Kulmbach
Bildung

In Kulmbach packen sie für den Nachwuchs an

Einrichtungen der "Die Kita" investieren in Garten- und Spiellandschaften. Das Naturerlebnis ist für die Kinder wichtig.
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Die Väter packten mit an: Florian Schneider, Oliver Höhn, Thomas Bürger, Christian Holhut.  Foto: privat
Die Väter packten mit an: Florian Schneider, Oliver Höhn, Thomas Bürger, Christian Holhut. Foto: privat
Alle halfen mit: Im Kindergarten Kreuzkirche der "Die Kita" (Diakonische Evangelische Kindertagesstätten) gestalteten über 40 freiwillige Helfer den Garten um und schufen so einen Natur-Erlebnisspielplatz.

Wenn man die Kindergartenleiterin der Einrichtung "Kreuzkirche", Bettina Roder, auf das Gartenareal "ihres" Kindergartens anspricht, kommt sie schnell mit leuchtenden Augen ins Schwärmen. Denn eigentlich sollte vor zwei Jahren im Frühjahr nur ein altes Klettergerüst entsorgt und ein neues angeschafft werden. Doch was dann geschah, klingt wie ein Märchen.

Katalogware gefiel ihnen nicht

Weil dem Kindergarten die handelsüblichen Metallkletteranlagen aus dem Katalog nicht zusagten, wurde nach Alternativen gesucht. So kam Bettina Roder mit dem aus Burghaig stammenden Gartenarchitekten Andreas Huber ins Gespräch.
Und Huber, der sich vor einigen Jahren auf die Planung und den Bau von Naturspielplätzen spezialisiert hat, gab Roder seine spontane Zusage, zu helfen.

Roder erinnert sich: "Nach einem Ideenworkshop mit Eltern, Kindern und Erzieherinnen erstellte der Architekt einen Bauplan, der aus drei Abschnitten bestand. Als wir im Sommer 2011 mit den ersten Arbeiten begannen, dachte ich, dass schaffen wir niemals. Wenn ich heute aus dem Fenster sehe, weiß ich, dass es das Beste war, was wir machen konnten."

Einsatz mit 40 Helfern

Zu verdanken ist das ganz vielen Menschen, die sich ehrenamtlich engagiert haben. An einem Wochenende kamen sogar über 40 Helfer mit Kindern im Garten zusammen. Die Malteser, deren Leitstelle sich in der Nachbarschaft befindet, packten spontan mit an. Gemeindepfarrer Martin Wolff schickte sogar seine Präparanden zur Mithilfe.

So gelang es unter Anleitung von Andreas Huber an einem Wochenende den ersten Bauabschnitt komplett umzusetzen. Plötzlich standen da nicht nur ein neues Kletterelement, sondern auch eine neue Schaukel, ein Sand- und Matschbereich samt Dusche, eine Rutsche, Sitzgelegenheiten mit einem Platz für Feste und Feiern und vieles mehr. In einem zweiten Bauabschnitt wurden dann noch zwei Holzhäuser und ein Wackelsteg fertig gestellt.
"Mindestens genauso spannend wie die Bauarbeiten war für die Kinder der erste Test ihres neuen Spielareals. Schließlich war nun alles aus Holz und Naturmaterialien und einige fragten da schon, ob man hier überhaupt richtig spielen kann", erinnert sich Bettina Roder.

Heute würde die Frage wohl nicht mehr gestellt, denn sobald die Sonne rauskommt verteilen sich die Kindergartenkinder im Nu auf dem Gelände, sie verschwinden zwischen Ästen und unter Bäumen - und spielen selbst erfundene Spiele. Ein paar Jungs fechten mit Stöcken, andere klettern in die Bäume. Milena, Lara, Amelie und Leon sitzen in der Burgruine zusammen. "Wir spielen, dass wir eine Familie sind", erklären Lea und Amelie. Jacob, Maximilian und Lukas klettern auf den Baumstämmen herum. "Das Holz ist toll zum Balancieren", sagt Emil.

Sogar billiger

Gekostet hat der Umbau weit weniger als herkömmliche Spielgeräte aus dem Katalog. Finanziert wurde die Aktion über die großzügige Beteiligung der Kirchengemeinde Kreuzkirche und über vielfältige Spenden. "Wir konnten viele Firmen für unser Projekt gewinnen, die uns mit Materialspenden unterstützten. Eltern stellten Baumaschinen zur Verfügung und der Kulmbacher Comedian ,Das Eich' gab sogar einen Live-Auftritt im Garten und spendete den Eintritt komplett für das Projekt. Außerdem konnten wir eine Blutspendeaktion direkt am Kindergarten mit dem Bayerischen Roten Kreuz organisieren. Das bescherte uns eine weitere Geldspende" erinnert sich Roder. Der kleine Jannis Mattes aus der Chili-Gruppe hatte kräftig mitgeholfen und ist sehr stolz darauf, "wir haben alle zusammengeholfen und haben jetzt den schönsten Garten von allen". Damit bringt er auf den Punkt, was viele denken. Denn durch die Aktion wurde ein Gemeinschaftsgefühl geschaffen.

Auch die Kita-Kindertagesstätten "Sonnenschein" in Thurnau und der Kindergarten Auferstehungskirche haben in Zusammenarbeit mit Gartenarchitekt Huber und unter Mithilfe von Eltern und anderen freiwilligen Helfern ähnliche Erlebnisspielplätze angelegt.

Geht es nach "Die Kita"-Fachbereichsleiterin Elke Wuthe, sollen viele weitere folgen: "Das Beste, was wir unseren Kindern bieten können, ist ein möglichst natürlicher, kreativer Gartenbereich, der viele und unterschiedliche Bewegungsanreize bietet. Kinder wollen phantasievoll und kindgerecht spielen und von der Natur lernen."
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