Kulmbach
Lesung

Inspiriert von der Schwiegermutter

Die Geschichte, die die Münchner Autorin Beatrix Mannel in ihrem neuen erzählt, ist frei erfunden. Trotzdem hat sie mehr als ein Jahr lang recherchiert.
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Nach der Lesung signierte die Münchner Autorin Beatrix Mannel Bücher für die interessierten Leser.  Fotos: Sonny Adam
Nach der Lesung signierte die Münchner Autorin Beatrix Mannel Bücher für die interessierten Leser. Fotos: Sonny Adam
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Radio Freies Europa ist kein normaler Radiosender. Der Sender, der bis 1995 von München aus sendete, wurde am 1. Mai 1951 unter amerikanischer Regie gegründet, um Menschen in Osteuropa mit Nachrichten aus aller Welt zu versorgen. Immer wieder wurde der Sender mit Spionage und Anschlägen in Verbindung gebracht. Nach Ende des Kalten Krieges wurde der Hauptsitz von München nach Prag verlegt - nach wie vor sendet Radio Freies Europa in 25 Sprachen und in 20 Länder, erklärte die Autorin Beatrix Mannel.

Das Wissen um den Radiosender der besonderen Art hat sie mühevoll zusammengetragen: Mehr als ein Jahr lang recherchierte sie, um die besondere Welt dieses einzigartigen Radiosenders kennenzulernen. Warum sie für einen Unterhaltungsroman ein derart diffiziles Themenfeld aussuchte, quittierte die Autorin mit einem Lächeln: Es war ein Familienfoto, das sie auf die Idee für ihren neuen Roman gebracht hat - ein Foto von ihren Schwiegereltern.

Spannendes Umfeld

Ihre Schwiegermutter war Ungarin, ihr Schwiegervater Armenier. Beide lernten sich bei Radio Freies Europa kennen. "Die Geschichte der beiden ist zwar nicht so spannend: Sie haben sich einfach in der Kantine getroffen, haben sich geliebt und sind zusammengekommen", sagt die Autorin. Doch das Umfeld dieser Begegnung ließ die Autorin nicht mehr los. Denn Radio Freies Europa ist spannend, geheimnisumwittert.

Beatrix Mannel hat Theaterwissenschaften studiert. Sie ist Redakteurin, hat bei TV-Produktionsgesellschaften gearbeitet. Seit 1999 ist sie freie Autorin. Sie schreibt nicht nur Bücher für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Ihre Bücher - über 40 insgesamt - wurden bereits in zehn Sprachen übersetzt. Die Autorin machte sich bei der Lesung viel Mühe, um die Welt des Senders aufzuzeigen. Sie hat Fotos aus den Anfängen des Radiosenders mitgebracht - auch das Foto, das ihre Schwiegereltern zeigte.

Hauptfigur des Romans ist die junge, gut aussehende Liz Kiss. Liz geht einen gefährlichen Deal mit der CIA ein. Sie soll einen "Maulwurf" finden, der sich beim Sender Radio Freies Europa eingeschlichen hat. Wenn ihr dies gelingen würde, dann würde ihr Schwester Zsuzsa, die noch in Budapest lebt, ausreisen dürfen. Doch Liz hat so manche Hürde zu nehmen. Denn weder beim Leiter der ungarischen Abteilung, noch beim Sicherheitschef des Senders stößt sie auf Beliebtheit. Und dann ist da noch ein geheimnisvoller Kollege, der verschwunden ist und ein Pförtner, der Liz so gar nicht ausstehen kann. Die einzige, die Liz von Anfang an auf ihrer Seite hat, ist Rosi, eine Ur-Bayerin. Sie hilft ihr die Abneigung aufzubrechen und zu ermitteln.

Schon bei den Passagen, die die Autorin für das Publikum in Kulmbach ausgesucht hatte, wurde die Detailverliebtheit der Autorin klar. Mannels Schreibstil zeichnet sich durch Authentizität und Feinsinn auf. Jeder Charakter wird lebendig. Als Kunstgriff baut die Autorin wahre Ereignisse in ihren fiktiven Roman ein. Beatrix Mannel verstand es, die Menschen neugierig auf ihr Buch zu machen. Beatrix Mannel: "Fräulein Kiss träumt von der Freiheit"; Droemer Verlag, ISBN: 978-3426307205

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