Kulmbach

In Kulmbach stehen kleine Symbole für große Traditionen

Zwei Buchstaben an einem Gebäude im Kulmbacher Kressenstein erinnern an den Brauer Christian Haberstumpf.
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In diesem Gebäude am Kressenstein wohnte einst der Brauer Christian Haberstumpf. Foto: Erich Olbrich
In diesem Gebäude am Kressenstein wohnte einst der Brauer Christian Haberstumpf. Foto: Erich Olbrich
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Marcus Olbrich In früheren Entdecker-Touren haben wir bereits über die Initialen bekannter Brauer aus Kulmbach berichtet, die im Kressenstein ihre Wohngebäude hatten. An dieser Haupteinfallstraße, von Bayreuth, Bamberg oder dem Bahnhof kommend, gaben diese Familien ihre "Visitenkarte" ab. Der Kressenstein war die Wohnstraße der Bierbrauer.

"Bauboom" im 19. Jahrhundert

Auf ein Gebäude möchten wir heute näher eingehen: das Wohnhaus von Christian Haberstumpf. Auch er hat an der Fassade seine Initialen "CH" anbringen lassen.

Aber wieso gab es unter den hiesigen Brauern in den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts einen so starken "Bauboom"? Die neue Eisenbahnverbindung nach Sachsen hatte ihnen einen großen Absatzmarkt beschert. Doch gute Bahnverbindungen allein hätten nicht viel gebracht - und Brauereien gab es überall. Was war das Herausragende am Kulmbacher Bier? Womit traf es den Geschmack seiner Kunden?

Weiches Wasser

Wegen der früher misslichen und langen Transportwege wurde das Kulmbacher Bier stärker eingebraut. Dies geschah, um es länger haltbar zu machen, und wurde schnell zu einem besonderen Merkmal. Außerdem verwendeten die Kulmbacher Brauer gute Rohstoffe, wie die hier im Umland angebaute, sehr eiweißhaltige Gerste oder den teuren Spalter Hopfen. Ganz wichtig war das sehr weiche Kulmbacher Wasser, mit dem auch Pilssorten gebraut werden konnten.

Natürlich spielten auch die Kühlmöglichkeiten eine Rolle, denn es gab bis zur Erfindung der Aggregate nur die natürliche Kühlung im Berg, wie in den Felsenkellern im Burgberg. In Kulmbach gab es über 80 alte Bierkeller, die für eine lange kühle Gärung und Lagermöglichkeiten sorgten und damit für eine längere Haltbarkeit und guten Geschmack. Damals wie heute nützte das aber alles nichts ohne das Können unserer Kulmbacher Bierbrauer. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts konnten die einheimischen Brauer den ständig steigenden Lieferwünschen nicht immer gerecht werden.

Enorme Auslastung

Gebraut wurde in Gesellschaftsbrauhäusern, zusammen mit anderen Brauern. Deren Auslastung war enorm, so dass neben vielen anderen wie Reichel, Pöhlmann, Hering oder Scheiding der Bierbrauer Christian Haberstumpf im Jahr 1863 sein eigenes Brauhaus im Kressenstein errichtete und den Kommunalen Brauerverband verließ.

Der Anteil von Haberstumpf am gesamten Umsatz war eigentlich gering. Wurden im Geschäftsjahr 1865/66 in den Brauhäusern 25 000 Scheffel Malz verbraucht, war sein Anteil gerade einmal 378 Scheffel groß.

Wegen des untergärigen Brauverfahrens der Kulmbacher wurde in den Monaten Oktober bis März gebraut. Durch Erhöhung der Stammwürze und des Alkohols und durch stärkere Hopfung entstand ein besonders haltbares Bier. Wir kennen es vom Kulmbacher Bierfest oder auch vom Oktoberfest in München.

Im Reisehandbuch für das Königreich Bayern von 1868 beschreibt Julius Bernhard auch Kulmbach und gibt darin unter anderem Hinweise auf bestehende Brauereien: "Culmbach, schön gebaute Stadt am Weißen Main mit 4150 Einwohnern. Die Stadt hat 3 Kirchen, Spital, Armen- und Krankenhaus und Sitz eines Landgerichts. Betreibt ausgezeichnete Bierbrauereien mit großem Absatz ins Ausland."

Kaum exportiert

Er beschreibt darin auch die Brauerei von C. Haberstumpf: "Brauerei unweit des Bahnhofes, den ganzen Tag warme und kalte Speisen bei gutem Bier und billigen Preisen."

Die Brauerei Haberstumpf hat das gebraute Bier zum großen Teil in Kulmbach und Umgebung abgesetzt, nur sehr kleine Mengen wurden exportiert. Was den Bierabsatz außerhalb Bayerns angeht, wurde in einer Aufstellung von 1878 Haberstumpf gerade mal mit 21 Hektolitern Exportbier genannt. Damals gab es in Kulmbach 47 größere, aber eben doch auch einige kleinere Brauer. Etliche davon waren Bäcker, die nur für den eigenen Ausschank brauten.

Von Haberstumpf wissen wir, dass sich sein Ausschank im Oberhacken 12 (ehemalige Bäckerei Schnirring) befand. Der Gär- und Lagerkeller war am Zweifalterberg (Röthleinsberg), unter den Anwesen Gäbelein und Hartnack.

Christian Haberstumpf heiratete am 10. Juni 1856 Barbara Münch. Die Tochter Margareta (1859 - 1930) ehelichte am 19. August 1880 den Brauereidirektor Lorenz Sandler. Haberstumpf baute 1882 im Kressenstein, gegenüber seiner Brauerei, ein Wohnhaus. Damit auch jeder wusste, dass hier sein Heim war, folgte er dem Vorbild seiner bekannten Brauerkollegen und ließ seine Initialen "CH" an der Fassade anbringen. Seine Tochter und sein Schwiegersohn errichteten 1898 gegenüber das große Haus Kressenstein 13 als Geschäftshaus. Aber das erlebte Christian Haberstumpf nicht mehr, bereits 1890 wird seine Ehefrau Barbara in Bauanträgen als Witwe bezeichnet.

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