Kulmbach
Forstwirtschaft

In der Kinderstube des Waldes: Hier kommt das Saatgut für junge Bäume her

Bäume, die dem Klimawandel trotzen, müssen gesund und kräftig sein. Die Samen für die Jungpflanzen werden unter anderem bei Kulmbach gewonnen.
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Förster Matthias Schulze, Praktikant Maximilian Wegmann und Andreas Büchner, der Leiter des Pflanzgarten-Stützpunktes Bindlach (von links), erläutern, wie die Forstmitarbeiter Buchensamen "ernten", um daraus kräftige, junge Bäume zu ziehen.Foto: Katrin Geyer
Förster Matthias Schulze, Praktikant Maximilian Wegmann und Andreas Büchner, der Leiter des Pflanzgarten-Stützpunktes Bindlach (von links), erläutern, wie die Forstmitarbeiter Buchensamen "ernten", um daraus kräftige, junge Bäume zu ziehen.Foto: Katrin Geyer
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Dem Wald geht es nicht gut. Trockenheit und Hitze, Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner, Rußrindenkrankheit oder Eschensterben - die Probleme häufen sich, und in den Forstbetrieben stellt man sich längst die Frage, wie der Wald der Zukunft aussehen wird. "Wir brauchen Wälder, die sich an den Klimawandel anpassen", sagt Matthias Schulze, Leiter des Forstreviers Neudrossenfeld. Das geht am besten, wenn man beim sogenannten Waldumbau auf heimisches Saatgut setzt. Zum Beispiel solches aus dem nördlichen Kulmbacher Buchwald hinter der Plassenburg. Zwischen Tennach und der Plassenburg haben Maschinen in den letzten Tagen einiges an Büschen und jungen Bäumen entfernt. Warum war das nötig? Förster Matthias Schulze und Andreas Büchner, der Leiter des Pflanzgarten-Stützpunktes Bindlach der Bayerischen Staatsforsten, erklären, dass in dem Gebiet in den nächsten Wochen Buchensamen geerntet werden sollen. Dazu müsse man Platz schaffen. Jungpflanzen will man allerdings nur punktuell und so sparsam wie möglich aus dem Wald entfernen. Warum passiert das gerade im Kulmbacher Buchwald? Die Ernte ist nur in amtlich zugelassenen Beständen erlaubt. Dazu gehört die etwa sechs Hektar große Fläche im nördlichen Buchwald. Dort stehen besonders gerade gewachsene, gesunde Bäume. Einige von ihnen sind bereits 150 Jahre alt. Sie sind gut an den Standort (Klima und Boden) angepasst. Das erhöht die Chance, dass auch die nachgezogenen Jungpflanzen kräftig und gesund sind. Insgesamt wurden 23 Bäume für die Ernte ausgewählt. Sie sind an einem gelben Band um den Stamm erkennbar. Wie läuft die Ernte ab? Rund um die ausgewählten Bäume wird zunächst die Vegetation weggeschnitten. Dann werden große, kleinmaschige Netze ausgelegt. Auf diese Netze fallen die Bucheckern, also die Früchte der Buche. Nach einigen Wochen - ungefähr Mitte Oktober - werden die Netze von herabgefallenem Laub und kleinen Ästen gereinigt; die Bucheckern werden abgesammelt, leere Samenkapseln werden aussortiert. Was passiert mit den Samen danach? Die Samen bekommen ein Zertifikat, also einen Herkunftsnachweis. Außerdem werden sogenannte Rückstellproben genommen. So kann man später immer genau feststellen, wo der Samen für einen bestimmten Baum herkam. Im Pflanzgarten-Stützpunkt in Bindlach werden die Samen zunächst in einem kühlen, feuchten Raum gelagert, in dem gewissermaßen der Winter in der Natur simuliert wird. Das ist nötig, damit die Samen überhaupt keimen können. Später werden die Samen eingelagert und können bei Bedarf im Wald ausgesät werden. So kann sich ein junger, gesunder und standortgerechter Baumbestand bilden. Wie oft wird im Wald Saatgut gewonnen? Geerntet wird im Forst alle zwei bis drei Jahre. Bei größeren Abständen würden die Mengen für den Waldumbau nicht ausreichen. Wie viele Jungpflanzen können aus den Samen aus dem Buchwald gezogen werden? Bei einer außergewöhnlich guten Ernte liefert eine Buche bis zu 30 Kilogramm Samen. Im Schnitt gehen Förster Matthias Schulze und Andreas Büchner von zehn Kilogramm aus, hochgerechnet auf die 23 Bäume rechnen sie mit rund 200 Kilogramm Ertrag. Aus einem Kilogramm Samen können etwa 600 Pflänzchen gezogen werden. Ein einziger Baum liefert Jungpflanzen für einen ganzen Hektar Wald. Braucht man zur Waldverjüngung ausschließlich Buchensamen? Wo ein gesunder Mischwald wachsen soll, reichen Buchen alleine nicht aus. Forstexperten raten zu mindestens vier verschiedenen Baumarten. Bei uns werden auch Eichen, Ahorn, Wildkirsche oder Elsbeere gepflanzt. Außerdem wird vereinzelt mit nicht-heimischen Baumarten wie der Libanon-Zeder experimentiert, um Bäume zu finden, die mit dem Klimawandel gut zurechtkommen.

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