Grafengehaig
Wirtschaft

Insolvente Horn KG: Fällt bald der letzte Vorhang?

Der Tag der Wahrheit rückt nahe bei der Grafengehaiger Horn KG. Der insolvente Hersteller von Heimtextilien hat zum Monatsende allen verbliebenen 47 Beschäftigten gekündigt. Für Donnerstag ist eine Betriebsversammlung angesetzt. Eine Stellungnahme der Firmenspitze gab es vorab nicht.
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Die verbliebenen 47 Mitarbeiter der Grafengehaiger Horn KG sind offiziell zum Freitag, 31. Januar, gekündigt. Foto: Jochen Nützel
Die verbliebenen 47 Mitarbeiter der Grafengehaiger Horn KG sind offiziell zum Freitag, 31. Januar, gekündigt. Foto: Jochen Nützel
Am Donnerstag zur Mittagszeit kommt womöglich Licht ins Dunkel, was die Zukunft der Horn KG in Grafen gehaig angeht. Die Geschäftsführung des insolventen Textilherstellers hat nach Aussage von Mitarbeitern eine Betriebsversammlung anberaumt. Eventuell die letzte für die verbliebenen 47 Angestellten - denn offiziell sind sie zum Freitag, 31. Januar, gekündigt. Weiterbeschäftigung? Fraglich.

Ausgesprochen hatte diese Kündigungen schon vor längerem Stefan Oppermann. Ihn hatte das Amtsgericht Bayreuth im März 2013 sozusagen als Steuermann auf die Brücke des schlingernden Horn-Schiffs beordert. Der Rechtsanwalt gehört zur Nürnberger Niederlassung der Insolvenzverwalterkanzlei Curator AG, er soll die Geschäftsleitung begleiten und überwachen.

Der 54-Jährige betreut das Unternehmen in einer so genannten Insolvenzverwaltung in Eigenverwaltung. Das wiederum bedeutet: Eine Zerschlagung des Betriebs ist nicht nötig, das Unternehmen kann eine - wie auch immer geartete - Neuausrichtung planen und mit der bestehenden Geschäftsführung den Weg aus der Krise nehmen.

Mitarbeiter haben Fragen
Wie diese neue Ausrichtung aussieht? Ob ein zusätzlicher Investor ins Boot geholt wird? Mit wie vielen Mitarbeitern es eventuell weitergeht oder ob sich in drei Tagen doch die Vorhänge für immer senken in der Produktionsstätte an der Hauptstraße 1? Berechtigte Fragen der Belegschaft, die spätestens heute auf Antworten hofft.
Die Bayerische Rundschau hatte gestern sowohl bei Sachverwalter Oppermann als auch bei Geschäftsführer Jan Peter Büning wegen einer Stellungnahme zur aktuellen Entwicklung angefragt. Gemeldet hatte sich bis zum Abend keiner der beiden.

So ist Vieles im Vagen bei den Beschäftigten. Was die Zahl der Arbeitsplätze angeht, war diese bereits im Vorjahr erheblich geschrumpft. Von den ursprünglich 78 Mitarbeitern verblieb eine Kernmannschaft von 47. Geschäftsführer Jan Peter Büning hatte die Reduzierung damit begründet, dass es eine "verfahrenstechnische Notwendigkeit" im laufenden Insolvenzverfahren sei.

Betroffen vom Stellenabbau waren alle Bereiche des Unternehmens: Sowohl in der Verwaltung als auch in der Produktion und im Vertrieb mussten Leute gehen. Oppermann hatte vor einigen Monaten noch die Hoffnung geäußert, auch möglichst viele der entlassenen Mitarbeiter wieder bei der Horn KG in Lohn und Brot zu bringen.
Der Markt für Textilien ist ein schwieriger, vor allem bedingt durch Billig-Importe aus Asien. Bei Horn verschärfte die Kündigung eines Kredits die Lage zusätzlich. Im vergangenen Jahr war aus der Unternehmensspitze noch verlautbart worden, man wolle den Produktionsbereich der technischen Textilien ausbauen, um in dieser Sparte neue Umsätze zu generieren. Dieses Konzept wollte man auch den Gläubigern vorstellen. Das Insolvenzverfahren hatte Büning eigentlich "bis spätestens zum Jahresende" 2013 abschließen wollen, um in den normalen Geschäftsbetrieb überzugehen.

Burger bemängelt Infopolitik
Grafengehaigs Bürgermeister Werner Burger sieht die jüngsten Entwicklungen mit Sorge, wie er der BR gegenüber sagte. "Die spärliche Informationspolitik vor allem von Sachverwalter Oppermann halte ich für ungut, zumal die Mitarbeiter zur Firma stehen und diese Ungewissheit nicht verdienen."

Burger könne aus seiner Warte nicht beurteilen, ob und wie es mit der Horn KG weitergeht. "Ich weiß natürlich, dass gerade die Textilien-Sparte eine ist, in der viele Firmen mit zum Teil großen Problemen zu kämpfen haben." Auf die Frage, ob ein immer wieder ins Gespräch gebrachter Investor die Rettung bringen könne, antwortet Burger: "Könnte vielleicht, allein ich sehe momentan keinen."

Auch für die Gemeinde wäre eine Pleite ein Schlag ins Kontor. "Die Firma Horn hat über Jahrzehnte den Wirtschaftsstandort Grafengehaig geprägt und ist der größte Gewerbesteuerzahler. Sollte das Unternehmen tatsächlich abgewickelt werden müssen, wäre das eine Vernichtung von Werten in hohem Maß."

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung zeigte der Bürgermeister wenig Verständnis dafür, dass laut Insolvenzplan für Sachverwalter Oppermann ein Honorar von 197.000 Euro eingeplant sei, "während Menschen in meiner Gemeinde um ihren Arbeitsplatz und damit ihre persönliche Existenz bangen".
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