Untersteinach
Bürgerversammlung

In einem Jahr soll auf der Umgehung Untersteinach der Verkehr rollen

Vertreter des Staatlichen Bauamts gaben in der Bürgerversammlung einen Sachstand zum Bau der Untersteinacher Ortsumgehung.
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Derzeit wird in Untersteinach mit Hochdruck an der großen Talbrücke gearbeitet. Alexander Müller
Derzeit wird in Untersteinach mit Hochdruck an der großen Talbrücke gearbeitet. Alexander Müller

Bereits Ende 2020 soll die Ortsumfahrung Untersteinach so weit fertiggestellt sein, dass der Verkehr über die neue Trasse geführt werden kann. "Wir haben die Halbzeit überschritten", betonte Baudirektor Fritz Baumgärtel in der Bürgerversammlung. Mit seinem Stellvertreter Alexander Siller erläuterte er sachlich das Megaprojekt. Diese Sachlichkeit vermisste man dagegen bei einigen Wortbeiträgen.

Fünf der sechs Brücken sind schon gebaut

Fünf von sechs Brücken sind Baumgärtel zufolge bereits fertiggestellt. Derzeit liefen die Arbeiten an der großen Talbrücke. Zur Zeit würden die Pylonen bis zu 54 Meter tief im Untergrund verankert und mit Stahlseilen versehen. Die Grundkonstruktion sei aus Stahl. Ein Schweißroboter sei im Einsatz, aber zahlreiche Nähte müssten auch per Hand verschweißt werden. "Unser Ziel ist es, die Schweißarbeiten und die Seilkonstruktion noch in diesem Jahr fertigzubekommen." 2020 könne dann die Fahrbahn gebaut werden.

Die Experten gingen auch auf die aufwändige Befestigung des Untergrunds ein. Mithilfe sogenannter Stopfsäulen müsse dieser mit Schotter-Bindemittel stabilisiert werden. 1550 solcher Säulen seien nötig.

"Wir wollen keine Mondlandschaft"

Gemeinderat Thomas Rosenberger (UBG) betonte, dass die Untersteinacher "grüne Landschaften, keine Mondlandschaften haben wollten". Er bat, auf bienenfreundliche Bepflanzungen Rücksicht zu nehmen. "Sie bekommen eine klare Zusage", erklärte dazu der Baudirektor und bat um ein bisschen Geduld.

Bernhard Herrmann kommentierte die Ausführung süffisant: "Uns bleibt ja nichts anderes übrig als begeistert zu sein." Er schob aber sofort die Frage nach: "Wie viele Bäume sind eigentlich beseitigt worden. Stimmt die Zahl 3000 - und wo ist der Ausgleich?"

Wieviel wurde abgeholzt?

Der Baudirektor betonte, dass eine Fläche von 0,6 Hektar abgeholzt werden musste. "Wir bewegen uns im FFH-Gebiet, da gibt es strenge Grenzen." Schon während des Baus seien Ersatzpflanzungen vorgeschrieben. Diese würden auch getätigt. Im Anschluss an den Bau solle im Tal ein Auwald angepflanzt werden. Allerdings müsse man hierfür noch Grundstücke erwerben. Das Bauamt habe bereits Vogelnistkästen aufgehängt, um die abgeholzten Bäume entlang der Straße zu ersetzen. Außerdem seien bei der Mühlwegsiedlung Hecken gepflanzt worden.

Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) hielt seinen Sachvortrag zur Gemeindeentwicklung kurz. "Seit der letzten Bürgerversammlung hat sich sehr viel Positives bewegt. Der Gemeinderat hat es sich nicht immer leicht gemacht, es wurde viel diskutiert - auch kontrovers." Dennoch habe mal viele Dinge einstimmig auf den Weg gebracht.

Gumpersdorf beziehe sein Wasser seit wenigen Tagen von der Rodacher Gruppe. Der zweite Bauabschnitt der Hochwasserfreilegung sei ebenfalls fertiggestellt. Erfreut zeigte sich Schmiechen über die Sanierung der Hummendorfer Brücke. Aktuell werde der Kindergarten um Krippenplätze erweitert.

Aufzüge lassen auf sich warten

Allerdings hatte der Bürgermeister auch eine wenig erfreuliche Mitteilung. So lasse der Bau der Aufzüge am Bahnhof auf sich warten. "Wir haben die Mitteilung bekommen, dass es baurechtliche Probleme gibt."

Auch die Wasserversorgung war ein Thema. Volker Schmiechen ging noch einmal auf den im April gefassten Gemeinderatsbeschluss ein, dass die Hochzone künftig von der FWO versorgt werden soll. Außerdem sei der Bau einer neuen Verbundleitung von Hummendorf nach Untersteinach vorgesehen. Derzeit würden die Unterlagen für den Förderantrag zusammengestellt. Schmiechen betonte noch einmal, dass der Hochbehälter Kernshölzle außer Kraft gesetzt wird. Die Tiefzonen würden künftig mit Wasser des Brunnens Pressecklein versorgt.

Viele Fragen

Diese Aussagen reichten einigen Bürgern nicht. Helmut Bergmann (WGU) hatte einen Fragenkatalog vorbereitet. Er wollte wissen, ob das Ingenieurbüro ein Fachgutachten erstellt hat, wie hoch die Verbesserungsbeiträge sein werden und wie sich der Wasserpreis entwickeln wird. "Wenn ich jetzt eine Zahl sagen würde, wäre das so, als ob ich in die Glaskugel schauen würde. Wir haben noch nicht einmal die Ausschreibung", sagte der Bürgermeister.

Dies hinderte Bergmann nicht daran, aus alten Sitzungsunterlagen zu zitieren und früher getroffene Entscheidung in Frage zu stellen und heftig zu kritisieren. "Ich bitte, sensibel mit dem Thema Wasser umzugehen, um die Fehler der Vergangenheit nicht noch mal zu machen", sagte Gemeinderat Markus Weigel (WGU).

Bernhard Herrmann hatte im Vorfeld 23 Fragen und Anträge schriftlich an die Verwaltung gesandt. Viele davon hatte er schon unzählige Male öffentlich vorgetragen, auch bei früheren Bürgerversammlungen. Schmiechen verlas die Fragen und ging kurz auf die Sachverhalte ein. Zu einem Disput kam es trotzdem, als Herrmann darauf pochte, die Antworten zu kommentieren.

"Da bin ich ja froh, dass ich der Verwaltung die Fragen nicht schriftlich mitgeteilt habe, sonst würde ich auch so abgebügelt werden", sagte Tobias Eichner. Er forderte eine regelmäßige Säuberung der Buswartehäuschen, eine Reparatur von Asphaltrissen auf den Radwegen und eine Instandsetzung des Projektors im Gemeindesaal. Dieser gebe die Farben verfälscht wieder, monierte er.

Als Bernhard Herrmann erneut das Wort ergriff und weit ausholte, verließen etliche Untersteinacher den Saal.

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