Thurnau
Initiative

In Thurnau ist Kultur für Kinder erlebbar

Kinder und Kultur - passt das zusammen? Auf jeden Fall, findet Katharina Müller-Sanke. Deshalb hat sie eigens eine Veranstaltungsreihe organisiert.
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Die Eintrittskarten für die von Katharina Müller-Sanke gegründete "Kinderkultur in Thurnau" sind mit ihrer runden Form und den bunten Farben nicht nur für Kinder ansprechend. Mirjam Stumpf
Die Eintrittskarten für die von Katharina Müller-Sanke gegründete "Kinderkultur in Thurnau" sind mit ihrer runden Form und den bunten Farben nicht nur für Kinder ansprechend. Mirjam Stumpf
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Mit Kindern auf einer Augenhöhe zu sein, ist ihr ein wichtiges Anliegen, sagt Katharina Müller-Sanke und zeigt ihre Überzeugung mit einem offenen Lächeln. Daher gründete die 35-Jährige im vergangenen Jahr die Veranstaltungsreihe "Kinderkultur in Thurnau". Sie soll Kindern im Vor- und Grundschulalter auf ansprechende Weise Kunst und Kultur und deren Vielfalt näher bringen. "Familiär, nah, kindgerecht - und kein Quatsch", beschreibt die zweifache Mutter die Qualität, die sie dabei anstrebt.

Den Wunsch, Kinder ungezwungen in Verbindung zur Kultur zu bringen, entwickelte sie nach einem Besuch mit ihrer damals sechsjährigen Tochter im Musical "Bibi Blocksberg" in Kulmbach, das eigentlich eigens für Kinder gemacht ist. "Das kann doch nicht alles sein" berichtet sie von ihrer Reaktion auf die Vorführung, die sie seinerzeit als zu lieblos gemacht empfunden hat..

Die Idee der Veranstaltungsreihe entstand anschließend aus dem Vorhaben, Kindern aus eigener Initiative zu zeigen, dass Kunst und Kultur Spaß macht, zugleich aber auch ernst sein kann. "Kultur muss nicht immer wild und schrill sein", ist ihre Meinung. Und sie dürfe einen gewissen Anspruch haben.

Die Kinderkultur wird ausgezeichnet

Die Kasendorferin, die unter anderem auch als freie Journalistin tätig ist, arbeitet seit kurzem halbtags in der Öffentlichkeitsarbeit für den Landtagsabgeordneten Martin Schöffel (CSU). Ihre Hauptarbeit sieht Katharina Müller-Sanke aber im Schreiben ihres Blogs mit dem Namen "Kinderleute".

"Ich denke viel darüber nach, wie man mit Kindern umgeht", offenbart sie ihre Leidenschaft. Der Blog biete eine feste Plattform für den Austausch unter Eltern, hauptsächlich Mütter. Bereits rund 50.000 Leserinnen besuchen ihren Blog bereits, für den sie viel Zeit und Mühe aufbringt. Auch deshalb gründete sie die Reihe "Kinderkultur in Thurnau", da Kinder und Kultur sehr gut zusammenpassen würden.

Für dieses Engagement wird der 35-Jährigen am kommenden Samstag bei der Kulmbacher Ballnacht der Sozial- und Kulturpreis der Kulmbacher Service Clubs verliehen. Einmal im Jahr ehren die Service-Clubs damit hervorragende künstlerische oder soziale Leistungen.

Den offiziellen Aufruf für die Bewerbung auf den Kulturpreis hat sie im vergangenen Herbst in der Zeitung gesehen, erinnert sie sich. Anschließend habe sie die Anzeige ausgeschnitten und daheim an die Pinnwand gehängt. "Da will ich mich noch bewerben, habe ich mir gedacht", erzählt Katharina Müller-Sanke. Doch dann blieb der Zettel erst einmal eine Weile unbeachtet. Bis er ihr am letzten Tag des Bewerbungszeitraums im Januar wieder einfiel und sie kurzerhand eine Bewerbung verfasste, in der sie hauptsächlich die Motivation ihres Projektes beschrieb und die die Jury überzeugte.

Viele helfende Hände

Mit ihrem Anliegen, hochwertige, kindgerechte Kultur in Thurnau zu organisieren, wandte sie sich zunächst an Wolfgang Krebs, der das Thurnauer Schlosstheater betreibt. Der Schauspieler, Intendant und Regisseur hat früher am "Kinder-Kultur-Abo" mitgewirkt, dessen Konzept ähnlich dem von Katharina Müller-Sanke war. Und doch ist bei der "Kinderkultur in Thurnau" einiges anders als beim "Kinder-Kultur-Abo". Dank der Unterstützung von Wolfgang Krebs können einige der Veranstaltungen beispielsweise in den schmuckvollen Räume des Schlosses Thurnau stattfinden.

Die Reihe ist darüber hinaus nicht in einer Vereinsstruktur eingebettet, Katharina Müller-Sanke organisiert sie bisher ehrenamtlich. Unterstützung erfährt sie allerdings von mehreren Partnern. Die Gemeinde und Thurnaus Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) stehen hinter dem Projekt,, so Katharina Müller-Sanke. Darüber hinaus gestaltet die Grafikerin Sabrina Spielbühler-Stumpf für sie kostenlos die Flyer und Eintrittskarten. "Weil ihr das Thema selbst am Herzen liegt."

Kinderkultur als Familienbesuch

Auf etwa 10.000 Euro belaufen sich die Kosten einer Reihe, die vier bis fünf Veranstaltungen umfasst. Dafür bemüht sie sich im Laufe des Jahres um Sponsoren. Partner sind unter anderem Sigikid oder Töpfer Kulmbach. Denn den Künstlern möchte sie dabei einen festen und fairen Betrag zahlen. "Damit die Kinder auch gleich vermittelt bekommen, Kunst wertzuschätzen", begründet die Initiatorin.

Hauptsponsor wird in diesem Jahr die Sparkasse Kulmbach-Kronach sein. Von der Initiative ist auch deren Vorstandsmitglied Steffen Potstada überzeugt: "Es ist besonders wichtig, die Kinder bei den Themen Kunst und Kultur, als wichtige Bausteine der Bildung und Persönlichkeitsentwicklung, frühzeitig mitzunehmen - mit der Veranstaltung Kinderkultur in Thurnau gelingt dies hervorragend."

Die erste Veranstaltung, ein Musikabend mit Mitgliedern der Bamberger Symphoniker, fand im Juli 2018 statt. "Ich möchte Kindern zeigen, dass auch klassische Musik lebendig ist", sagt sie. Bei der Künstlerauswahl achte sie darauf, dass diese möglichst vielfältig ist. So wird es in diesem Jahr auch wieder einen Kunstworkshop zum Künstler Paul Klee geben. "Die Kinder wissen dann teilweise mehr als die Erwachsenen", erzählt sie schmunzelnd.

Ansonsten sucht die 35-Jährige gezielt nach passenden Künstlern oder achtet auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Da sie sich selbst sehr für Kulturelles interessiert, hatte sie den Schauspieler Markus Veith beispielsweise selbst im Theater gesehen. "Ich konnte mir bei ihm gut vorstellen, dass er auch ein Kinderstück im Repertoire hat", berichtet sie von ihrer Vermutung, mit der sie Recht behielt.

Besonders freue sie sich, wenn Familien, die vorher nicht in übersteigertem Maße an kulturellen Ereignissen interessiert gewesen sind, eine Veranstaltung begeistert verlassen. Oder wenn Großeltern, Eltern und Kinder den Besuch eines Events als gemeinsames Familienereignis sehen. "Zuerst dachte ich, die Kinder kämen alleine. Aber tatsächlich ist es schön zu sehen, wie es alle als Familie zusammen genießen", sagt Katharina Müller-Sanke dazu, dass auch die älteren Begleiter von dem für Kinder ausgerichteten Programm profitieren können.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Katharina Müller-Sanke hofft, die "Kinderkultur in Thurnau" in Zukunft weiterleben zu lassen. Das Preisgeld, das sie nun mit dem Kulturpreis erhält, werde ihr dabei schon einmal helfen. Auch die finanzielle Unterstützung des Hauptsponsors sorgt dafür, dass sie optimistisch auf die kommenden Jahre blickt. "Kinderkultur soll Bestand haben und weiter wachsen. Dass das geht, daran haben der Kulturpreis und auch die Sparkasse einen großen Anteil", so Katharina Müller-Sanke tatkräftig.

Ein langfristiges Ziel sei es zudem, mehrere Standorte in Oberfranken aufzubauen. "Bisher war mir das Risiko dafür aber noch zu hoch", erzählt sie. Die Leidenschaft für die Kunst scheint aber offenbar in der Familie zu liegen. "Meine Oma hat den Kulturpreis vor vielen Jahren selbst gewonnen."

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