Mainleus
Prozess

In Mainleus kam die Rumänenbande in der Nacht

In Bayreuth stehen fünf Angeklagte vor Gericht, die in Mainleus Metall im Wert von 165 000 Euro gestohlen haben sollen.
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Bei der Firma AFC Hartmetall in Mainleus wurde vor einem Jahr eingebrochen. Gestohlen wurde knapp eine Tonne Metall im Wert von 165 000 Euro. Dafür soll eine Rumänenbande verantwortlich sein, die jetzt vor Gericht steht. Foto: Stephan Tiroch
Bei der Firma AFC Hartmetall in Mainleus wurde vor einem Jahr eingebrochen. Gestohlen wurde knapp eine Tonne Metall im Wert von 165 000 Euro. Dafür soll eine Rumänenbande verantwortlich sein, die jetzt vor Gericht steht. Foto: Stephan Tiroch
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Zu fassen kriegt man sie fast nie. Sie kommen nach Deutschland, räumen Häuser, Garagen oder Lager aus und verschwinden unerkannt. Selten, dass eine ganze Rumänenbande - wie jetzt in Bayreuth - vor Gericht steht. Die fünf Männer im Alter von 32 bis 48 Jahren sollen für einen dreisten Einbruch am 24. Februar 2019 in Mainleus verantwortlich sein: Aus der Firma AFC Hartmetall wurde in der Nacht knapp eine Tonne Metall im Wert von 165 000 Euro weggeschafft.

Die 1. Strafkammer des Landgerichts will den Fall internationaler Bandenkriminalität in fünf Verhandlungstagen aufklären. Was, wie sich am Montag zeigte, ziemlich aufwendig wird. Denn die fünf rumänischen Staatsangehörigen sprechen kein Deutsch. Eine Simultandolmetscherin muss alles, was im Schwurgerichtssaal gesprochen wird, übersetzen.

Verständigungsschwierigkeiten und technische Probleme mit der nagelneuen Sprechanlage machten den Prozessbeginn am Montag nicht einfacher. Vorsitzender Richter Bernhard Heim brauchte fast eine halbe Stunde, um die Personalien der Angeklagten festzustellen.

Angeklagte mit Fußfesseln

Es handelt sich um einen Landwirt (48), seinen Neffen (35), einen Automechaniker (37) und einen Bauhelfer (37), der auch schon in Deutschland tätig war. Sie sitzen seit ihrer Festnahme zwischen Mai und Juli in Untersuchungshaft und wurden mit Fußfesseln aus den Justizvollzugsanstalten Bayreuth, Hof, Bamberg und Nürnberg ins Gericht gebracht. Ihnen wird schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen. Darauf steht Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren.

Auf freiem Fuß befindet sich nach anfänglicher U-Haft von elf Wochen ein 32-jähriger Handwerker. Ihm wird nur Beihilfe zur Last gelegt. Er lebt seit zweieinhalb Jahren in der Nähe von München und arbeitet am Bau.

Um den komplizierten Prozessverlauf zu vereinfachen, regten die Verteidiger ein Rechtsgespräch an. Das Gericht lehnte jedoch Verfahrensabsprachen ab. Rechtsanwalt Maximilian Richter aus München meinte: Wenn man sich auf einen Strafrahmen einige, "dann wäre allen geholfen". Davon hielt das Gericht nichts. Erst nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme könne man über den Schuldspruch entscheiden, so der Vorsitzende.

Konspirative Wohnung

Auch Staatsanwältin Kathrin Hecht hatte kein Interesse an einer Verständigung. Sie erhofft sich, mehr über geplante oder weitere Taten zu erfahren, und trug die Anklageschrift vor. Demnach hatten sich die vier Hauptangeklagten zusammengetan, um gemeinsam Straftaten zu begehen. Vor dem Einbruch in Mainleus quartierte sich die Bande vier Tage bei dem Landsmann bei München ein.

Am Abend des 23. Februar war der Tag X. Mit einem schwarzen Mercedes-Transporter fuhren der Landwirt und der Automechaniker los. Die beiden anderen Landsleute brachte der Münchner mit seinem BMW nach Oberfranken. Man traf sich vor Mitternacht auf einem Parkplatz im Raum Kulmbach. Dort musste der Chauffeur warten. Seine Landsleute machten sich zu viert auf den Weg nach Mainleus.

Beute: eine Tonne

Der Einbruch dauerte geraume Zeit. Tatzeit zwischen 0 und 4 Uhr, wie die Staatsanwaltschaft annimmt. Die Bande drang durch den Notausgang in das Mainleuser Unternehmen ein. Die Tür wurde aufgebrochen. Im Visier der Täter: Rohlinge für Hartmetallbohrer, Metalle, Metallstifte und sonstiges Material. Die Beute hatte einen Wert von 165 000 Euro. Knapp eine Tonne wurde in dem auf einem Feldweg in der Nähe abgestellten Kleinbus verladen.

Das wertvolle Material schafften die zwei Mercedes-Fahrer sofort ins Ausland. Der Weiterverkauf erfolgte vermutlich an Abnehmer in Rumänien oder Tschechien. Die Besatzung des BMW ließ sich nach getaner Arbeit wieder nach Oberbayern fahren.

Chauffeur legt Geständnis ab

Der Chauffeur legte ein Geständnis ab. Da er seinen Landsleuten Unterschlupf gewährte, sie nach Kulmbach fuhr und billigend in Kauf nahm, dass sie Straftaten begehen, wird ihm Beihilfe zur Last gelegt.

"Es stimmt, was in der Anklage steht", sagte der 32-Jährige. Er gab an, von dem Neffen angerufen worden zu sein, mit dem er schon lange befreundet ist. Er habe nicht gewusst, was seine Landsleute planen, und habe auch nicht danach gefragt. Für die Überlassung des Zimmers sollte er 600 Euro erhalten, die er nicht bekam, und für die Fahrt noch mal 500 Euro, die er dann wieder zurückgeben musste.

Hinterher, so der Bauhandwerker, habe er für das Quartett noch einen VW Sharan gekauft und auf seinen Namen zugelassen. "Sie brauchten ein Fahrzeug mit deutschen Kennzeichen, um nicht von der Polizei kontrolliert zu werden", erklärte der Mann. Der Sharan sei auch benutzt worden: "Sie haben nichts gesagt, aber mir war klar, dass sie klauen waren."

Gab es Komplizen vor Ort?

Woher wussten die Angeklagten, dass man in Mainleus fette Beute machen kann? Wie konnten sie - ohne Deutschkenntnisse - die Örtlichkeit auskundschaften? Gab es womöglich einen Komplizen vor Ort? Und wie kam ihnen die Polizei auf die Schliche? Lauter offene Fragen, die an den weiteren Verhandlungstagen gestellt werden. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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