Kulmbach
Ortswechsel

Jessica aus Kulmbach lebt jetzt "very british"

Jessica Kliem zog es von Oberfranken in die Ferne. Momentan lebt sie im englischen Leeds - und ist vom britischen Lebensstil positiv überrascht.
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Jessica Kliem vor einem der traditionellen Pubs in Leeds Foto: privat
Jessica Kliem vor einem der traditionellen Pubs in Leeds Foto: privat
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"Noch ist es fast ein wenig wie Urlaub”, sagt Jessica Kliem, die seit einem Monat in Leeds lebt. Die Kulmbacherin zog es in das Land von Harry Potter und Fisch and Chips - nach England. Sie kam der Liebe wegen - und in der Hoffnung, hier eine aussichtsreiche Anstellung zu finden. Zuvor hat sie bereits sechs Jahre in Berlin gelebt und zudem während ihres Politikwissenschafts-Studiums ein Auslandssemester in Uppsala absolviert. Daher fällt es ihr auch nicht schwer, sich in der Fremde einzugewöhnen.

Obwohl sie in Berlin sehr glücklich war, nutzte sie die Gelegenheit, mit ihrem Freund Konstantin, der dort ein Forschungsstipendium erhalten hatte, nach Leeds zu gehen. Inzwischen hat Jessica auch Arbeit gefunden. Sie ist für eine Firma als "German search marketing Executive" tätig. Das bedeutet, dass sie die deutschsprachige Online-PR für diese Firma betreut. Zudem poliert sie ihr Englisch in einem Kurs auf.

Die Kulmbacherin hat festgestellt, dass es "natürlich nicht mehr ganz so leicht” sei, "neue Leute kennen zu lernen wie zu Studienzeiten”. Dennoch hat sie Hoffnung, dass sich dies mit der Zeit noch bessern wird. Zumindest etwas Kontakt zu den Einheimischen hat sie schon im Sprachkurs durch ihren Tandempartner gefunden: ein Engländer, der ihr hilft, ihr Englisch zu verbessern, und im Gegensatz dazu ihre Hilfe beim Deutsch-Lernen in Anspruch nimmt.

"Die Einwohner von Leeds sind freundlich und hilfsbereit,besonders, wenn ich den ausgeprägten Yorkshire-Akzent mal nicht verstanden habe", erzählt Jessica Kliem. Allzu viel Heimweh muss ebenfalls nicht aufkommen, da es in Leeds sogar "Deutsche Bierwochen” in den Pubs gibt.

Die Pubs spielen im Leben der Briten eine große Rolle und sind fester Bestandteil der einheimischen Bierkultur. Das hat auch die Kulmbacherin durch den ein oder anderen Besuch selbst schon feststellen können. Der Boden der Pubs ist mit den obligatorischen Teppichen, wie man sie aus Szenen britischer Filme kennt, ausgelegt. Neben den verschiedensten Biersorten wird grundsätzlich immer "Fish and Chips” angeboten. Auch die anderen Speisen schmecken der "Auswandererin" - nur sind sie ihr etwas zu fleischlastig. Jessica ist aufgefallen, dass nicht nur Studenten ihr Bier im Pub trinken. Auch Männer und Frauen "im besten Alter” genießen dort ihr "Ale”.
Eine weitere Besonderheit im Zusammenhang mit der britischen Pubkultur hat die Kulmbacherin auch schon kennengelernt: ab und an traf sie auf eine Gruppe bunt verkleideter Pubbesucher. Diese nehmen am so genannten "Otley Run" teil, einem für Leeds typischen Pub-Marathon, bei dem bis zu 18 verschiedene Pubs in einer Nacht abgeklappert werden.

Doch nicht nur das alltägliche Leben in England bekommt Jessica mit: als Politikwissenschaftlerin interessiert sich die 28-Jährige selbstredend auch für die britische Politik. Dabei hat sie bemerkt, dass die politische Diskussion im Vereinigten Königreich momentan "nicht so besonders pro EU-Migration” ist. Ein Umstand, den Jessica nicht nur schade, sondern geradezu deprimierend findet. Dennoch lässt sich sich davon nicht die Stimmung vermiesen, da sie ihren Aufenthalt in erster Linie dazu nutzen will, ihr Englisch zu verbessern und etwas von der Welt zu sehen.

Die Stadt Leeds selbst hat Jessica auf den ersten Blick an eine Stadt im Ruhrgebiet erinnert - was nicht weiter verwunderlich ist, da Leeds eine typische englische Industriestadt ist. Das kann man vor allem an den aus rotem Backstein gebauten Häusern erkennen.

Langeweile kommt jedenfalls so schnell nicht auf, da Leeds zum einen eine Studentenstadt ist, in der auch über den klassischen Pubbesuch hinaus gefeiert werden kann, und es zum anderen grandiose Einkaufsmöglichkeiten gibt. Auch die nächste Großstadt, Manchester, ist nicht weit entfernt und schnell zu erreichen. Zudem gelangt man in kurzer Zeit in die Yorkshire Dales, eine, wie Jessica schwärmt, "malerische Tallandschaft", in der man gut wandern oder auf andere Weise Erholung suchen kann. Die Kulmbacherin genießt den Wechsel zwischen Stadt und Land, zwischen Shopping- und Sportmöglichkeiten.

Wie lange Jessica noch in Leeds bleiben möchte, weiß sie noch nicht. Sie macht es abhängig von den Karrierechancen, die sich für sie dort ergeben, und davon, wie sehr sie Deutschland und insbesondere Berlin, wo die meisten ihrer Freunde leben, vermisst. Momentan kann sie sich noch nicht vorstellen, für immer in England zu bleiben - einfach, weil es noch viel zu früh ist für eine endgültige Entscheidung. "Aber ich bin ja auch noch nicht lange hier".

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