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Kulmbach
Corona-Virus

Ist Kulmbach auf das Corona-Virus vorbereitet?

Seit Wochen ist der sogenannte Corona-Virus ein Dauerthema. Die zahlreichen Neuerkrankungen in Italien und jetzt auch in Deutschland werfen viele Fragen auf.
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Desinfektionsmittel, Mundschutze und Einmalhandschuhe liegen auf einen Tisch. Die Nachfrage nach Mundschutzmasken, Produkten zum Desinfizieren und Einweghandschuhen ist seit Auftreten des Corona-Virus (Covid-19) gestiegen. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa
Desinfektionsmittel, Mundschutze und Einmalhandschuhe liegen auf einen Tisch. Die Nachfrage nach Mundschutzmasken, Produkten zum Desinfizieren und Einweghandschuhen ist seit Auftreten des Corona-Virus (Covid-19) gestiegen. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa
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Auch in Kulmbach steigt die Verunsicherung. Wie bereiten sich das Klinikum und die Stadt für den Ernstfall vor? Welche Auswirkungen hat der Virus auf die Kulmbacher Reisebranche und die Wirtschaft? Was müssen Arbeitnehmer beachten und wie kann man sich am besten schützen? Auf diese Fragen haben wir Antworten gesucht.

Das Kultusministerium hat bayerische Schulen und Schulleiter bereits über das Vorgehen im Ernstfall informiert. Sollte es eine Verdachtsfall in der Schule geben, muss sich die Schulleitung unverzüglich an das städtische Gesundheitsamt wenden. Das Gesundheitsamt bewertet dann das Gesundheitsrisiko und veranlasst die notwendigen Maßnahmen. Diese müssen von den Schulleitern umgesetzt werden. Eine solche Maßnahme könnte beispielsweise die temporäre Schließung der Schule sein. Die Maßnahmen sollen das Verbreitungsrisiko eindämmen.

Das Gesundheitsamt Kulmbach verweist auf die Auskunft des stellvertretenden Pressesprechers der Regierung Oberfranken, Martin Steiner. Hier heißt es: "Im Rahmen der aktuellen infektiologischen Situation werden Verdachtsfälle auf den neuen Coronavirus (COVID -19) durch die Gesundheitsämter, die in Oberfranken Teil der Landratsämter sind, untersucht und gegebenenfalls einer weiterführenden Diagnostik und Behandlung zugeführt". Schon bei Verdacht auf Corona-Virus würden verschiedene Maßnahmen ergriffen. Diese sollen den "Ausgangsherd der Infektion ermitteln" und mögliche Kontaktpersonen aufspüren.

Somit solle eine weitere Verbreitung verhindert und die Bevölkerung von der Krankheit geschützt werden. Die zuständigen Kreisbehörden entschieden dann über das weitere Vorgehen. Es herrsche ein stetiger Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Behörden. Träten mehrere Erkrankungsfälle auf, könnten auch öffentliche Gemeinschaftseinrichtungen geschlossen werden. Dies werde durch die zuständigen Behörden beschlossen.

Hans-Peter Hubmann, Kulmbacher Apotheker und Landesvorsitzender des Apothekerverbands, warnt vor zu viel Hysterie. Seiner Meinung nach muss man den Coronavirus in Relation zur gewöhnlichen Grippe sehen. Diese forderte vor drei Jahren 5000 Todesopfer. Hubmann rät zum regelmäßigen Hände waschen und zur Nutzung von Desinfektionsmittel oder 70 prozentigem Alkohol. Dies sei auch viel effektiver als Mundschutzmasken.

Die Hände sollten mindestens 20 Sekunden gründlich gewaschen werden, große Menschenmengen sollten gemieden werden und man sollte auch Abstand zu seinem Gegenüber halten. Trotz der mangelnden Effektivität von Schutzmasken sind diese in den Apotheken von Hubmann bereits ausverkauft.

Brita Ziegler, die Inhaberin des Holiday Land Reisebüro Ziegler am Kulmbacher Marktplatz, bedauert die Entwicklungen der letzten Tage. Der Virus sei natürlich "schlecht für den Betrieb, da viele Menschen nun verunsichert sind". Eine großen Stornierungswelle ist jedoch noch nicht auf sie zugekommen. Momentan sei alles noch ruhig. Die Folgen könne man wohl erst in einigen Wochen beurteilen. Die Veranstalter vor Ort informieren das Reisebüro über die Entwicklungen. Will man nun den bevorstehenden Italien-Urlaub doch stornieren, so kommen die ganz normalen Stornokosten auf den Reisenden zu.

Auch im Reisebüro Schaffranek in Kulmbach ist noch keine Panik zu spüren. Die meisten Kunden reisen im Sommer und warten noch ab, teilt Geschäftsführerin Melanie Schaffranek mit. Eine kostenlose Stornierung aufgrund der Angst vor dem Coronavirus ist nicht möglich. Jedoch bieten ihrer Aussage zufolge einige Veranstalter für Reisen nach China kostenfreie Stornierungen an. Auch das Reisebüro Schaffranek ist im ständigen Austausch mit Veranstaltern vor Ort und steht mit ausgewählten Kollegen in einer Experten-Whatsappgruppe in Kontakt, sagt sie.

Die IHK in Bayreuth ist durch die vielen Anfragen bezüglich des Corona-Virus "seit Tagen quasi lahmgelegt". Daher gibt sie aktuell keine Einzelauskünfte mehr, sondern verweist auf eine offizielle Pressemitteilung. Dort heißt es, dass es aufgrund von Produktionsstopps in China zu Lieferengpässen kommen werde. Je länger die Produktionsstopps andauere, desto spürbarer würden die finanziellen Auswirkungen auf die 120 oberfränkischen Firmen, die Geschäftsbeziehungen zu China pflegen.

Laut einer Blitzumfragen der Auslandshandelskammer rechnen viele Unternehmen mittlerweile mit einem Umsatzrückgang von über 20 Prozent. Mit dem Auftreten des Virus in Italien wachse auch in Deutschland die Sorge. Circa 300 oberfränkische Unternehmen pflegten Geschäftsbeziehungen zu Italien.

Noch könnten keine Aussagen zu den Auswirkungen des Virus auf die oberfränkische Wirtschaft gemacht werden. Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth, teilt mit: "Die Situation in China macht klar, dass wir ein länderübergreifendes und abgestimmtes Vorgehen brauchen, wenn sich der Virus auch in Europa ausbreitet". Hohenner fordert "einheitliche Vorgehen mit europaweiten abgestimmten Maßnahmen", um eine Verbreitung zu stoppen.

Der Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Jürgen Schmidt, sagt, dass der Arbeitgeber "im Rahmen der arbeitgeberseitigen Fürsorgepflicht insbesondere zum Schutz der Gesundheit seiner Mitarbeiter" verpflichtet ist, zum Beispiel Desinfektionsmittel bereitzustellen. Durch die Meldepflicht des Corona-Virus werde das zuständige Gesundheitsamt informiert und die notwendigen Schritte würden eingeleitet. Diese könnten auch die Schließung des Betriebs aus Sicherheitsgründen beinhalten.

Bei der Schließung des Betriebs "hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung". Der Arbeitnehmer hat jedoch kein Recht auf Home-Office.

Bernhard Steinbrückner, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Virologe und leitender Arzt am Klinikum Kulmbach, erklärt: "Der Corona-Virus ist mit dem bekannten Sars-Virus verwandt. Der offizielle Name des Virus lautet SARS CoV2. Das Virus verursacht eine Atemwegserkrankung".

Die Symptome seien den Symptomen der Influenza ähnlich - also Fieber, Husten, Gliederschmerzen. Bei Verdacht auf eine Erkrankung sollten Betroffene auf keinen Fall ohne Ankündigung zum Hausarzt gehen. Betroffene sollten am besten den Hausarzt telefonisch kontaktieren und das weitere Vorhergehen mit ihm besprechen. Der Einzelne könne sich durch korrekte Nies- und Hustetikette (in den Ellenbogen niesen) schützen.

Auf die Frage, wie das Kulmbacher Klinikum vorbereitet sei, antwortet Steinbrückner: "Es wurden Vorbereitungen, basierend auf frühere Epidemien, getroffen. Es werden Bereiche für betroffene Patienten im Klinikum eingerichtet, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten." Bernhard Steinbrückner sieht keinen Grund zur Hysterie. Die Lage sei schwer einzuschätzen, aber er geht von einer kommenden Krankheitswelle in Deutschland aus. Diese werde wohl verursacht von heimkehrenden Italienurlaubern.