Neuenmarkt
Entwicklungshilfe

Jugendakademie in Tansania wird eingerichtet - Kulmbacherin ist dabei

In der kommenden Woche wird eine Jugendakademie an der One-World-Secondary-School Kilimanjaro in Kisangara, Tansania eingerichtet. Zu den sechs Schülern, die aus verschiedenen Schulen in Bayern ausgewählt worden sind, gehört auch Joanna Kirschner-Roth (17) aus der Klasse W S 9 der Wirtschaftsschule Neuenmarkt.
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Foto: Werner Reißaus
Foto: Werner Reißaus
Am Dienstag startet sie um 16.00 Uhr vom Flughafen in München mit den weiteren fünf bayerischen Teilnehmern ins ferne Tansania und gut 15 Stunden wird die Reisegruppe unterwegs sein. Vom 24. September bis 2. Oktober findet unter dem Arbeitstitel "Local solutions for global questions" - common acting for a common future" gemeinsam mit den tansanischen Jugendlichen eine Zukunftswerkstatt statt. Geschäftsführer des Trägers dieser Schule ist Dr. Karl-Heinz Köhler, der bereits mehrfach das Berufliche Schulzentrum in Kulmbach besucht hat. Aus Deutschland nehmen insgesamt 18 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen UNESCO-Schulen an dem Austausch teil.

Dass mit Joanna Kirschner-Roth eine Kulmbacherin zu den Auserwählten zählt, ist damit begründet, dass das Berufliche Schulzentrum in Kulmbach eine UNESCO-Schule ist. Marco Stumpf von der Leitung der Wirtschaftsschule Neuenmarkt: "Wir gehören zu diesem Schulzentrum und es wurde eine Schülerin oder ein Schüler gesucht, der qualifiziert ist, da mitzugehen. Es waren noch von der FOS welche in der Auswahl, doch die Wahl fiel dann letztlich auf Joanna." Und bei ihr war natürlich die Begeisterung groß: "Ich freute mich riesig, dass ich da auserwählt wurde und teilnehmen kann." Joanna Kirschner-Roth gibt aber gerne zu, dass neben der Freude auch eine Anspannung mitschwingt: "Ich weiß ja nicht, was mich da erwartet und es ist halt trotzdem ein großes UNESCO-Projekt. Ich habe so was ja noch nie gemacht und weiß nicht, was auf mich zukommt." Untergebracht ist die deutsche Dele-gation im Schlafsaal der One-World-Secondary-School in Kisangara.

Joanna Kirschner-Roth musste sich eigens auf dieses Projekt vorbereiten: "Jeder Schüler soll eine zehnminütige Präsentation in Englisch vorbereiten und ich habe mir überlegt, dass ich über Fairtrade spreche, also den fairen Handel. Das Thema betrifft ja Afrika sehr direkt, aber ich bin auch der Meinung, dass viele Deutsche gar nicht wissen, was Fairtrade überhaupt bedeutet. Mit dem Projekt, das ich dann auch in meiner Schule zu Hause durchführe, möch-te ich vor allem die anderen Schüler und auch die Lehrer darauf aufmerksamen machen, dass sie es auch weitergeben und dass auch mehr darüber informiert wird." Dazu wird Joanna auch einen Verkauf von Muffins anbieten, die sie selber herstellen wird. "Ich habe auch Flyer erstellt, die wir mit den Muffins verteilen können."

Joanna Kirschner-Roth weiß, dass sie in Tansania ein armes Land erwartet: "Die Menschen haben fast keine technischen Geräte und haben sehr viel Stromausfall. Wir wurden aufge-fordert, Taschenlampen mitzunehmen und ich habe meine Präsentation auch auf Plakat gemacht, weil ich nicht annehme, dass ein Beamter zur Verfügung steht oder Strom für einen Laptop. Es herrscht auch sehr viel Handarbeit in dem Land und die Menschen arbeiten fast den ganzen Tag auf dem Feld. Ich weiß, dass mich da ein völliger Gegensatz zu unserem Land erwartet." Auch die Schulbildung ist das krasse Gegenteil, denn in den Klassenräumen werden teilweise bis zu 50 Schüler unterrichtet. Es fehlt an Allem und natürlich an Geld.

Als bekannt wurde, dass Joanna nach Tansania fliegt, wäre natürlich auch der eine oder andere Schüler an ihrer Stelle gewesen: "Sie haben sich aber mit mir gefreut und fanden auch mein Projekt gut, das die Leute dort zum Nachdenken anregen soll." Und Schulleiter Marco Stumpf ergänzt: "Als bekannt wurde, dass die Kommunikation grundsätzlich englisch erfolgen wird, war der Neid aber relativ gering. Wir sind aber sehr stolz, dass von unserer Schule eine Schülerin dafür auserwählt wurde. Man darf ja nicht vergessen, dass von allen bayerischen Schulen nur sechs Schüler mit nach Tansania gehen und von allen Wirtschafts-schulen ist Joanna in Bayern die einzige Repräsentantin. Sie ist von ihrer Eigeninitiative sehr gut."

Das Elternhaus gab auch sofort "grünes Licht" und die Mutter ließ die Tochter wissen: "Da musst Du auf jeden Fall mit, denn so eine Chance bekommt man nicht alle Tage!" Die aktive Wasserwachtlerin trifft sich gern mit Freunden, macht gemeinsame Unternehmungen und nach Abschluss der Wirtschaftsschule will Joanna Kirschner-Roth eine Ausbildung zur Industriekauffrau im Raum Kulmbach-Bayreuth absolvieren.
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