Kulmbach
Gebäude

In der Kulmbacher Bergstraße gibt es ein Juwel mit Burgblick

Das Gartenhaus der Familie Stephan in der Kulmbacher Bergstraße kann am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden.
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Das Gartenhaus in der Bergstraße kann am Sonntag besichtigt werden. Hermann Müller
Das Gartenhaus in der Bergstraße kann am Sonntag besichtigt werden. Hermann Müller
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Am 8. September, dem Tag des offenen Denkmals, stehen Interessierten wieder zahlreiche Sehenswürdigkeiten zur Besichtigung offen. In Kulmbach beteiligt sich diesmal auch die Familie Stephan aus der Bergstraße 9 an der Aktion. Sie öffnet von 13 bis 17 Uhr ihr "Salettl" für Neugierige.

Das außergewöhnliche Gartenhaus besticht nicht nur durch seine Gestaltung, sondern auch durch seine Lage. Wer es über die enge Treppe bis zum Turmzimmer hochgeschafft hat, genießt von dort einen wunderschönen Blick über die Kulmbacher Altstadt.

Um Turm erweitert

Das Gartenhaus dürfte Mitte des 19. Jahrhunderts als eingeschossiges Gebäude mit Walmdach als Sommerfrische inmitten einer damals noch völlig unbebauten Reuth am Rehberg errichtet worden sein. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es aufgestockt und um den Turm erweitert.

1929 hat das Ehepaar Adam und Babette Förtsch das Anwesen von Otto Besold erworben. Im Jahr 1991 hat Dagmar Stephan das Gartenhaus dann von ihren Großeltern geerbt.

Obwohl sie zusammen mit ihrem Ehemann Ulrich an dem denkmalgeschützten Anwesen immer Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durchgeführt hat, musste im vergangenen Jahr eine größere Sanierung erfolgen.

Viele Schäden im Verborgenen

Die umfangreichen Arbeiten begannen im März 2018. Die Koordinierung hatte das Büro "denkmalRaum" unter der Leitung der fachkundigen Diplomingenieurin Martina Schwarz übernommen. Die Sanierung sollte sich über fünf Monate hinziehen, weil immer wieder Schädigungen entdeckt wurden, die vor der Entfernung der Verkleidungen nicht ersichtlich waren. So musste die Loggia komplett erneuert werden, weil alle Konstruktionshölzer verformt oder beschädigt waren.

Am 9. April 2018 konnte mit der Fachwerksanierung begonnen werden. Leider haben sich auch hier größere Schäden gezeigt, so dass mit enormem Aufwand ein Großteil der Hölzer ersetzt werden musste. Dies hat natürlich auch zu zeitlichen Verzögerungen geführt, die nicht mehr aufgefangen werden konnten, weil durch die Kleinräumigkeit des Objektes nie mehr als zwei Gewerke mit maximal vier Arbeitern gleichzeitig arbeiten konnten.

Ocker die Originalfarbe

Die Farbe Ocker für die Bemalung des Fachwerks erscheint auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich. Im Rahmen der Befunderhebung konnte der Restaurator Uwe Franke jedoch feststellen, dass dies der Farbgebung der Originalbemalung entspricht. Der grüne Anstrich musste also bei einer späteren Sanierung aufgebracht worden sein.

Es wurde Mitte Juni 2018, bis die Untergrundvorbereitungen für die Malerarbeiten, der Einbau der neuen Turmfenster und die Innenputzarbeiten beginnen konnten. Mit dem Aufbau der neuen Loggia im Juli 2018 konnten dann die Arbeiten am Gartenhaus abgeschlossen werden.

Gegen Einsturz gesichert

Im April 2019 folgte dann die Sanierung der Sandsteinportals und der Gartentreppe. Wie es bei der Sanierung historischer Bausubstanz leider immer wieder vorkommt, geriet sie aufwändiger als zuvor eingeschätzt. Die Stufen mussten rückgebaut und auf ein neues Betonfundament gesetzt werden. Das Sandsteinportal wurde mittels Vernadelung gegen Einsturz gesichert und mit Steinersatz saniert.

Die Förderungen durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, die Oberfrankenstiftung und die Bayerische Landesstiftung machten es möglich, dass das historische Gartenhaus heute wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Hinweise zum Tag des offenen Denkmals

Gartenhaus Als Salettl werden laut Wikipedia in Österreich und in Bayern kleine, meist offene Gartenhäuser und Pavillons bezeichnet. In den für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts typischen Salettln entwickelte sich die bürgerliche Freizeitgesellschaft. In diesen hölzernen Wirtsgärten wurde Bier oder Kaffee serviert.

Öffnungszeiten Das Objekt ist am Tag des offenen Denkmals von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Dagmar und Ulrich Stephan freuen sich auf viele Besucher, die das Kleinod erkunden möchten.

Parken Aufgrund der sehr begrenzten Parkmöglichkeiten in der Bergstraße empfiehlt es sich, das Auto bereits in der Gustav-Adolf-Straße abzustellen und den Weg dann zu Fuß fortzusetzen.

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