Thurnau
Schloss-Gastronomie

Insolvenz: Warum griff die Stiftung in Thurnau nicht ein?

Ehemalige Mitarbeiter sind nach der Insolvenz der Schloss-Gastronomie in Thurnau frustriert und haben etliche Fragen. Die Stiftung sieht sich im Recht und zeigt sich zuversichtlich, was die Zukunft des Unternehmens angeht.
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Noch ungeklärt ist die Zukunft der Gastronomie im Thurnauer Schloss.  Foto: Archiv
Noch ungeklärt ist die Zukunft der Gastronomie im Thurnauer Schloss. Foto: Archiv
Zunächst fehlten ihnen "schlicht und ergreifend die Worte", jetzt haben sich vier ehemalige Mitarbeiter der in Insolvenz gegangenen Gastronomie und Service GmbH im Schloss Thurnau mit einem Schreiben an die Bayerische Rundschau gewandt.

Inhalt: Offene Fragen im Zusammenhang mit der Berichterstattung darüber, dass die Frankenfarm bis Jahresende im Schloss aushilft.

Insbesondere Aussagen des Vorsitzenden der gräflich-giechschen Spitalstiftung, Jürgen Meins, und von Frankenfarm-Geschäftsführer Jürgen Stübinger, stießen bei Amelie Ramming, Andreas Kemnitz, Ilse Raschke und Nancy Kräußel auf Unverständnis.
 
Fragen über Fragen

Wie die Gastronomie und Service GmbH mit den Geschäftsführern Herbert und Boris Friedrich das Schloss überhaupt 20 Jahre bewirtschaften konnte, wenn doch die Organisation angeblich nicht
passe, fragen sie sich. Und warum die Stiftung nicht früher eingegriffen habe und gemeinsam mit der Familie Friedrich eine Lösung angestrebt habe? Wie es denn zu verstehen sei, dass die Stiftung Geld verloren habe, rätseln die ehemaligen Mitarbeiter.

Keine Beschuldigung

Beschuldigen, so heißt es in dem Schreiben ausdrücklich, möchten die Verfasser niemanden. Doch sei für sie "einiges sehr unverständlich" abgelaufen, während alle an einem Strang gezogen und versucht hätten, die eigenen Arbeitsplätze zu retten. Ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der Familie Friedrich, hingegen sagen Amelie Ramming, Andreas Kemnitz, Ilse Raschke und Nancy Kräußel Dank; Dank "für den fairen und offenen Umgang während dieser schweren Zeit und in den gesamten vergangenen Jahren".

Jürgen Meins, Vorsitzender der gräflich-giechschen Spitalstiftung, hat Verständnis für den Frust der ehemaligen Mitarbeiter. "Die Stiftung bedauert die Entwicklung außerordentlich. Mitglieder des Vorstands waren wiederholt in Thurnau zu Gast und angetan von der Leistung und der Freundlichkeit der Mitarbeiter." Meins hat da ganz persönliche Erfahrung: " Ich habe sogar meinen 60. Geburtstag dort gefeiert und war begeistert", sagt er. Das freilich ändere nichts an Tatsachen. So habe die Stiftung offene Miet- und Pachtzinsen sowie Nebenkostenrechnungen über 101 000 Euro zur Insolvenztabelle anmelden müssen; dieses Geld sei verloren. Und eine fünfstellige Rückstellung aus 2012/2013 habe man nicht eingefordert. "Da war die Stiftung sehr großzügig", so seine Anmerkung.

Was das Thema Bauverzögerungen angehe, sei die Familie Friedrich stets auf dem Laufenden gewesen. "Die haben genau den Baufortschritt gekannt. Es war schon Anfang 2013 klar, dass das nicht bis zum Sommer zu schaffen ist."

Die Frage, warum die Stiftung nicht früher eingegriffen und mit der Familie Friedrich eine Lösung angestrebt habe, kann Jürgen Meins aus seiner Sicht nicht nachvollziehen. "Es hat mehrere Gespräche gegeben zwischen dem Stiftungsvorstand und der Familie Friedrich. Aber eine finanziell tragbare Lösung hat sich nicht abgezeichnet", so der Vorsitzende.

Wie berichtet, wird die Frankenfarm nach der Insolvenz der Gastronomie und Service GmbH die Bewirtschaftung auf Schloss Thurnau aushilfsweise bis Jahresfrist übernehmen - und zwar ausschließlich bei Veranstaltungen wie Hochzeiten und Familienfeiern. Eine Bewirtschaftung an sieben Tagen pro Woche kann es nicht geben, wie Geschäftsführer Jürgen Stübinger betont.

Lösung bis Jahresende

Ansprechpartner - auch für noch geplante Veranstaltungen im Schloss - ist der Frankenfarm-Geschäftsführer. Eine Pacht hat die Frankenfarm nicht an die Stiftung zu bezahlen, wohl aber eine Umsatzdividende. Jürgen Meins zeigt sich unterdessen zuversichtlich, dass bis zum Jahresende eine Lösung in der Pächter-Frage gefunden wird.
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