Stadtsteinach
Landwirtschaft

Jetzt beginnt der Preispoker für die Landwirte

Wegen der Wetterkapriolen war die Ernte in diesem Jahr durchwegs mäßig. Eigentlich müssten die Preise für die Landwirte auf einem guten Niveau liegen. Doch so einfach ist die Sachlage schon lange nicht mehr.
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Landwirtin Heidi Schmidt hofft, dass wenigstens die Maiskolben noch kräftig zulegen. Die Stängel sind mickrig und die Höhe lässt zu wünschen übrig. Deshalb haben die Schmidts schon jede Menge Grünpflanzen-Silage aus Getreide für die Biomasseanlage gemacht. Fotos: Sonja Adam
Landwirtin Heidi Schmidt hofft, dass wenigstens die Maiskolben noch kräftig zulegen. Die Stängel sind mickrig und die Höhe lässt zu wünschen übrig. Deshalb haben die Schmidts schon jede Menge Grünpflanzen-Silage aus Getreide für die Biomasseanlage gemacht. Fotos: Sonja Adam
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Die Familie Hildner aus Bergleshof bewirtschaftet derzeit 245 Hektar. Angebaut wurden heuer Winterraps, Winterweizen, Wintergerste, Sommergerste und Winterroggen. "Wir haben jetzt alles abgeerntet, aber der Ertrag lässt zu wünschen übrig", zieht Adolf Hildner eine erste Bilanz. Der 73-Jährige schätzt, dass er mit Einbußen von 20 Prozent rechnen muss.

"Aber wir sind noch mit einem blauen Auge davon gekommen, denn wir machen ja auch Lohndrusch, und da gab es Felder, auf denen die Landwirte bis zu 50 Prozent Einbußen hatten", erklärt Hildner. "Es war zu lange zu nass und zu kalt, das Unkraut war fast nicht in Zaum zu halten. Der Winterbau ist teils abgesoffen - und dann kam die extreme Hitze, die vor allem an der Fränkischen Linie auf den leichten und sandigen Böden schwierig war."

Weizen: Von 23 auf 13 Euro

Trotz der mäßigen Ernte in der Region sind
die Preise alles andere als gut. "Weizen bringt derzeit 13 Euro pro Doppelzentner. Das sind keine tollen Preise", kommentiert Hildner. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr mehr als 23 Euro erzielt.

Schon lange funktioniert die Landwirtschaft nicht mehr so einfach, dass Ackerfrüchte nach der Ernte einfach verkauft werden. "Einen Teil verkaufen wir schon über Vorverträge, aber der Anteil kann nur bei einem Drittel bis maximal der Hälfte des zu erwarteten Ertrags liegen. Denn wenn man dann nicht liefern kann, gibt es Sanktionen. Das heißt, man muss Strafe zahlen", erklärt der 73-Jährige die landwirtschaftliche Preispolitik. "In diesem Jahr ist man aber mit Vorverträgen gut gefahren, wir hätten mehr davon machen sollen", sagt Hildner, weiß aber, dass man "hinterher immer schlauer" ist.

Der andere Teil der Ernte wird immer dann vermarktet, wenn er tatsächlich geerntet ist. Landwirte, die keine Lagerkapazitäten haben, sind aktuell schlecht dran und müssen weitere Einbußen in Kauf nehmen, einfach deshalb, weil sie ihre Eträge ad hoc verkaufen und vermarkten müssen. "Wir haben große Lagermöglichkeiten, wir haben ja das BayWa-Lager in Stadtsteinach angemietet und können jetzt erst einmal abwarten", erklärt Adolf Hildner seine persönliche Strategie.

Die Lager sind voll

Die Landwirtsfamilie aus Bergleshof lagert Weizen, Raps, Gerste und Roggen ein und wartet auf einen Preisanstieg. "Wenn man den richtigen -Zeitpunkt erwischt, kann man auch ein schlechtes Erntejahr ausgleichen", erklärt Hildner.

Weil 2012 Felder immer wieder von Wildschweinen heimgesucht und vernichtet wurden, haben die Hildners heuer überhaupt keinen Mais angebaut. "Das war eine gute Entscheidung, denn Mais ist in diesem Jahr gar nicht gewachsen."

Das bestätigt auch Landwirtin Heidi Schmidt aus Rugendorf. Sie baut Mais an, um ihre neue Biomasseanlage zu füttern. Doch die Ernte sieht nicht gut aus. "Ich denke, wir werden 30 bis 40 Prozent weniger Ausbeute haben." Natürlich bedeutet das nicht, dass die Biomasseanlage pausieren oder weniger Energie erzeugt wird, sondern vielmehr wird die schlechte Situation beim Mais durch vermehrten Einsatz von Grünpflanzen-Silage ausgeglichen werden müssen. "Die Maispflanzen sind sehr klein geblieben, sie haben einen dünnen Stängel und auch die Höhe fehlt einfach", so Schmidt.

Es braucht Wärme und Regen

"Was sich jetzt noch entwickeln kann sind die Kolben. Dazu müsste es jetzt warm bleiben, aber es müsste auch genug Regen geben", so Heidi Schmidt. "Wir haben als Ausgleich schon alles weggehäckselt und aus Getreide Grünpflanzen-Silage gemacht", erklärt sie die Sorgen einer Energiewirtin. Denn auch die sind von Wetterkapriolen abhängig und müssen sich dann eben nach alternativen "Fütterungsmethoden" für die Biomasseanlage umschauen. Denn eigentlich funktionieren die Biomasseanlagen nicht anders als Kühe, nur produzieren sie eben keine Milch, sondern Energie.

Eine "Fütterungsunterbrechung" können die Anlagen, die mit Bakterien arbeiten, allerdings nicht verkraften.

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