Kulmbach
Open-Air

Jethro Tull auf der Plassenburg: Der Abend der Rock-Dinos

Seit über 50 Jahren gibt es die Band Jethro Tull. Zum alten Eisen zählt sie aber noch lange nicht. Hier gibt es die Bilder vom Konzert, ein Interview mit Ian Anderson und Fotos von einem Fantreffen mit dem "Tull"-Frontmann.
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Jethro Tull beim Plassenburg-Open-Air 2019. Foto: Jochen Nützel
Jethro Tull beim Plassenburg-Open-Air 2019. Foto: Jochen Nützel
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Man kann es kaum glauben: Seit 1967 gibt es die britische Rockband Jethro Tull um Bandleader und Multiinstrumentalist Ian Anderson. Ihr Song "Locomotive Breath" ist ein Klassiker der Musikgeschichte. Dass sie noch lange nicht zum alten Eisen zählt, bewies die Gruppe am Freitagabend auf der Plassenburg.

Das Konzert Seine fast 72 Jahre merkt man Ian Anderson nicht an. Der Mann, der die Querflöte in der Rockmusik salonfähig machte und der Kopf und das Gesicht von Jethro Tull ist, bewegte sich bei seinem Auftritt auf der Plassenburg wie ein 20-Jähriger. Mal auf einem Bein tänzelnd, dann wie ein Derwisch stapfend am Bühnenrand ist er der unumstrittene Mittelpunkt des Konzerts.

Nur hin und wieder überlässt er seinen vier Musikerkollegen für kurze Soli das Rampenlicht. In diesen Momenten versteckt er sich hinter einer hohen Box am linken Bühnenrand, um dann von dort hervorzuschleichen und sofort wieder das Geschehen zu übernehmen.

Der Abend teilt sich in zwei Hälften: Die erste ist eher ganz alten, bluesigen Werken vorbehalten ("For a thousand mothers", "Some day the sun won't shine for you"). Bei "Thick as a brick" läuft die Band erstmals zu Hochform auf.

Richtig rockig wird es im zweiten Teil des Konzertabends. Dass es deutlich flotter zugeht, wird auch vom Publikum mit einem Anstieg der Stimmung gewürdigt. Zum Schluss bei "Aqualung" und "Locomotive breath" hält es in der ausverkauften Plassenburg niemanden mehr auf den Sitzen. Bis 22.30 Uhr spielen Jethro Tull. Das Meet & Greet Für zwei Fans wird das Konzert sicher ein unvergesslicher Abend bleiben: Lothar Groß aus Kulmbach und sein Kumpel Friedhelm Stark aus Ingelheim am Rhein sind die Gewinner eines Meet & Greet, also eines Treffens mit Ian Anderson, das die Bayerische Rundschau verlost hatte.

Die Männer verbindet eine lange Freundschaft. Kennengelernt hatten sie sich 1976 im Zug, als sie beide zu einem Jethro-Tull-Konzert nach Frankfurt fuhren. Damals waren sie 17 Jahre alt. Heute, mit 60 Lenzen, lieben sie noch immer die Musik, haben seitdem mehrere Konzerte besucht. Ihnen hat es auf der Burg gefallen. "Vor allem, weil er viele Songs neu interpretiert hat", findet Friedhelm Stark.

Nach dem Konzert treffen sie einen gut gelaunten Ian Anderson, der sich Zeit für die Männer und ihre Begleiterinnen nimmt. Er signiert die mitgebrachte LP-Hülle von Lothar Groß und das T-Shirt von Friedhelm Stark. Smalltalk inklusive. Natürlich werden Erinnerungsfotos gemacht. Anderson macht sogar den Spaß mit, mit den Gästen für ein Bild wie beim Konzert auf einem Bein zu balancieren.

Das Interview

Bayerische Rundschau:Wie hat Ihnen die Plassenburg gefallen?

Ian Anderson: Ein wunderschöner Ort. Mir gefällt Bayern, seit ich das erste Mal 1971 hier war. Meine Lieblingsstadt ist Ulm - wegen des Münsters und der Carl-Walther-Waffenfabrik, die ich besichtigt habe. Ich habe damals eine Pistole geschenkt bekommen, die in einem James-Bond-Film verwendet wurde - mit der Seriennummer 007. Das war ein tolles Geschenk.

Ich liebe es außerdem, Kirchen zu besichtigen und darin zu spielen. Leider hat es in Kulmbach am Morgen geregnet, so dass ich hier nicht dazu gekommen bin. Ich schau mir auch gerne kleine Kirchen an. Vielleicht werde ich sogar eines Tages ein Christ. Ich unterstütze zwar die Kirche und deren Tradition, würde mich aber selbst nicht als Christen bezeichnen.

Beim Ihrem Konzert auf der Plassenburg galt striktes Fotoverbot mit Handys. Warum sind Sie da so streng?

Es gibt zwei Gründe: Zum einen sollte man ein Konzert mit Augen, Ohren und Verstand genießen und nicht durch ein Display. Zum anderen - und das ist für mich persönlich wichtig - blenden mich die Blitze. Dann sehe ich nicht mehr, was meine Musiker machen. Die Leute wissen nicht, wie sie den Blitz bei den Geräten abschalten. Wir haben schon überlegt, ob wir nicht ein Lied für das Fotografieren freigeben sollten, aber das würde wohl nicht klappen. In London ist es schon so, dass Leute, die bei Veranstaltungen mit dem Handy fotografieren, rausgeschmissen werden. Ich selbst habe schon als Besucher zwei Konzerte - eines von Black Sabbath und eines von Iron Maiden - nach einer Viertelstunde verlassen, weil ich die Band vor lauter Handys nicht gesehen habe.

Woher stammt der Name Jethro Tull?

Den hat uns ein Agent gegeben. Ich dachte damals, er sich den Namenausgedacht, bis ich erfuhr, dass das der Name des Mannes war, der als Erfinder der modernen Landwirtschaft gilt.

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