Neudrossenfeld

Insolvenz: Für Trübsal ist kein Platz

Die Belegschaft der Neudrossenfelder Holtz AG ist trotz der Schreckensnachricht über die Insolvenz positiv gestimmt. "Es geht weiter", sagt Drucker Ismet Kilic. Vorstand Alexander Schorsch spricht über einen "bitteren Tag" und die Gründe für die wirtschaftliche Schieflage.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ismet Kilic ist Druckmaschinenführer bei der Holtz AG. Er ist zuversichtlich, dass die Produktion über Januar hinaus weiter läuft. Foto: Alexander Hartmann
Ismet Kilic ist Druckmaschinenführer bei der Holtz AG. Er ist zuversichtlich, dass die Produktion über Januar hinaus weiter läuft. Foto: Alexander Hartmann
Trübsal blasen ist bei Ismet Kilic nicht angesagt, auch wenn ihn die Nachricht von der Insolvenz seines Arbeitgebers, der Holtz AG, sehr getroffen hat. "Bei uns geht's weiter", sagt der Druckmaschinenführer, der an der Linie "Magic Moments" im Edeldruckverfahren Werbebroschüren herstellt und trotz der Schreckensmeldung zu Wochenbeginn alles andere als Untergangsstimmung verspürt.

Betriebsrat lockt Investor

Wer durch die Produktionsräume des insolventen Neudrossenfelder Druckunternehmens läuft, sieht hochmotivierte Mitarbeiter, die an modernen Maschinen arbeiten. "Wir sind alle hoffnungsvoll, dass eine tragfähige Lösung gefunden wird", erklärt Betriebsratsvorsitzender Matthias Mehringer. Sein Stellvertreter Heiko Ebert versichert, dass ein Investor auf eine tatkräftige Belegschaft treffen wird.
Dass die Holtz AG in wirtschaftliche Schieflage geraten sei, sei kein hausgemachtes Problem. "Wir haben vor allem auch darunter gelitten, dass 2011 einige Kunden insolvent gegangen sind und daher kein Geld an uns geflossen ist."

Voll ausgelastet

Dass die Firma großes Potenzial hat, davon ist Alexander Schorsch überzeugt, der am Freitag Insolvenzantrag gestellt hat. "Das war für mich ein sehr bitterer Tag", sagt der Vorstand. Zumal Aufträge vorhanden seien, die Druckerei voll ausgelastet sei. "Wir arbeiten sieben Tage in der Woche", betont Schorsch, der die 53 Mitarbeiter beruhigen will. Er glaubt nicht, dass es viele Entlassungen geben wird, macht deutlich, dass die AG gut aufgestellt sei.

Im Aufwärtstrend

Das operative Ergebnis, das man in den vergangenen Monaten erzielt habe, sei positiv. Es seien Altlasten aus dem äußerst schwierigen Geschäftsjahr 2011, die die Firma in wirtschaftliche Not gebracht hätten. Schon zu Jahresbeginn habe man reagiert. Es habe Veränderungen in der Geschäftsleitung gegeben. Um Kosten zu reduzieren, habe man zehn Mitarbeitern kündigen müssen. Die Firma befinde sich heute im Aufwärtstrend, der Rohertrag sei zuletzt um über zehn Prozent gesteigert worden. Doch habe letztlich die Liquidität gefehlt, sagt Schorsch, der Ende der vergangenen Woche die Notbremse ziehen musste.
Nicht nur die Zahlungsunfähigkeit einiger Großkunden macht er für die missliche Situation verantwortlich. Begründet sei diese auch mit in der Lage der Branche, die schwer gebeutelt werde. "Das Marktvolumen für gedruckte Werbung ist kleiner geworden", erklärt Schorsch, der für die Holtz AG aber eine Zukunft sieht. "Weil wir uns durch ein spezielles Angebot von der Konkurrenz abheben." Dazu zählt er die Linie "Magic Moments", ein besonderes Edeldruckverfahren, das hohe Zuwachsraten verzeichne.

Das sagt die Gewerkschaft

Ob die Holtz AG eine Zukunft hat? Die Gewerkschaft Verdi kann dazu keine Einschätzung abgeben. "Wir haben noch zu wenig Infos. Auch mit dem Betriebsratsvorsitzenden hatten wir noch keinen Kontakt", sagt Landesbeauftragte Christa Hasenmaile. Hasenmaile spricht vom Preiskampf, der seit Jahren tobe und Opfer fordere. "Es gibt zu viel Kapazitäten, aber zu wenig Aufträge in der Branche." Volle Auftragsbücher seien keine Garantie für einen wirtschaftlichen Betrieb. Viele Firmen würden Aufträge annehmen, "damit die Maschinen laufen, auch wenn sie nichts daran verdienen". Man spreche dann von einer Vollauslastung, die aber teilweise zur Unterdeckung führe. Eine Insolvenz, so die Verdi-Sprecherin, bedeute aber nicht gleich das Aus: "Es ist schon so manches Unternehmen zu neuem Leben erwacht."

Alle hoffen auf Ulrich Graf

Dass die Holtz AG keine Aufträge annimmt, die keinen Gewinn versprechen, versichert Vorstand Alexander Schorsch. Die Betriebsratssprecher Matthias Mehringer und Heiko Ebert erklären, dass die Belegschaft all ihre Hoffnung nun auf Ulrich Graf legt. Der Bayreuther Rechtsanwalt ist am Montag zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Graf selbst wagt noch keine Prognose zur Zukunft der Firma. Eine solche, so der Rechtsanwalt, könne er frühestens nächste Woche abgeben.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren