit dem Taxi fahren. Die andere Hälfte wird vom Landkreis übernommen.

Vorbild und Partner bei dieser Aktion ist der Landkreis Lichtenfels. Dort gibt es schon seit 2003 das FiftyFifty-Taxi. "Wir wollten aber das System modernisieren und haben uns deswegen mit dem Landkreis Kulmbach zusammengetan und eine App entwickelt", sagt Markus Simon, Projektleiter im Landkreis Lichtenfels.

Aber auch im Landkreis Kulmbach ist die Idee keine neue. "Im Jahr 2014 haben wir von der Jungen Union bereits einen Antrag dazu gestellt. Es war ein langer Weg, bis wir dorthin kamen, wo wir jetzt sind", sagt Patrick Kölbel, Kreisvorsitzender der Jungen Union. Er ist sich sicher, dass das im Landkreis ein Erfolg wird: "Je mehr Leute im Taxi sitzen, desto günstiger wird es. Das kann sich dann jeder leisten."

"Wir haben uns bei Gesprächen dann dazu entschieden, dass wir zwei Schritte auf einmal gehen: zum einen die Einführung des FiftyFifty-Taxis und zum anderen die App-Entwicklung gemeinsam mit dem Landkreis Lichtenfels. Hier haben wir Einmaliges geschaffen", sagt Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler). Unterstützung gab es hierbei finanziell von der Regierung Oberfranken. Sie hat 85 Prozent der Kosten übernommen.

Die App entwickelt hat das IT-Unternehmen ecsec GmbH aus Michelau. Jeder, der das FiftyFifty -Taxi benutzen möchte, muss vorab die App herunterladen. Diese steht seit 1. Juli kostenlos im Google Play Store und im App Store von Apple zur Verfügung.

Danach muss das eTicket aktiviert werden. Beim NFC-fähigen Smartphones ist dies problemlos von zuhause mit dem elektronischen Personalausweis möglich. Alle nicht NFC-fähigen Smartphones, zu denen alle iPhones zählen, können bei der Gemeinde oder im Landratsamt aktiviert werden. Ab Montag ist die Registrierung dort möglich.

Danach kann man die App nutzen, um sich ein Taxi zu bestellen. Der Taxi-Fahrer verfügt ebenfalls über die App, mit der dann auch die Fahrt registriert wird. Hierüber erfolgt dann auch die Abrechnung mit dem Landratsamt am Ende des Monats. Der junge Taxigast bezahlt seinen halben Preis direkt vor Ort beim Taxifahrer.

"Das Projekt ist etwas sehr Tolles, und mit der App haben wir ein bundesweites Pilotprojekt gestartet. Aber das ganze wäre nur halb so viel wert, wenn wir keine Taxi-Unternehmen hätten, die sich daran beteiligen", betont Klaus Peter Söllner.

Taxi Gräf und die Taxi Union Kulmbach sind seit der viermonatigen Testphase am Projekt beteiligt. "Um einen flächendeckenden Erfolg zu erzielen, wäre es schön, wenn alle Taxi-Unternehmen daran teilnehmen würden", wünscht sich Landrat Söllner.

Am Freitag, wenn das FiftyFifty-Taxi offiziell an den Start geht, werden die beiden Unternehmen mit insgesamt acht Fahrzeugen die jungen Leute transportieren.

"Ich finde das Projekt sehr gut und war sofort begeistert. Meine Mutter habe ich dann überzeugt, dass wir da mitmachen", sagt Alexander Gräf, Juniorchef von Taxi Gräf. "Ich bin selber noch in der Zielgruppe, deswegen weiß ich, wie die Situation bei den jungen Leuten ist", sagt der 25-Jährige.

Die Situation ist aktuell nicht gut. Nachdem der Discobus 2017 eingestellt wurde, wurde eine neue Lösung gesucht, mit der die jungen Leute beim Feiern sicher nach Hause kommen. "Mit dem FiftyFifty-Taxi haben wir jetzt eine Lösung gefunden, die auch in Zukunft wichtig wird, wenn Kulmbach eine Unistadt wird", beschreibt Landrat Söllner.

Von Anfang Juli bis Ende Oktober fand eine interne Testphase statt, bei der junge Leute, die vom Landratsamt oder vom Kreisjugendring kamen, den Betrieb vorab getestet haben. "Das waren aber insgesamt nicht mehr als zwölf Fahrten für beide Unternehmen", sagt Ulrich Müller von der Taxi Union. Dass der richtige Test erst jetzt beginne, da sind sich beide Taxi-Unternehmer einig.

Während der Kulmbacher Testphase wurde in Lichtenfels die App bereits richtig genutzt - man konnte dort bereits 400 Registrierungen verzeichnen. Ein Erfolg, der auch anderen Landkreise neugierig gemacht hat. "Die Landkreise Bamberg und Coburg haben schon angefragt", sagt Markus Simon.

"Eine Zusammenarbeit mit diesen Landkreisen ist grundsätzlich möglich. Und auch Fahrten zwischen den Landkreisen Kulmbach und Lichtenfels könnten bald möglich sein", sagt Klaus Peter Söllner mit einem Blick in die Zukunft.

Fahrten zwischen den Landkreisen wäre auch das, was sich die Taxi-Unternehmen noch wünschen würden. "Gerade das Nepomuk in Altenkunstadt ist eine beliebte Anlaufstelle für junge Leute, aber die können wir mit dem FiftyFifty-Taxi so nicht anfahren. Und es wäre schön, wenn man auch donnerstags mit dem FiftyFifty-Taxi fahren könnte", sagt Alexander Gräf. Auch sie wünschen sich, dass die anderen Unternehmen hinzukommen, "aber die sind sehr skeptisch".

Teilnahmebedingungen für das FiftyFifty Taxi im Landkreis Kulmbach:

Für alle im Alter zwischen 16 und 27 Jahren mit Erstwohnsitz im Landkreis Kulmbach. Wenn der Zweitwohnsitz im Landkreis liegt, muss der Ausbildungsvertrag oder die Immatrikulationsbescheinigung und ein Nachweis über den Zweitwohnsitz vorgelegt werden. Gilt bei Fahrten ab sechs Euro.

Zeitraum In der Nacht von Freitag auf Samstag oder von Samstag auf Sonntag oder an Vorabenden zu gesetzlichen Feiertagen und an Feiertagen einschließlich Mariä Himmelfahrt zwischen 21 und 5 Uhr. Fahrtantritt und Fahrtende müssen im Landkreis Kulmbach liegen. Gilt nicht für Fahrten außerhalb des Landkreises.



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