Trebgast
Theater

In Trebgast wird ein Schauspiel gegen das Vergessen gezeigt

Das Theater in der Kirche zeigt in dem Stück "Die Nacht in Flossenbürg" Szenen aus dem Leben Dietrich Bonhoeffers.
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"Den Bonhoeffer will ich irgendwann mal spielen", hat Nicolas Peter als 13-Jähriger gesagt. Foto: Werner Reißaus
"Den Bonhoeffer will ich irgendwann mal spielen", hat Nicolas Peter als 13-Jähriger gesagt. Foto: Werner Reißaus

Szenen aus dem Leben Dietrich Bonhoeffers zeigt das Theater in der Kirche (Tik) in dem Schauspiel "Die Nacht in Flossenbürg". Premiere ist am Sonntag, 3. November, um 18 Uhr in der Johanneskirche in Trebgast.

Dietrich Bonhoeffer war Pfarrer, Theologe, Leiter eines Predigerseminars - und Widerstandskämpfer. Und alles war er auf eine erstaunliche Weise. Er hat der Nachwelt und - nicht nur der evangelischen - Kirche über seinen frühen, gewaltsamen Tod hinaus viel zu sagen.

Bewegendes Stück Geschichte

Karlheinz Komm bringt mit "Die Nacht von Flossenbürg" ein bewegendes Stück deutscher Geschichte auf die Bühne.

Einen Tisch und zwei Stühle, mehr brauchen die Akteure nicht. Spielfläche ist der Altarraum, die Zuschauer sitzen in den Kirchenbänken. Der Titel lässt erahnen, dass es keine leichte Kost wird, denn Flossenbürg in der nördlichen Oberpfalz hat vor allem durch den Standort eines Konzentrationslagers im Dritten Reich traurige Bekanntheit erlangt.

Genau dort spielen sich auch weite Teile des Stücks ab, genauer gesagt in einer Zelle im Todestrakt. Komm hat eine dramatische Szenenfolge geschaffen, einen fiktiven Bericht über Bonhoeffers Todesnacht. Denn es ist nicht bekannt, was sich in der Nacht vom 8. auf den 9. April 1945 tatsächlich in der Zelle des Konzentrationslagers Flossenbürg zugetragen hat, in der er auf seine Hinrichtung wartete.

Tod durch den Strang

Erst einen Tag zuvor war er von einem SS-Standgericht wegen seiner Beteiligung an den Vorbereitungen zur Beseitigung Hitlers zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Bonhoeffer wurde erst 50 Jahre nach seinem Tod vom Berliner Landgericht rehabilitiert.

Komm bringt einen Wärter (Benedikt Lehmann) ins Spiel, um einen Dialog mit Bonhoeffer (Nicolas Peter) zu ermöglichen. Immer wieder tritt Bonhoeffers Mutter (Barbara Wunsch) auf, die aus seinen Briefen liest. Sie steht rückwirkend im Dialog mit ihrem Sohn, um wesentliche Stationen aus dessen Leben aufzugreifen.

"Mutig war er ganz gewiss"

"War die letzte Nacht voller Licht oder war sie voller Angst und Dunkelheit?", fragt sie. "Wir wissen nicht, wie es gewesen ist, wir können nur erahnen, wie es gewesen sein könnte." An einem aber hatte sie keinen Zweifel: "Mutig war er ganz gewiss."

Den Lagerarzt verkörpert Michael Lehner. Für die Inszenierung ist Jürgen Peter zuständig, Ingeborg Peter sorgt für die Kostüme, Michael Lehner ist für die Technik verantwortlich.

Tiefe Gewissenskonflikte

In dem Stück spiegeln sich Bonhoeffers Einstellung zum Leben, zum Tod und sein Verantwortungsgefühl den Menschen gegenüber wider, aus dem heraus er vom bekennenden Christen und Menschenrechtler zum Verschwörer wurde.

Von den unsagbaren Dimensionen der nationalsozialistischen Verbrechen ließ er sich zum Äußersten treiben, sie stürzten ihn aber auch in tiefe Gewissenskonflikte.

Dietrich Bonhoeffer befürwortete den Tod Adolf Hitlers, unterstrich aber dabei ganz deutlich, dass dieses gegen das Gebot Gottes verstoße, wofür er zu büßen bereit sei. Im "festen Glauben an ein neues Sein nach dem Tode, wie immer es auch aussehen mag", wartete er auf seine Henker.

Ein Interview mit Nicolas und Jürgen Peter lesen Sie am 30. Oktober in der Bayerischen Rundschau.

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