Kulmbach
Brennpunkt Erde

Jugend möchte Menschenrechte leben

"Agenda 2030" war Thema des Unesco-Projekttags. Das berufliche Schulzentrum Kulmbach setzte sich mit der Zukunft auseinander.
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Der Paul-Gerhardt-Kindergarten und das berufliche Schulzentrum sind Unesco-Einrichtungen. Beim Unesco-Projekttag setzten sich beide Institutionen mit der Zukunft der Erde auseinander. Foto: Sonny Adam
Der Paul-Gerhardt-Kindergarten und das berufliche Schulzentrum sind Unesco-Einrichtungen. Beim Unesco-Projekttag setzten sich beide Institutionen mit der Zukunft der Erde auseinander. Foto: Sonny Adam
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"Wir haben nur diese eine Erde!" stand auf dem selbstgemalten Plakat, mit dem die Kinder des Paul-Gerhardt-Kindergartens am Donnerstag im beruflichen Schulzentrum für einen nachhaltigen und achtsamen Umgang mit den Ressourcen demonstrierten. Mit Kiga-Leiterin Monika Hoffmann sang der Nachwuchs "Liebe Erde, ich beschütze dich!" Ein Lied, das den zahlreichen Ehrengästen, die zum zwölften Projekttag der Unesco-Projektschulen in das berufliche Schulzentrum gekommen waren, unter die Haut ging. Der Kindergarten und das berufliche Schulzentrum haben eines gemein: Beide Institutionen haben sich der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur in besonderer Weise verpflichtet.

"Wir wollen Menschenrechte leben. Wir wollen Menschen verbinden", sagte Unesco-Koordinator Richard Popp bei der Feierstunde. Das berufliche Schulzentrum ist eine von 33 bayerischen und 300 deutschen Unesco-Schulen. Insgesamt feierten am 26. April weltweit mehr als 11 000 Schulen und Bildungseinrichtungen in 180 Ländern und hielten den Gedanken des friedlichen Zusammenlebens hoch.

"Das wohl bekannteste Unesco-Projekt unserer Schule ist der Austausch mit der Türkei, mit Schülern aus Bursa", erklärte der Leiter des beruflichen Schulzentrums Alexander Battistella. Doch es gibt auch einen Austausch mit Frankreich, den die Schüler des beruflichen Schulzentrums pflegen. Viele Schüler absolvieren sogar im Ausland Praktika. Bertram Unger, im beruflichen Schulzentrum verantwortlich für das Erasmus-Programm händigte zahlreichen Schülern Urkunden aus. Sie haben den Unesco-Gedankten in besonderer Weise mit Leben erfüllt, haben sich an Wettbewerben beteiligt oder waren im Ausland. Immer stand der interkulturelle Austausch im Mittelpunkt.

"Wir sind stolz darauf, dass wir auch 2018 unsere Freunde in der Türkei besuchen. Wir wollen den Unesco-Gedanken in Zukunft noch stärker leben, noch stärker mit Leben füllen", erklärte Schulleiter Alexander Battistella.

Nicht nur Amnesty International war beim Projekttag mit einem Stand vertreten, auch Hartmut Schuberth vom Unesco-Club sowie Thomas Nagel und Beniamino de Pellegrin vom Kreisverband der Europäischen Union kamen. "Man muss ehrlich sagen, dass wir vor zehn Jahren schon weiter waren. Heute greifen nationalistische Tendenzen wieder um sich", sagte Landrat Klaus Peter Söllner. "Aber der große Gedanke eines friedlichen Zusammenlebens darf nicht unter Druck geraten. Wer Frieden sichern will, muss in Freiheit und Demokratie leben. Und Deutschland hat eine besondere Verpflichtung, den europäischen Gedanken hoch zu halten", sagte Landrat Klaus Peter Söllner.

Anlässlich des Projekttags haben sich die Schüler aller Schulen, die am beruflichen Schulzentrum vertreten sind, mit dem Thema Zukunft und dem Leben im Jahr 2030 auseinandergesetzt. Einige Schüler zeigten, wie man aus Kartoffelstärke biologisch abbaubare Kunststoffe herstellen kann. "Normale Kunststoffe brauchen 30 Jahre, bis sie in kleine Teile zerfallen, dabei könnte man Verpackungen aus Stärkefolie machen", erklärten Philip Pickelmann und Maxim Milicic. Sie stellten absolut umweltverträgliche Stärkefolie her. Doch damit nicht genug. Die Schüler beschäftigten sich mit autonomem Fahren und mit nachhaltigen Baustoffen und experimentierten. Sie untersuchten, wie umweltfreundlich die Nahrung ist. Junge Flüchtlinge reparierten alte Fahrräder und setzten damit ein Zeichen gegen den Wegwerftrend.

Nachhaltiges Einkaufen, ein respektvoller Umgang mit Mensch und Umwelt und Übungen zur gewaltfreien Kommunikation waren weitere Themen beim Projekttag. "Es ist wichtig, dass die Schüler gemeinsam am Erhalt der Umwelt arbeiten", sagte Nora Whetzal, Unesco-Beauftragte. Der Unesco-Projekttag wird seit 1996 gefeiert. Immer am 26. April. Er möchte an das Atomunglück in Tschernobyl erinnern. "Dieses Ereignis hat mir zum ersten Mal klar gemacht, wie fragil unsere Welt ist", erklärte Whetzal.

Im Mittelpunkt der Feierstunde stand ein "Gallery Walk". Die zahlreichen Besucher und Ehrengäste informierten sich aus erster Hand und kamen mit den Arbeitsgruppen ins Gespräch.


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