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Großdemo

Landwirt aus Franken bei Bauern-Protest in Berlin: "Unerträglich, dass wir alle in einen Topf geworfen werden"

Der Pressecker Ralph Beyer ist mit dem Traktor in die Hauptstadt gefahren, um mit Tausenden von Landwirten gegen die Agrarpolitik zu demonstrieren.
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Die Traktoren stehen bereit. Auch der Pressecker Landwirt Ralph Beyer (Zweiter von links) und Marcel Schwinn aus Trailsdorf im Landkreis Forchheim (links) haben sich auf den Weg nach Berlin gemacht, um vor dem Brandenburger Tor gegen das Agrarpaket zu protestieren.  Fotos: Sonny Adam
Die Traktoren stehen bereit. Auch der Pressecker Landwirt Ralph Beyer (Zweiter von links) und Marcel Schwinn aus Trailsdorf im Landkreis Forchheim (links) haben sich auf den Weg nach Berlin gemacht, um vor dem Brandenburger Tor gegen das Agrarpaket zu protestieren. Fotos: Sonny Adam

Die Landwirte gehen auf die Barrikaden.Für Dienstag hat die Initiative "Land schafft Verbindung" zu einer Großdemo in Berlin aufgerufen. Erwartet werden etwa 5000 Teilnehmer und 2000 Traktoren aus ganz Deutschland. Auch ein Landwirt aus Presseck wird am Brandenburger Tor vorfahren.

Landwirt aus Oberfranken bei Protest in Berlin dabei

Als Sohn des Pressecker CSU-Bürgermeisters Siegfried Beyer hat Ralph Beyer eigentlich hervorragende Kontakte zur Politik. Doch wenn es um die Landwirtschaft geht, dann will er sich mit bloßen Worten nicht mehr abspeisen lassen. Er mag die Reden der Politiker nicht mehr hören, will sich nicht mehr von Aktionismus und Worthülsen ins Bockshorn jagen lassen, wie er sagt. "Wir haben genug. Es muss endlich Schluss sein mit Verboten. Wir fahren nach Berlin, um uns Gehör zu verschaffen", sagte Beyer vor seiner Abreise.

Schon vor der Demo zeigte er die Transparente, die er von der Initiative "Land schafft Verbindung" erhalten hatte. Darauf steht "Lieber Politiker, wir brauchen Verlässlichkeit!" oder "Lieber Politiker! Bitte mach Politik mit der Wissenschaft!"

"Wir haben doch Landwirtschaft von der Pike auf gelernt. Wir wissen, was wir tun. Wir werden nicht den Boden vergiften, denn wir leben doch davon. Wir müssen ihn erhalten, das ist unser Geld", sagte Beyer und führte noch aus, dass es sich mit dem Tierwohl ähnlich verhält. "Es ist unerträglich, dass wir alle in einen Topf geworfen werden. Nur wenn die Tiere gesund sind, bringen sie auch den gewünschten Ertrag", machte er klar.

Nur auf Land- und Bundestraßen

Ralph Beyer bewirtschaftet mit seiner Familie 150 Hektar Land. Tiere hat er nicht. "Alles, was wir wollen, ist, dass das Agrarpaket mit den Landwirten vorher abgestimmt wird. Das ist doch nicht zu viel verlangt."

Und aus diesem Grund ist er am Montag Richtung Berlin aufgebrochen, um am Dienstag an der Großdemonstration der deutschen Landwirte am Brandenburger Tor teilzunehmen.

Bauern aus Franken fahren über Autobahn nach Berlin

Ralph Beyer fuhr mit Nebenerwerbslandwirt Marcel Schwinn im Konvoi, weitere Landwirte aus ganz Franken - etwa Günter Schwab aus Kitzingen - haben sich angeschlossen: "Ich bin erst 17 Jahre alt, deshalb darf ich nicht auf der Autobahn fahren", so Marcel Schwinn, der aus Trailsdorf im Landkreis Forchheim stammt. Die beiden nahmen deshalb Bundes- und Landstraßen. "Wir fahren Richtung Lobenstein und dann weiter nach Berlin", lautete ihre Marschroute. Andere Landwirte aus Franken nutzten die Autobahn, die in Teilen extra für diese Aktion freigegeben wurde.

Zwölf Stunden unterwegs - mit maximal 40 Stundenkilometern

"Wir fahren die ganze Strecke mit maximal 40 Stundenkilometern. Wir sind rund zehn bis zwölf Stunden unterwegs. Aber das nehmen wir in Kauf, um zu zeigen, dass es uns ernst ist", sagte Ralph Beyer. Auch für Marcel Schwinn ist es keine Frage, mit dabei zu sein. "Sicherlich wird es anstrengend, die weite Strecke zu fahren. Aber die Sache ist es wert."

Die Initiative "Land schafft Verbindung" hat für eine Übernachtungsmöglichkeit gesorgt. Die beiden Oberfranken haben deshalb Schlafsäcke in die Schlepper gelegt, um die Nacht vor Berlin ausruhen zu können. Es ist alles genau vorgeplant.

Und am Dienstag in der Früh brechen die beiden dann zur zweiten Etappe auf, um pünktlich um 12 Uhr vor dem Brandenburger Tor zu sein. Sie rechneten mit einem Verkehrschaos in Berlin. Denn die riesigen Traktoren werden für volle Straßen und für stockenden Verkehr sorgen.

250 Schlepper allein aus Franken

Allein aus Franken haben sich 250 Schlepper angesagt, aus dem Allgäu machen sich 80 Landwirte mit schwerem Gerät auf den weiten Weg, aus Oberbayern 400. Viele Landwirte reisen zudem mit Bussen an, um sich in Berlin Gehör zu verschaffen.

Dann nannte Beyer noch konkrete Punkte: "Beim Raps hat man ein Beizeverbot erlassen. Die Beize setzten wir ein, um den Raps gegen Schädlinge wie den Erdfloh zu schützen. Aber der Effekt war, dass die Landwirte mehr Insektizide einsetzen mussten und dass 400.000 Hektar weniger Raps in Deutschland angebaut wurden." Diese Fläche habe den Bienen als Trachtfläche gefehlt.

Probleme mache auch das Gülleverbot. "Die Sperrfrist, in der keine Gülle ausgebracht werden kann, wird verlängert. Das heißt, dass die Bauern Güllegruben bauen müssen. Und wenn jemand nur einen kleinen Betrieb hat, lohnt sich das nicht. Ausgerechnet die kleinen Bauern, die man doch eigentlich will, müssen aufgeben", prognostizierte Beyer.

Gegen das "Buhmann"-Image

Die Landwirte möchten mit den verantwortlichen Politikern über das Agrarpaket sprechen und fordern klipp und klar eine Aussetzung der "mit heißer Nadel gestrickten" Maßnahmenliste. Sie wehren sich mit Vehemenz gegen die immer weiter fortschreitende Verbotspolitik und gegen das Image als "Buhmann". Zudem prangern sie das Mercosur-Abkommen für den gemeinsamen Markt Südamerikas an und fordern, qualitativ geprüfte, hochwertige Lebensmittel aus der Region anzupreisen statt auf Billigprodukte aus dem Ausland zu setzen.

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